
Im Zweiten Weltkrieg soll eine Eisenbahnlinie zur Grenze Myanmars der japanischen Armee einen entscheidenden taktischen Vorteil verschaffen. Offizier Akira (Hideki Nagayama) ist einer von vielen Soldaten, die mit dem ambitionierten Projekt betraut wurden, doch die Arbeiten und Planungen gestalten sich alles andere als einfach. Neben seinem sadistischen Vorgesetzten erschweren auch Rebellentruppen in den Bergen die Fertigstellung der Strecke. Deren Anführer Notong (Yasaka Chaisorn) überlebte als Einziger ein von der japanischen Armee verübtes Massaker in seinem Dorf und hegt seitdem einen tiefen Hass gegen die Besatzer seiner Heimat.
Seiner Tochter Sanor (Narilya Gulmongkolpech) gibt er den Auftrag, einen Kriegsgefangenen (James Laver) aus den Händen der Japaner zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Als ihre Tarnung auffliegt, verfolgen Akira und seine Männer die beiden unter der Führung des Einheimischen Renja (Daung) bis in eine alte Mine. Bevor es jedoch zu einer Konfrontation kommt, stürzt der Eingang infolge eines Bomberangriffs ein, sodass die Soldaten, Renja, Sanor und der flüchtige Gefangene unter Tage eingeschlossen sind.
Während sie in der Dunkelheit nach einem Ausgang suchen, bemerken sie, dass sie keineswegs allein in der Mine sind. Der Omukade, ein riesiger Tausendfüßler, um den sich zahlreiche Legenden ranken, beginnt Jagd auf die Eindringlinge zu machen, die er als Nahrung für seine Nachkommen oder als Wirte für seine eigenen Zwecke nutzen will. Es beginnt eine atemlose Jagd durch die dunklen Schächte, bei der der Omukade den Menschen nicht nur wegen seiner ungeheuren Kraft überlegen zu sein scheint, sondern auch, weil er das düstere Labyrinth wesentlich besser kennt als sie.
Krieg gegen die Besatzer
Omukade ist das Prequel zu dem ebenfalls von Chalit Krileadmongkon und Pakphum Wongjinda inszenierten Creepy Crawly. Allerdings sollte man wissen, dass man als Zuschauer den Vorgängerfilm nicht unbedingt gesehen haben muss, um Omukade zu verstehen. Im Vergleich zu Creepy Crawly wollten die beiden Regisseure dessen Qualitäten weiter ausbauen und legten dabei noch mehr Wert auf das Design und die Welt der Kreatur, die laut Krileadmongkon nicht ausschließlich das Resultat von CGI sein sollte. Darüber hinaus verstehen er und sein Kollege Omukade als einen „Anti-Kriegs-Film“ oder vielmehr als eine Metapher auf den Krieg, bei dem beide Parteien sich bekämpfen, dabei aber die eigentliche Bedrohung lange außer Acht lassen. Von daher lohnt es sich, einen Blick auf diese beiden Aspekte von Omukade zu werfen, der tatsächlich thematisch ambitionierter zu sein scheint als Creepy Crawly.
Im Grunde erzählt Omukade von zwei Kriegen. Während der Zweite Weltkrieg und der Bau der Thailand-Burma-Eisenbahn die Rahmenhandlung liefern, findet spätestens mit dem Eintreffen der Figuren in der Mine ein anderer Krieg statt. Zwar bekämpfen sie sich zu Beginn noch gegenseitig, doch wie in vielen Creature Features verblassen ihre Konflikte, als sie auf einmal dem Monster gegenüberstehen, das sich naturgemäß wenig um ihren Krieg schert. Zeigt die Mine zu Beginn noch deutliche Spuren jener Menschen, die dort vor Jahren Ressourcen abbauten, wird der Handlungsort mehr und mehr zum Revier des monströsen Tausendfüßlers. Überall sieht man seine Spuren wie auch die menschlichen Wirte, die bei einem Fehltritt der Eindringlinge erbarmungslos Jagd auf diese machen. Je weiter die Figuren in die Mine vordringen, desto befremdlicher und unheilvoller wird das Setdesign, sodass man gemeinsam mit ihnen den Eindruck erhält, in ein fremdes, feindliches Revier eingedrungen zu sein.
Neben dem Design des Sets, das sich mit fortlaufender Handlung verändert, muss zudem das Creature Design erwähnt werden. Inspiriert von japanischen Yokai-Legenden wird die Kreatur zu einem furchterregenden, übermächtigen Gegner. Allein die Szenen, in denen man die menschlichen Wirte zum ersten Mal erblickt, gehören visuell zu den beeindruckendsten und erinnern an manchen Stellen sogar an Bilder aus den Alien-Filmen. Dieser Eindruck verstärkt sich durch das Sounddesign, bei dem man im Hintergrund immer wieder ein unheilverkündendes Kratzen und Scharren vernimmt, das ein erneutes Erscheinen des Monsters vorwegnimmt.
Gemeinsam gegen das Monster
Wie bereits bei Creepy Crawly liegen auch im Falle von Omukade die Stärken eher in den Designaspekten und weniger in der Geschichte. Die Anti-Kriegs-Thematik, auf die das Regieduo in Interviews anspielt, ist durch den historischen Kontext zwar impliziert, in der Praxis aber zu eindimensional und vorhersehbar. Bei einigen Figuren bemerkt man durchaus diese Ambitionen, beispielsweise bei Hideki Nagayamas Charakter, der sich im Zwiespalt zwischen Pflichterfüllung und seinen eigenen moralischen Bedenken befindet. Schauspielerisch gehören seine Szenen mit Ryota Omis Tamura, einem von Akiras Untergebenen, zum Besten, was Omukade zu bieten hat. Hier verdeutlicht sich der Konflikt des Offiziers, der den Ausgang des Krieges schon ahnt, seinem Gegenüber aber nicht den Glauben an einen Sieg nehmen will. Narilya Gulmongkolpechs Figur bleibt jedoch viel zu blass, um als Protagonistin wirklich überzeugen zu können, auch wenn gerade bei ihrem Charakter sehr viel Potenzial vorhanden gewesen wäre.
Im Grunde läuft die Handlung, wie bereits erwähnt, darauf hinaus, dass die menschlichen Charaktere ihre Kämpfe beenden müssen, wenn sie gegen das Monster eine Chance haben wollen. Für ein unterhaltsames Creature Feature ist das völlig in Ordnung. Wenn man sich jedoch auch als „Anti-Kriegs-Film“ versteht, ist das leider zu unterkomplex.
OT: „Omukade“
Land: Thailand
Jahr: 2025
Regie: Chalit Krileadmongkon, Pakphum Wongjinda
Drehbuch: Pakphum Wongjinda, Methus Sirinawin
Kamera: Maneerat Srinakarin
Musik: Jetsada Hongcharoen, Nattapak Kaweethammawong, Numpark Sribanditmongkol
Besetzung: Narilya Gulmongkolpech, Daung, Yasaka Chaisorn, James Laver, Hideki Nagayama, Ryota Omi, Keerati Sivakua
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