
Ein bisschen unangenehm ist es Kommissarin Sarah Frankfurter (Marie-Lou Sellem) ja schon, als sie am Morgen neben ihrem One-Night-Stand wach wird, einem deutlich jüngeren Mann, weswegen sie versucht, ihn so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Doch ohne Erfolg. Denn als sie am Tatort ankommt, muss sie feststellen, dass ihr Liebhaber der neue Kollege Jakob Loose (Johannes Hegemann) ist und dieser gerade erst seine Ausbildung abgeschlossen hat. Für Frankfurter ist klar, dass niemand von dieser Sexgeschichte erfahren darf, weshalb sie sich auf eine Notlüge einlässt. Gleichzeitig muss sie selbst die Wahrheit aufdecken, wer denn die Juristin Nicole Geissner (Anna Kubin) getötet hat – und aus welchem Grund. Ins Visier gerät dabei zum einen der Ehemann Nils (Franz Hartwig). Möglicherweise hängt der Mord aber auch mit dem Einsatz der Toten zusammen, das Embryonenschutzgesetz zu reformieren …
Plump und konstruierter Witz
Braucht es in einer Zeit, in der im öffentlich-rechtlichen Fernsehen praktisch täglich Krimis zu sehen sind, noch weitere Reihen und Serien? Ja, sagen die Sender und bringen in regelmäßigen Abständen weitere Titel auf den Markt, in der Hoffnung, damit wieder etwas Langfristiges aufbauen zu können. Neuester Anwärter ist Frankfurt Mord, mit dem das ZDF auf Publikumsfang geht. Den Auftakt macht dabei Ein neues Leben, weitere Teile sind zwar nicht angekündigt, aber durchaus angedacht. Der Titel der Reihe verweist dabei zum einen auf den Schauplatz, da die Filme wohl in Frankfurt am Main spielen werden. Kann man machen, abgesehen von dem Tatort Duo, das zuletzt in Fackel im Einsatz war, spielt kein Krimi in der hessischen Großstadt. Außerdem heißt die Protagonistin Frankfurter mit Nachnamen, was in dem Zusammenhang schon ziemlich dämlich ist.
Vielleicht meinte man aber auch, dass das irgendwie witzig ist. Denn das wird an anderen Stellen ebenfalls versucht. So geht ziemlich viel Zeit drauf, das One-Night-Stand irgendwie aufzubringen, ohne direkt darüber zu sprechen. Und weil das alles niemand wissen darf, kommt es zu einer völlig hirnrissigen Notlüge, an die sich diverse peinliche Situationen anschließen. Selbst aus der Frage, ob eine Frau mit einem zwanzig Jahre jüngeren Mann zusammen sein sollte, wird in Frankfurt Mord: Ein neues Leben ein Witz gemacht. Der eigentlich spannende Aspekt, wie es mit den unterschiedlichen Machtverhältnissen aussieht, wird hingegen gar nicht angesprochen. Ähnlich konstruiert ist es, wie das Thema jüdischer Glaube behandelt wird. Grundsätzlich ist es zwar nicht verkehrt, in einer Gesellschaft, in der berechtigte Israelkritik und bloßer Antisemitismus miteinander vermischt werden, dieser Religion einen Platz einzuräumen. Auf diese Weise ist das aber schon sehr plump.
Als Krimi langweilig
Etwas besser sieht es bei dem dritten gesellschaftlichen Thema aus, welches ebenfalls noch untergebracht werden sollte. Dabei geht es um unerfüllten Kinderwunsch und die verschiedenen Methoden, vielleicht doch noch Nachwuchs zu bekommen – auch solche, die derzeit gar nicht in Deutschland erlaubt sind. Nach dem Leihmutterskandal um Jens Spahn diesen Sommer ist Frankfurt Mord: Ein neues Leben da durchaus am Puls der Zeit. Und zumindest in Ansätzen wird hier dann auch mal diskutiert. Nur kommt der Film damit nicht sehr weit, weil einfach zu viele Stränge und Themen behandelt werden müssen. Da verwundert es nicht wirklich, wenn der TV-Film an der Oberfläche bleibt, es bei reinen Schlagwörtern bleibt.
Inhaltlich ist der Auftakt daher eine frustrierende Angelegenheit, wenn gute Absichten und Themen verschwendet werden. Dass der Fall an sich nicht besonders gut geworden ist, fördert den Ersteindruck auch nicht gerade. Grundsätzlich ist es zwar schon plausibel, wie der Krimi zwischen potenziellen persönlichen Motiven und den kontroversen Nachwuchsmethoden hin und her schwankt. Dann kommt Frankfurt Mord: Ein neues Leben aber wieder mit einer generischen Auflösung daher, wie sie gefühlt in jedem zweiten Krimi inzwischen vorkommt. Man darf sich auch bei diesem Genre ein bisschen mehr Gedanken machen, wie ein Verbrechen passiert. Trotz vereinzelt guter Ansätze: Lust auf mehr macht das hier wirklich nicht.
OT: „Frankfurt Mord: Ein neues Leben“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Franziska Margarete Hoenisch
Drehbuch: Elena Lyubarskaya, Tanja Bubbel, Nils Willbrandt
Musik: Richard Ruzicka
Kamera: Stefanie Reinhard
Besetzung: Marie-Lou Sellem, Johannes Hegemann, Leona Grundig, Billey Demirtaş, Franz Hartwig, Isabell Polak, Peter Schneider, Victoria Nikolaevskaja
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