
Im Lokalfernsehen des kanadischen Städtchens Westridge jagt ein Werbespot den nächsten: Der Anwalt Mostley Rosin (Kevin Singh) nimmt jeden Fall an, die Versicherungsgesellschaft Babba Cock versichert gegen alle erdenklichen Schadensfälle und ein Bettenlager bietet alle erdenklichen Matratzenarten. Ahmed Ahmed (Ahmed Ahmed) wirbt für sein Pfandleihhaus, ein Sektenguru für seine Science-Fiction-Romane und Musik-CDs und ein Autohändler für niedrige Preise. Derweil liefert sich das Sandwich-Restaurant von Jennifer Joy Avery (Allison Bench) einen Machtkampf mit dem neuen Nachbarn, dem All-you-can-eat-Restaurant Buffet Infinity. Unmittelbar vor deren Türen tut sich seit Kurzem ein Erdloch auf, das die Lokalnachrichten ebenso beschäftigt wie die Vermisstenfälle von Haustieren und Menschen, die wie das Erdloch beständig zunehmen.
Höllische Werbespots
Filmfestivals sind nicht zuletzt dafür da, mit Werken in Berührung zu kommen, denen man sich andernfalls nicht ausgesetzt hätte. Buffet Infinity ist so ein Fall. Allein dessen Inhalt zu beschreiben, gestaltet sich schwierig, so abgedreht und gleichzeitig schwer zu fassen ist das Langfilmdebüt des Kanadiers Simon Glassman. Die Handlung, sofern man sie überhaupt als solche bezeichnen möchte, setzt sich fast ausschließlich aus selbst gedrehten und satirisch überspitzen Werbeclips zusammen, die so oder so ähnlich um die Jahrtausendwende auf einem Lokalsender in Glassmans kanadischer Heimat Edmonton, Alberta zu nachtschlafender Zeit über den Äther gegangen sein könnten. Eine zusammenhängende Story ergibt sich letztendlich daraus, dass die Werbeclips in eine Art Dialog miteinander treten, der immer absurdere und radikalere Züge annimmt, je weiter die Handlung voranschreitet. Ein Midnight Movie der etwas anderen Art, denn der Horror schlummert im Werbeprogramm.
Von YouTube ins Kino
Am Anfang dieser kreativen Collage stand ein 30-sekündiger YouTube-Sketch, der den Regisseur nicht mehr losließ. Während der Coronapandemie nahm die Idee, aus dem Sketch einen kompletten Film zu machen, dann richtig Fahrt auf, wie Simon Glassman und seine Lebensgefährtin Allison Bench beim 13. HARD:LINE Film Festival in Regensburg verrieten. Insgesamt fünf Jahre investierten sie in Glassmans Langfilmdebüt, das beim 29. Fantasia International Film Festival in Montreal Weltpremiere feierte. Besetzt wurde der Film mit Freunden und Bekannten wie dem Stand-up-Komiker Ahmed Ahmed, den Glasman kennenlernte, als Ahmed Ahmed ihn in seinem Taxi zum Flughafen fuhr. Auch Bench spielt eine tragende Rolle, war während der Dreharbeiten zudem schwanger und sorgte dafür, dass auch das gemeinsame Kind mit Glassman einen Gastauftritt bekam. Es ist eine weitere kuriose Randnotiz eines an Kuriositäten reichen Films.
Nervenzehrende Länge(n)
So liebevoll all die Werbeclips auch gestaltet sind und so erstaunlich schlüssig sich am Ende alle Absurditäten zusammenfügen, über die große Schwäche des Films täuscht es nicht hinweg: Mit einer Laufzeit von 100 Minuten ist Buffet Infinity mindestens 20 Minuten zu lang. Das permanente Zappen zwischen den Kanälen von Spot zu Spot zehrt langsam, aber sicher an den Nerven des Kinopublikums. Weniger wäre in diesem Fall tatsächlich mehr gewesen. Denn im nicht enden wollenden Werbespot-Strom geht irgendwann auch der Schwung verloren, mit dem Buffet Infinity in den ersten Minuten so eindrucksvoll loslegt. Letzten Endes trägt das originelle Konzept, das auf der Kurzstrecke im Internet überzeugte, schlicht und ergreifend nicht für einen Langfilm.
OT: „Buffet Infinity“
Land: Kanada
Jahr: 2025
Regie: Simon Glassman
Drehbuch: Allison Bench, Simon Glassman, Elisia Snyder
Kamera: Edgar Pinzon
Besetzung: Kevin Singh, Kandido Uranga, Allison Bench, Eneko Sagardoy, Uma Bracaglia, Ahmed Ahmed
Fantasia International Film Festival 2025
SLASH Film Festival 2025
Sitges 2025
HARD:LINE 2026
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