Nouvelle Vague
© Jean Louis Fernandez
Nouvelle Vague
„Nouvelle Vague“ // Deutschland-Start: 12. März 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Paris, Ende der 1950er: Jean-Luc Godard (Guillaume Marbeck) lebt quasi für Filme. Unzählige davon hat er gesehen, auch darüber geschrieben hat er. Einen eigenen kann er jedoch nicht vorweisen, im Gegensatz zu seinem Freundeskreis – was ihn schon mächtig wurmt. Das soll sich nun ändern, er hat auch einige revolutionäre Ideen, wie er das alles machen kann. Die Finanzierung steht. Sein Ensemble hat er ebenfalls zusammen, Jean-Paul Belmondo (Aubry Dullin) und Jean Seberg (Zoey Deutch) sollen die Hauptrollen übernehmen. Und doch ist der Dreh nicht so einfach, wie sich das alle erhofft haben. Mit seinen Marotten treibt Godard die anderen bald in den Wahnsinn, immer wieder steht das ehrgeizige Projekt vor dem Aus …

Die Geschichte hinter einem Klassiker

Filme, die selbst das Thema Film zum Inhalt haben, gibt es natürlich nicht zu wenige. Manche stellen vielleicht einzelne Filmschaffende vor, sei es vor oder hinter der Kamera, oder beschäftigen sich mit der Filmindustrie insgesamt. Ein Sonderfall ist, wenn ein Film die Entstehungsgeschichte eines realen Films erzählt. So war Hitchcock nicht allein ein Biopic über den legendären Regisseur, sondern blickt hinter die Kulissen von Psycho. Ein anderes Beispiel ist Mank, das sich mit der Entwicklung des Drehbuchs von Citizen Kane beschäftigt. Diese Liste wird nun auch um Nouvelle Vague erweitert, einem weiteren Film über die Arbeit eines Filmklassikers. Dieses Mal ist es Außer Atem, dem Jahrzehnte später noch einmal ein Denkmal gesetzt wird.

Wobei es nicht allein um den Thriller an sich geht. Regisseur Richard Linklater legt vielmehr ein Werk vor, das auch als Porträt funktioniert, sowohl von der damaligen Zeit wie auch von seinem Kollegen Jean-Luc Godard, der eben diesen Klassiker geschaffen hat. Da drängt sich natürlich ein Vergleich zu Blue Moon auf, mit dem Linklater einige Monate zuvor schon ein anderes Künstlerporträt präsentierte – damals von dem Liedtexter Lorenz Hart. Und doch sind die beiden Werke sehr unterschiedlich geworden. War die musikalische Zeitreise von Melancholie geprägt, als eine Ära zu Ende geht, da handelt Nouvelle Vague von einem energiegeladenen Aufbruch. Godard wollte nicht einfach nur einen Film drehen, sondern auch die Regeln in den Müll werfen, wie Filme gedreht werden. Das betrifft etwa das Drehbuch, welches eher spontanen Ideen folgt, weniger einem Konzept. Aber auch bei der Inszenierung durfte munter ausprobiert werden.

Leichtfüßig und heiter

Das hätte leicht verkopft werden können, ein schweres Drama für ein Arthouse-Publikum, für das Filme in erster Linie intellektuell zu sein haben. Umso größer ist die Überraschung, wie leichtfüßig und heiter Nouvelle Vague geworden ist. So verneigt sich Linklater zwar durchaus vor seinem Kollegen, der als geistiger Erneuerer das französische Kino revolutionieren wollte. Aber es geschieht doch auch mit einem gewissen Augenzwinkern, wenn man bei seiner Interpretation von Godard nie genau weiß, ob er nun ein aufgeblasener Scharlatan oder ein Genie ist. So viel Spaß es dem Nachwuchsregisseur macht, andere vor den Kopf zu stoßen und sich nicht an Abmachungen zu halten, so viel Spaß macht es auch, ihm dabei zuzusehen. Der bislang wenig bekannte Hauptdarsteller Guillaume Marbeck stattet die Figur mit so viel eigenwilligem Charisma aus, dass man ihm ewig zusehen könnte.

Sehenswert ist die Zeitreise, die 2025 in Cannes Weltpremiere hatte, aber auch durch eine inszenatorische Besonderheit. So ahmen Linklater und Kameramann David Chambille die Optik von Außer Atem nach, inklusive Schwarzweiß und Bildformat, weshalb man tatsächlich den Eindruck hat, hier eine Art Making of des Klassikers zu sehen. Revolutionär ist das bei Nouvelle Vague dann nicht, was angesichts der Vorlage irgendwie deplatziert ist. Aber es ist doch sehr stimmungsvoll geworden. Und eben auch unterhaltsam. Wer sich für das Original oder das Filmgeschäft interessiert, für den ist das hier ein Muss. Aber selbst ein Publikum, das bislang keine Berührungspunkte hatte, kann mit dem ironischen Blick hinter die Kulissen eine tolle Zeit haben.

Credits

OT: „Nouvelle Vague“
Land: Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Richard Linklater
Drehbuch: Holly Gent, Vince Palmo
Kamera: David Chambille
Besetzung: Guillaume Marbeck, Zoey Deutch, Aubry Dullin, Adrien Rouyard, Antoine Besson, Jodie Ruth Forest

Bilder

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Nouvelle Vague
fazit
„Nouvelle Vague“ erzählt von den turbulenten Dreharbeiten des Klassikers „Außer Atem“. Das hätte leicht verkopft werden können, ist aber eine unerwartet leichtfüßige und unterhaltsame Hommage, die mit viel Humor einen Blick hinter die Kulissen wirft. Das richtet sich natürlich vor allem an ein Publikum, das mit dem Original vertraut ist. Aber auch so macht der Film eine Menge Spaß.
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