Die wandernde Erde II Liu Lang Di Qiu 2 The Wandering Earth 2
© Plaion Pictures

Die wandernde Erde II

„Die wandernde Erde II“ // Deutschland-Start: 21. Dezember 2023 (Kino)

Inhalt / Kritik

Viel Zeit bleibt der Menschheit nicht mehr, nur noch rund 100 Jahre sollen es sein, bevor sich die Sonne die Erde einverleibt. Um diesem Unglück zu entkommen, wurde beschlossen, die Erde aus dem Einzugsbereich der Sonne zu bewegen und woanders ein neues Leben zu beginnen, selbst wenn dies für einen großen Teil der Bevölkerung den Tod bedeuten wird. Nicht alle sind damit einverstanden, was da geplant ist. So kämpfen Anhänger des Digital Life Projects dafür, das Bewusstsein aller Menschen lieber in einer gigantischen Matrix zu speichern und auf diese Weise unsterblich zu machen. Zu dem Zweck schrecken sie auch nicht vor terroristischen Anschlägen zurück, was die Pläne immer wieder zu vereiteln droht …

Fortsetzung des Sci-Fi-Blockbusters

Wer die chinesischen Kinocharts verfolgt, kennt das Phänomen bereits: Da tummeln sich lauter Titel, von denen man noch nie gehört hat. Selbst Filme, die mehrere hundert Millionen US-Dollar einspielen, schaffen es nur selten zu uns. So war dieses Jahr etwa der immens erfolgreiche Mystery-Thriller Lost in the Stars im Rahmen des Fantasy Filmfests zu sehen. Eine reguläre Veröffentlichung ist aber nicht angekündigt. Eine der wenigen Ausnahmen, die es geschafft haben, war 2019 Die wandernde Erde. Doch die Freude darüber, dass der Science-Fiction-Blockbuster bei uns erscheint, wurde schnell getrübt. Nicht nur, dass der Film exklusiv bei Netflix zu sehen war, anstatt auf der großen Leinwand gezeigt zu werden. Er wurde zudem nicht auf Deutsch synchronisiert, woran sich bis heute trotz einer großen Petition nichts geändert hat.

Beim Nachfolger Die wandernde Erde II ist das anders, der schafft es auf Deutsch in die Kinos, ganz ohne Netflix. Das ist erfreulich, zumal es anders, als man beim Titel denken könnte, keine Vorkenntnisse braucht. Schließlich ist das hier ein Prequel. Die Vorkenntnisse machen das Ganze auch nicht weniger wirr. Schon beim ersten Teil lohnte sich das Einschalten primär wegen der Bilder, weniger wegen des Inhalts. Das ist beim Nachfolger nicht anders. Gerade die Geschichte um die Antriebe, mit deren Hilfe man durch das Weltall fliegen will, sollte man nicht groß hinterfragen. Sie ist nur ein Mittel zum Zweck, damit der Film aufwendig angelegte Aufnahmen bringen kann, sei es von der Erde oder aus dem Weltall. Die können sich auch wieder sehen lassen, zumindest eine Weile. Auf knapp drei Stunden ausgedehnt, hält sich der Reiz dann aber doch in Grenzen.

Zwischen Kitsch und Nationalismus

Es gibt aber auch andere Mankos, die den Film zu einer Geduldprobe werden lassen. Da sind zum einen Szenen, bei denen sich ganz ungeniert dem Pathos und dem Kitsch hingegeben wird. Man mag es hier schon theatralisch. Unangenehm sind zudem die nationalistischen Untertöne, die man bei chinesischen Großproduktionen immer wieder findet. Klar, das haben Filme aus anderen Ländern auch, aus Hollywood kamen da im Laufe der Zeit ziemlich üble Dinge. Das macht Die wandernde Erde II aber nicht besser. Zwar arbeiten in dem Film die verschiedensten Nationen zusammen. Letzten Endes sind aber die Chinesen wenig überraschend diejenigen, die den Ton angeben oder die zumindest wissen, wie es richtig geht.

Zusammen mit der angesprochenen exzessiven Laufzeit führt das dazu, dass der zweite Teil letztendlich weniger sehenswert ist als der erste. Seine Momente hat er dabei durchaus. Da ist nicht nur die besagte Optik, die zwar immer sehr künstlich ist, aber doch recht schick dabei. Auch das Thema der Bewusstseinsspeicherung ist immer wieder dankbar, wäre für interessante Diskussionen gut. Sie ist hier zudem mit dem emotionalsten Part der Geschichte verbunden, wenn ein Vater seine verstorbene Tochter speichern will. Aber auch da wird immer wieder so dick aufgetragen, dass Die wandernde Erde II mitunter einfach anstrengend ist. So erfreulich es ist, dass ein hiesiger Verleih den Film einem deutschen Publikum zugänglich macht: Da hätte es bestimmt spannendere Titel gegeben.

Credits

OT: „Liu Lang Di Qiu 2“
IT: „The Wandering Earth 2“
Land: China
Jahr: 2023
Regie: Frant Gwo
Drehbuch: Yang Zhixue, Gong Geer, Frant Gwo, Ruchang Ye
Vorlage: Cixin Liu
Musik: Roc Chen
Kamera: Michael Liu
Besetzung: Andy Lau, Jing Wu, Zhi Wang, Xuejian Li, Yi Sha, Ning Li, Yanmanzi Zhu

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Die wandernde Erde II
fazit
„Die wandernde Erde II“ setzt die wirre Geschichte des Science-Fiction-Blockbusters fort und vertraut dabei vor allem auf die aufwendige Optik. Für diese und vereinzelt interessante Themen kann man einen Blick riskieren. Der Film ist aber in mehrfacher Hinsicht exzessiv, ob es die völlig übertriebene Laufzeit ist, der Hang zum Pathos oder die fragwürdigen nationalistischen Passagen.
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