Beim Bund
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Beim Bund

Beim Bund
„Beim Bund“ // Deutschland-Start: 21. Januar 1982 (ZDF) // 12. Oktober 2023 (DVD)

Inhalt / Kritik

In den frühen 1980er Jahren galt in der Bundesrepublik Deutschland noch die allgemeine Wehrpflicht, nach der sich jeder männliche deutsche Staatsbürger einer Musterung unterziehen und, bei Tauglichkeit, danach zur Ableistung des Wehrdienstes in den Streitmächten verpflichten musste. Ausgenommen war darüber hinaus nur, wer den Wehrdienst verweigerte und dazu keinen Ablehnungsbescheid erhielt. Die neunteilige deutsche Vorabendserie Beim Bund, die in den ersten Monaten des Jahres 1982 donnerstags im ZDF ausgestrahlt (und seitdem nicht mehr wiederholt) wurde, nahm in eigenständigen 25-minütigen Episoden verschiedene Aspekte der westdeutschen Bundeswehr unter die Lupe. Im Mittelpunkt stand jeweils ein Soldat, dessen persönliche Erfahrungen beim Bund exemplarisch betrachtet wurden und mal auf seriöse, mal auf eher komische Weise den Alltag beim Heer, in der Marine und bei der Luftwaffe abbildeten. In den Hauptrollen war die Anthologie-Serie mit aufstrebenden Nachwuchsschauspielern besetzt, in den Nebenrollen tummelten sich bekannte deutsche Fernsehgesichter und Stars aus anderen etablierten TV-Serien.

Keine reine Propaganda-Produktion

Als Beim Bund im Jahr 1981 gedreht wurde, war die internationale politische Situation äußerst angespannt. Der Kalte Krieg zwischen Ost und West drohte aufgrund des ständigen Wettrüstens in eine neue heiße Phase überzugehen. Andererseits boomte auch die weltweite Friedensbewegung, nachdem die Entwicklung der Neutronenbombe dieser ab dem Jahr 1977 eine neue Dynamik und unzählige neue Anhänger beschafft hatte. In den Jahren 1979 bis 1983 nahmen die weltweiten Proteste gegen die Militarisierung beständig zu, auch die Zahl der Wehrdienstverweigerer stieg kontinuierlich an. Vor diesem Hintergrund wirkt eine Serie wie Beim Bund auf den ersten Blick wie eine Propaganda-Produktion für die Bundeswehr. Doch entgegen dieser Erwartungen ist die neunteilige Serie, in der Claus Peter Witt (Die Gentlemen bitten zur Kasse, Lindenstraße) mit vier Episoden am häufigsten die Regie übernahm, erstaunlich differenziert geraten und bietet auch genügend selbstkritische Töne, die man bei vergleichbaren US-amerikanischen Produktionen (z.B. Top Gun) vergeblich suchen würde.

Gleich in der ersten Episode Zett Zwo geht es um den neuen Zeitsoldaten Roland Weber (Richy Müller, noch unter seinem bürgerlichen Namen Hans Jürgen Müller in den Credits genannt), der sich über die Hierarchien beim Bund lustig macht und am Ende genau die Charaktereigenschaften seiner Vorgesetzten annimmt, die ihm zuvor ein Dorn im Auge waren. Auch Führungsprobleme werden thematisiert, wenn sich ein noch extrem junger und entsprechend unerfahrener Oberleutnant (Rainer Goernemann) gegen einen Haufen undisziplinierter Soldaten zu behaupten lernen muss. In Der Wechsel steht ein ehemaliger DDR-Bürger (Ingolf Gorges) im Mittelpunkt, der in „den Westen rübergemacht“ hatte und nun von der Stasi erpresst wird, die ihm seinerzeit die Flucht ermöglichte, um auf ihn als Spitzel zurückgreifen zu können. Auf selbstironisch-humorvolle Weise behandelt die Folge Unternehmen Katzenfell die Bürokratiehürden, die man sich innerhalb der Armee ausgesetzt sieht, wenn offizielle Anträge im Sande verlaufen und Schenkungen einer Firma nicht akzeptiert werden dürfen.

Authentische Soldatengeschichten

Man merkt der mittlerweile 40 Jahre alten Serie an, dass sie mit Unterstützung der Bundeswehr hergestellt wurde, da etliche Panzer, Kampfjets und sogar ein U-Boot zum Einsatz kamen, die die inhaltlich vielfältigen Episoden authentisch bebildern helfen. Die Bandbreite der insgesamt von sechs verschiedenen Autoren geschriebenen neun Episoden ist stattlich, auch ein Kriegsdienstverweigerer, dessen Antrag abgelehnt (gespielt von Martin Falk) und der nun doch eingezogen wurde, wird in der Folge Pazifist in Uniform näher beleuchtet.

Sieben der neun Folgen sind auch heute noch kurzweilig unterhaltsam, lediglich die erste und die letzte Episode fallen da ein wenig aus dem Rahmen, Reserve hat keine Ruh‘ insbesondere deswegen, weil hier ein eher platter, überzeichneter Humor dominiert, der die kritischen Töne über Einsatzübungen von Reservisten übertüncht. Ansonsten bieten die knackig-kurzen Folgen aber höchst interessante Einblicke in die Abläufe bei der Bundeswehr, ohne diese Institution allzu sehr zu glorifizieren. In der Reihe „Pidax Serien-Klassiker“ sind die neun 25-minütigen Folgen nun auf zwei DVDs erschienen. Das Bild (im Vollbildformat 1,33:1) ist hinsichtlich des Alters des Ausgangsmaterials in Ordnung, auch der deutsche Originalton (in Dolby Digital 2.0) entspricht den Erwartungen. Bonusmaterial ist keines vorhanden.

Credits

OT: „Beim Bund“
Land: Deutschland
Jahr: 1982
Regie: Ulrich Stark, Frank Guthke, Claus Peter Witt
Drehbuch: Roderich Feldes, Rudolf Nottebohm, Gerd Oelschlegel, Ulrich Stark, Hans Georg Thiemt, Hans Dieter Schneeb
Kamera: Kai Borsche, Siegfried Hold
Besetzung: Richy Müller, Rainer Goernemann, Ingolf Gorges, Diether Krebs, Michael Weber, Claus Ringer, Helmut Zierl, Martin Falk, Tilo Prückner

Bilder

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Beim Bund
fazit
In neun Episoden stellt die Serie "Beim Bund" ebenso viele Soldaten und ihre Erfahrungen vor, mal seriös, mal komisch. Das klingt nach Propaganda, gibt aber höchst interessante und größtenteils unterhaltsame Einblicke in die Abläufe bei der Bundeswehr, ohne diese Institution allzu sehr zu glorifizieren.
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