Unter anderen Umständen: Mütter und Söhne Tv Fernsehen ZDF Streamen online Mediathek
© ZDF/Georges Pauly

Unter anderen Umständen: Mütter und Söhne

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„Unter anderen Umständen: Mütter und Söhne“ // Deutschland-Start: 11. September 2023 (ZDF)

Inhalt / Kritik

Als unter einer Brücke ein überschlagenes Auto mit einem Toten gefunden wird, scheint der Fall klar zu sein: Da hat es einen schrecklichen Unfall gegeben, der den Fahrer das Leben gekostet hat. Doch dann stellt sich heraus, dass Björn Hinrichs (Tom Jester) offensichtlich schon vorher tot war. Jemand muss ihn ermordet und anschließend einen Unfall vorgetäuscht haben. Eine erste Spur führt zu Henning Riedel (Matthias Reichwald), schließlich hatte der Mieter des Verstorbenen seit einiger Zeit bereits Streit. Jana Winter (Natalia Wörner) ist aber überzeugt, dass an der Geschichte mehr dran ist. Gleichzeitig hat sie Probleme zu Hause, da ihr Sohn Leo (Jacob Lee Seeliger) irgendetwas mit sich herumschleppt, worüber er aber partout nicht reden will …

Wenig gelungener Krimi

Der Krimiherbst will nicht so recht in Schwung kommen. Obwohl inzwischen bereits mehrere beliebte Reihen fortgesetzt wurden, das Warten auf ein Genrehighlight geht weiter. Ob nun der Entführungsthriller Polizeiruf 110: Du gehörst mir, die Schatz-Groteske Tatort: Gold oder Das Quartett: Mörderischer Pakt, das sich mit dem heiklen Thema der Organspende befasst, überzeugend war das nicht. Da waren die Erwartungen an Unter anderen Umständen umso höher. Schließlich ist die seit 2006 ausgestrahlte ZDF-Krimireihe auf einem konstant hohen Niveau. Auch die Zuschauerzahlen sind erstaunlich konstant, lagen zuletzt bei 7,5 Millionen. Leider setzt Mütter und Söhne aber den unglücklichen derzeitigen Trend fort, dass der deutsche Fernsehkrimi unter wenig gelungenen Drehbüchern zu leiden hat.

Der Einstieg ist dabei recht solide. Wenn jemand einen Mord als Unfall tarnt und dabei so viel Aufwand betreibt – da musste mit der Leiche durch die Gegend gefahren werden und eine alternative Rückfahrmöglichkeit organisiert –, dann spricht das schon für eine größere kriminelle Energie. Und für ein gewisses Maß an Intelligenz. Das hat dann den Nachteil, dass man bei Unter anderen Umständen: Mütter und Söhne ziemlich genau weiß, dass der zunächst verdächtigte Riedel eher nicht der Täter ist. Der fällt mehr in die Kategorie cholerischer Schläger. Andererseits gehört das zu den Gesetzen des Krimis, dass Figuren, die am Anfang verdächtigt werden, meist nicht die Tat begangen haben. Da braucht es erst ein paar falsche Fährten, damit es nicht ganz so einfach wird.

Zu viel Seifenoper

Und doch, so ganz wird hier das Konzept des klassischen Whodunnit-Krimis nicht eingehalten. Viel zu früh führt Drehbuchautorin Elke Rössler (Dr. Nice: Alte Wunden, Katharina Tempel: Was wir verbergen) die Figur des jungen Polizisten Lukas Jepsen (Tom Gronau) ein, der sich in die Ermittlungen einmischt und diverse Grenzen überschreitet. Weit vor Schluss ist deshalb hier vieles bereits klar, man wartet bei Unter anderen Umständen: Mütter und Söhne nur darauf, dass die Polizei denselben Wissensstand wie das Publikum erlangt. Das heißt nicht, dass zu dem Zeitpunkt bereits alles verraten ist. Ein paar Wendungen und Enthüllungen warten noch auf das Publikum, die das Ganze noch einmal im anderen Licht erscheinen lassen. Theoretisch. Praktisch ändert der Twist nichts an dem eigentlichen Kriminalfall.

Es führt jedoch dazu, dass die Glaubwürdigkeit schwer zu leiden hat. So wahnsinnig groß ist die zwar von Anfang an nicht, die Geschichte ist schon sehr konstruiert. Dass beispielsweise Jana Winters Sohn noch unbedingt hineingezogen werden sollte, wäre nicht nötig gewesen. Solche persönlichen Verwicklungen sind oft etwas billig. Gegen Ende hin versumpft Unter anderen Umständen: Mütter und Söhne aber endgültig im Seifenoper-Morast, das wird geradezu unfreiwillig komisch. Richtig zu lachen ist einem jedoch nicht. Vielmehr überwiegen Ärger und Enttäuschung. Aber auch das Bedauern, dass sich das talentierte Ensemble an diesem mäßigen Inhalt abarbeiten muss. Da ändert dann der späte Versuch, noch etwas Spannung zu erzeugen, auch nichts mehr. Der gesellschaftliche Aspekt rund ums Wohnen geht ebenfalls unter. Der maue Krimi-Vorherbst dauert an.

Credits

OT: „Unter anderen Umständen: Mütter und Söhne“
Land: Frankreich, Belgien
Jahr: 2023
Regie: Gunnar Fuss
Drehbuch: Elke Rössler
Musik: Christoph Zirngibl
Kamera: Gunnar Fuss
Besetzung: Natalia Wörner, Martin Brambach, Ralph Herforth, Lisa Werlinder, Jacob Lee Seeliger, Tom Gronau, lsabella Bartdorff, Matthias Reichwald

Bilder

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Unter anderen Umständen: Mütter und Söhne
fazit
„Unter anderen Umständen: Mütter und Söhne“ beginnt solide, wenn sich ein Unfall als Mord herausstellt. Später häufen sich aber die inhaltlichen Probleme. Das ist alles zu konstruiert, versumpft später im Seifenoper-Morast und baut unnötigerweise persönliche Verbindungen auf.
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