Running against the Wind
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Running against the Wind

„Running against the Wind“ // Deutschland-Start: 20. Juli 2023 (Kino) // 23. Februar 2024 (DVD)

Inhalt / Kritik

Als Kinder sind Solomon (Alamudin Abduselam) und Abdi (Ferhane Beker), die gemeinsam in einem Wüstendorf in Äthiopien aufwachsen, unzertrennlich. Wie Brüder leben sie zusammen, auch wenn sie ihre Ziele in völlig unterschiedliche Richtungen führen. Denn während Solomon, inspiriert von einem Entwicklungshelfer, unbedingt Fotograf werden möchte, träumt Abdi von einer Karriere als Läufer. Zehn Jahre später haben die beiden sich längst aus den Augen verloren. Abdi (jetzt: Ashenafi Nigusu) scheint seinem Ziel bereits zum Greifen nah, er feiert als Sportler erste Erfolge. Solomon (Mikias Wolde) hingegen ist mit der Fotografie nicht weitergekommen, hält sich und seine Familie stattdessen mit kleineren kriminellen Aktivitäten über Wasser. Als sich die beiden in der Großstadt Addis Abeba wieder über den Weg laufen, könnte dies jedoch den Werdegang beider verändern …

Äthiopien als Land der Kontraste

Eines muss man Running against the Wind zugutehalten: Visuell wird da schon einiges geboten. So startet der Film mit sehr kunstvollen, symbolischen Aufnahmen, in denen ein Mann durch die Wüste läuft. Idyllisch und doch bedrohlich zugleich nimmt einen Regisseur Jan Philipp Weyl mit auf eine Reise in eine fremde Welt und macht neugierig auf das, was da noch kommt. Vergleichbar ästhetisch ambitioniert geht es im Anschluss zwar nicht weiter, was auch mit dem Schauplatzwechsel zu tun hat. Zu sehen gibt es aber auch dann noch genug, wenn wir den beiden ehemaligen Kindheitsfreunden in die Großstadt folgen, wo sie beide ihren Träumen hinterherlaufen – zum Teil wortwörtlich.

Dieser starke Gegensatz zwischen dem ländlichen Äthiopien und dem Großstadtdschungel ist nicht der einzige Kontrast, mit dem in dem Film gearbeitet wird. Gerade bei den beiden Protagonisten ist ein solcher sichtbar. Nicht nur, dass die jeweiligen Träume sehr unterschiedlich sind – den einen zieht es zur körperlichen Tätigkeit des Sports, der andere hat künstlerische Absichten. Vor allem der Werdegang geht sehr weit auseinander. Abdi feiert als Läufer Erfolge, könnte sogar richtig Karriere machen. Der andere ist in der Gosse gelandet und weiß nicht, wie er seine Familie ernähren soll. Auf diese Weise demonstriert Running against the Wind auch den Gegensatz von arm und reich, wenn die Mittelschicht und die mehr oder weniger Besitzlosen im Wechsel gezeigt werden. Da hausen die Menschen auch schon mal in einer notdürftig zusammengeschusterten Ersatzteilhütte.

Zwischen Freundschaftsdrama und Gesellschaftsporträt

Wobei der Film nicht allein auf die Unterschiede aufmerksam machen will. Stattdessen betonen Weyl und sein Co-Autor Michael Wogh, dass solche Gegensätze überwunden werden können. Das Thema von Running against the Wind ist nicht die enorme Diskrepanz und die Widersprüchlichkeit des afrikanischen Landes. Es ist die Freundschaft der beiden Protagonisten, die in den Mittelpunkt gestellt wird. So will Abdi nicht nur seinen Freund aus Kindheitstagen wiedersehen, den er nie vergessen konnte. Er ist auch fest entschlossen, ihm zu helfen, und riskiert dabei, dass sein eigener Traum nicht mehr in Erfüllung geht. Überhaupt ist das Motiv des Helfens oft anzutreffen. So wird der Entwicklungshelfer zu Beginn der Geschichte zu einer bedeutenden Inspiration. Später spielt noch ein Fotograf, gespielt von Weyl selbst, eine größere Rolle.

Dass diese beiden Helfer Weiße sind, rückt das Drama etwas unangenehm in die White-Savior-Richtung. Wobei die zwei nur Randfiguren bleiben. Weyle hat dann doch das Land als solches im Blick, in dem er selbst mehrere Jahre gelebt hat und für das er sich früh eingesetzt hat. Richtig viel Originäres hat er über Äthiopien zwar nicht zu sagen, in dem Drama mangelt es nicht gerade an Klischees. Manches wirkt zudem zu aufgebauscht, wo ein naturalistischerer Ansatz wünschenswert gewesen wäre. Insgesamt ist Running against the Wind aber ein durchaus solider Film, irgendwo zwischen Freundschaftsdrama und Gesellschaftsporträt, der in der deutschen Kinolandschaft sicherlich heraussticht.

Credits

OT: „Running against the Wind“
Land: Deutschland, Äthiopien
Jahr: 2019
Regie: Jan Philipp Weyl
Drehbuch: Michael Wogh, Jan Philipp Weyl
Musik: Seleshie Demissie Kenny
Kamera: Mateusz Smolka
Besetzung: Ashenafi Nigusu, Mikiyas Wolde, Joseph Reta Belay, Ferhane Beker, Alamudin Abduselam, Samrawit Desalegn, Yemariam Melkamu, Sintayehu Geremew

Bilder

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Running against the Wind
fazit
„Running against the Wind“ begleitet zwei Kindheitsfreunde in Äthiopien, die sich Jahre später noch einmal treffen. Das Drama betont dabei große Kontraste und Widersprüche, will aber vor allem ein Film über Freundschaft sein, die alles überwindet. Das ist insgesamt solide, bietet visuell einiges, auch wenn sich da diverse Klischees im Drehbuch tummeln.
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