Geographies of Solitude

Geographies of Solitude

Geographies of Solitude
„Geographies of Solitude“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Die autodidaktische Biologin Zoe Lucas lebt allein auf der von Menschen unbewohnten Insel Sable Island vor der Küste Kanadas. Der Dokumentarfilm Geographies of Solitude folgt ihrem Leben, ihrer Recherche und Dokumentation der dortigen Artenvielfalt aus Pflanzen und Tieren. Mit kreativen Kameratechniken und -aufnahmen hält die Filmschaffende Jaquelyn Mills diese zeitlosen, naturnahen Momente auf Film fest, während Zoe Lucas in poetischen Worten von ihrer Leidenschaft und Hoffnung für die natürliche Welt erzählt.

Bilder der Abgeschiedenheit

Die Filmemacherin Jaquelyn Mills schafft mit diesem ruhigen Film ihr Langfilmdebüt, nachdem sie bereits mit ihren vorangegangenen Kurzfilmen ihr Gespür für Menschlichkeit und Intimität bewiesen hatte. „Solitude“ bedeutet Einsamkeit, Abgeschiedenheit und so beginnt der Film auch. Mit Schulterblicken und Aufnahmen, die durch ihre physische Nähe am Körper der Protagonisten die Wahrnehmung der Zusehenden verzerren, zeigt Mills die nordisch wirkende Landschaft, den Sand und das Meer. Es wird lang nicht gesprochen, das Setting, die Stille und Einsamkeit erklären wunderbar selbst, was der Titel des Dokumentarfilms zu bedeuten hat. Diese Form, die Geschichte atmen zu lassen, zeichnet Mills Arbeit besonders aus, sie lässt ihre Intention in der Stille und Einfachheit gedeihen.

Das hier ist Zuhause

Die Biologin Zoe Lucas lebt bereits seit Jahrzehnten auf der kargen, aber artenreichen Insel, das erste Mal kam sie in den 70ern. Sie hatte nie geplant so lange zu bleiben, es war keine wissentliche Entscheidung, mehr eine Aneinanderreihung vieler, kleiner alltäglicher Dinge, die dazu geführt hatten, dass sie die Insel nun ihr Zuhause nennt. Sie beschreibt ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse in verschiedenen Veröffentlichungen und hat eine sehr künstlerische, ja poetische Art sich auszudrücken. Das gibt diesem Werk einen ganz besonderen Touch, man hat das Gefühl, dieser Film könnte Teil einer Kunstausstellung sein, so verzaubernd und ineinandergreifend sind die Bilder und Farben, so bewegend ihre Worte. Ohne fordernd oder wütend zu sein, macht sie auf die Auswirkungen des destruktiven Menschseins aufmerksam, Wellenschläge, die selbst auf diese Insel spür- und belegbar sind.

Zerbrechlich wie kraftvoll

Die Zeit, die die Filmemacherin mit Zoe Lucas auf der Insel verbringt, nutzt sie nicht nur, um deren Lebensweg und Arbeit zu dokumentieren. Sie experimentiert selbst mit einer natürlichen Variante, ihren Film zu entwickeln, verwendet Meeresalgen, Mondlicht und verschiedene Pflanzen, um einzigartige Kunstwerke zu erschaffen, deren Ergebnisse Zuschauende in verschiedenen Sequenzen des Films präsentiert werden. Deren Abstraktheit fasziniert, sie wirken zerrissen, chaotisch doch auch beruhigend und liebevoll – man fühlt sich der Natur nahe, wird nachdenklich. Mills gelingt die nicht einfache Aufgabe, diese, vielen Menschen ferne, Art zu leben nahezubringen. In wenigen Augenblicken sucht sie auch den Dialog zu ihrer Protagonistin und sagt, wie schön es sei, Zeit mit ihr zu verbringen. So feinfühlig und vorsichtig dreht sie diesen Film, so zerbrechlich und doch kraftvoll wie die Natur der Insel selbst.

Twist der Schönheit

Ein Twist der Schönheit des Films ist der Plastikmüll – wie ein Mahnmal zeigt uns das Duo ein wie ein Kunstwerk wirkendes Konstrukt aus Plastikrohren und Schläuchen, das nur die sichtbare Spitze des Eisbergs der voranschreitenden Verschmutzung der Natur bildet. Der Kontrast dazu mit den schönen Bildern der kargen Landschaft, deren Standbilder man sich gerne in der Wohnung aufhängen würde, sorgt für Gänsehaut.

Credits

OT: „Geographies of Solitude“
Land: Kanada
Jahr: 2022
Regie: Jacquelyn Mills
Musik: Island Sable
Kamera: Jaquelyn Mills
Mitwirkende: Zoe Lucas

Trailer

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Geographies of Solitude
fazit
Ein ruhiger und doch aufrüttelnder Dokumentarfilm mit schönen, wie tragischen Bildern aus einer ganz anderen Perspektive, wie sie die meisten Menschen nie erlebt haben dürften. Die intime Machart bringt die Natur wieder etwas näher und bewegt zum Nachdenken ohne zwanghaft mit dem Finger auf die „böse Menschheit“ zu zeigen. Ein leben und leben lassen mit Feingefühl und doch ein Aufruf für die Versöhnung mit der Welt der Tiere und Pflanzen.
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