Süßer Rausch TV Fernsehen ZDF Mediathek
© ZDF/Massimo Fabris

Süßer Rausch

Süßer Rausch TV Fernsehen ZDF Mediathek
„Süßer Rausch“ // Deutschland-Start: 16./17. Oktober 2022 (ZDF)

Inhalt / Kritik

Es hätte ein richtig schönes Familienfest werden soll, schließlich werden Julia Preus (Leslie Malton) und ihr Zwillingsbruder Karl (Sven-Eric Bechtolf) 60 Jahre alt. Doch schon während der Feierlichkeiten kommt es zu ersten Konflikten. Am nächsten Tag ist Karl tot und die Streitigkeiten fangen dann erst richtig an. Schließlich geht es um die Frage, wer die Traditionsbrennerei erbt, welche die Familie betreibt. Neben Julia sind da noch Karls Frau Ricarda (Désirée Nosbusch) sowie seine Ex-Frau Constanze (Suzanne von Borsody). Und als wäre das nicht schon kompliziert genug, eröffnet Familienanwalt Hans (Rainer Bock), der zweite Mann von Constanze, dass es ein uneheliches Kind gibt. Dabei haben die ehelichen Kinder schon mehr als genug Probleme. Simone (Lilly Charlotte Dreesen) ist drogenabhängig, Marguerite (Antonia Bill) leidet unter ihrem gewalttätigen Mann Urban (Anton Spieker). Julias Sohn Jakob (Hannes Wegener) wiederum weiß noch immer nicht, wer sein Vater ist …

Große Familiendynastie auf engem Raum

An Geschichten rund um Familiendynastien mangelt es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen eher nicht. Immer mal wieder produzieren die Sender Filme oder Serien, bei denen wir mehreren Generationen einer Familie folgen, während die sich oft zerfleischen. Das Weiße Haus am Rhein etwa stellte uns eine Familie vor, die ein Hotel betreibt, welches zum Spiegel der deutschen Gesellschaft wird. In Krimis begegnen wir solchen Konstellationen sowieso regelmäßig, was meist damit anfängt, dass das Oberhaupt stirbt und alle irgendwie verdächtig sind, etwas damit zu tun zu haben. Auf den ersten Blick könnte Süßer Rausch ein solcher Krimi sein, wenn der Patriarch stirbt und im Anschluss darum gerangelt wird, wer die Brennerei bekommt. Ermordet wurde dieser jedoch nicht, was so ziemlich das einzige Verbrechen ist, das hier nicht begangen wird.

Stattdessen scheint sich der ZDF-Zweiteiler an den großen Familiendramen des US-Fernsehens zu orientieren, Dallas (1978) und Denver Clan (1981), um zwei der Klassiker zu nennen. Während diese aber jeweils mehrere Staffeln Zeit für ihre Geschichten hatten, am Ende auf 357 bzw. 220 Folgen kamen, muss sich Süßer Rausch mit insgesamt nicht einmal drei Stunden begnügen. Das reicht natürlich nicht, um eine vergleichbare Komplexität aufzubauen. Außerdem muss alles viel schneller gehen, sowohl beim Entwurf der obligatorischen Probleme und Geheimnisse wie auch der Auflösung derselben. Theoretisch hätte es zwar die Möglichkeit gegeben, das alles als Fortsetzungsgeschichte anzulegen und sich so ein Türchen offenzuhalten. Wollte man aber offensichtlich nicht.

Aus Spaß am Blödsinn

Und so quetscht Drehbuchautor Sathyan Ramesh (In einem Land, das es nicht mehr gibt, Träume sind wie wilde Tiger) alles hinein, was irgendwie geht. Oder auch nicht geht: Die Familie wirkt mehr wie eine zoologische Studie, wo sich überall etwas sabotieren lässt. Ehebruch, geheime Kinder, Inzest, Eifersucht, Alkoholsucht, Erpressung, Entführung, Missbrauch – es ist schon bemerkenswert, was einem Süßer Rausch hier alles verkaufen möchte. Da kann sogar das Herzkino, auf dessen Stammplatz der erste Teil ausgestrahlt wird, noch etwas lernen. Dass das alles schrecklich übertrieben ist, dürfte allen Beteiligten klar sein. Es wird zudem auf verschiedenste Weise noch weiter übersteigert, etwa durch Overacting oder in den diversen Momenten, wenn es mal etwas gewalttätiger zugeht.

Sowas kann Spaß machen, wenn man entweder ein großer Fan von Groschenromanen ist und eine konzentrierte Hochglanzfassung davon sehen möchte. Oder man fasst das hier als Komödie auf, als Parodie auf eben diese TV-Familiendynastien, die selbst nicht gerade zurückhaltend sind. Tatsächlich gibt es immer wieder Momente, an denen man sich fragen darf, ob das hier das Drama-Pendant zu The Woman in the House Across the Street From the Girl in the Window sein soll. Und doch ahnt man insgeheim, dass das hier tatsächlich ernst gemeint war. Warum sich ein derart namhaftes Ensemble für einen solchen grotesken Schund gefunden haben, ist ein mindestens ebenso großes Geheimnis wie die Identität von Jakobs Vater. Während dieses aber tatsächlich gelüftet wird und einer der vielen Anlässe ist, so richtig herzhaft zu lachen, bleibt die Frage nach dem Grund unbeantwortet. Vielleicht wollten sie sich einmal auf Kosten des Publikums so richtig amüsieren. Zumindest darf man sich als Zuschauer und Zuschauerin bei Süßer Rausch kräftig veralbert vorkommen.

Credits

OT: „Süßer Rausch“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Sabine Derflinger
Drehbuch: Sathyan Ramesh
Musik: Martina Eisenreich
Kamera: Peter Joachim Krause
Besetzung: Désirée Nosbusch, Leslie Malton, Suzanne von Borsody, Sven-Eric Bechtolf, Rainer Bock, Hilmi Sözer, Lilly Charlotte Dreesen, Antonia Bill, Anton Spieker, Hannes Wegener, Alina Levshin, Susanne Wuest, Jörg Schüttauf

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Süßer Rausch
fazit
„Süßer Rausch“ erzählt von einer alkoholisierten Familiendynastie und ihren problemschwangeren Geschichten. Das kann lustig sein, wenn man den Zweiteiler als konzentrierte Parodie auf eben diese TV-Seifenopern ansieht. Wer nicht über Ehebruch, Erpressung, Missbrauch, Sucht und Entführung lachen kann, um nur ein paar der Dutzenden Vergehen aufzuzählen, die hier in drei Stunden abgefeiert werden, darf immerhin noch entsetzt sein, was einem da alles aufgetischt ist. So grotesk wird es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schließlich selten.
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