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Lea – The Fighter

„Lea – The Fighter“ // Deutschland-Start: 7. Oktober 2022 (ZDFneo)

Inhalt / Kritik

Nachdem sie aufgrund eines Dopingskandals für zwei Jahre gesperrt war, wird die Boxerin Lea Ferrera (Madeleine Martin) in ihrem Comebackfight Europameisterin. Lange kann sie sich darüber jedoch nicht freuen, denn schon bald werden Stimmen laut, der Kampf sei getürkt gewesen. Daneben treten aber auch immer mehr Probleme um sie herum auf. Ihr Coach Sam (Ralph Carlsson) ist wettsüchtig, was ihre Finanzen gefährdet, ihr Ex-Mann (Joel Spira) scheint wieder mit Doping zu dealen, was sie damals ja überhaupt erst in die Misere gebracht hat. Und dann ist ihr auch noch die Ermittlerin Amanda (Jennie Silfverhjelm) auf den Fersen. Für Lea alles keine guten Voraussetzungen, um sich auf ihr nächstes Ziel zu konzentrieren: Weltmeisterin zu werden.

Frust für Boxfans

Bereits die ersten neunzig Sekunden von Lea – The Fighter sind ziemlich ernüchternd. Wenn sich Lea direkt zu Beginn nur mit ihrem Coach im Umkleideraum befindet, der ihre Handbandage für den anstehenden Kampf mit Klebeband befestigt, dann wird Laien daran wohl nichts Ungewöhnliches auffallen. Für Fachkundige ist das aber mindestens befremdlich. Danach setzt auch noch so eine seltsam technoartige Musik ein, die im ersten Moment klingt, als seien die Lautsprecher defekt, während Lea mit ihrer Entourage (wo auch immer die plötzlich herkommt) den Weg durch den Tunnel zum Boxring auf sich nimmt. Dabei hat sie die Händen in ihren Jackentaschen, was mit den Boxhandschuhen, die sie zu diesem Zeitpunkt bereits übergezogen haben sollte, nicht möglich wäre. Zu den inhaltlichen Ungenauigkeiten gesellen sich auch filmische Fehler. Direkt in der nächsten Einstellung werden alle von hinten gezeigt und Lea lässt ihre Arme deutlich erkennbar nun an ihren Seiten herabhängen.

Über die folgende Begegnung mit ihrer Gegnerin (Ellen Karlsson) lässt sich leider auch kaum etwas Positives zu sagen. Kaschierende Kameraeinstellungen und Schnitte können höchstens leidlich verbergen, dass die Hauptdarstellerin eben nicht boxen kann. Hinzu kommt, dass die deutsche Synchronisation hier nicht gerade hilft. Ihr Coach und die Kommentatoren klingen nicht, als wären sie live vor Ort und an der Sache interessiert, sondern wie Leute, die Texte ablesen. Es fehlt die Dringlichkeit beziehungsweise die Leidenschaft in den Stimmen. Das kann im Original alles besser sein. Allerdings wurde für diese Rezension nur die deutschsprachige Fassung zur Verfügung gestellt. Als Lea aber dann über jede Sprachbarriere hinweg nach einem Treffer zu Boden geht (in einer Weise, die jeden kompetenten Ringrichter zum sofortigen Kampfabbruch verleitet hätte), angezählt wird, und der Kampf fortgesetzt wird, obwohl sie erst während der 10 langsam aufsteht, und das auch noch beinahe mit Hilfe des Ringrichters … spätestens hier verliert die Serie einen Großteil der Boxfans als Zuschauer. Und wir haben gerade einmal die Fünf-Minuten-Marke überschritten.

Wer mag noch einen Titelkampf?

Die ganze Ausgangssituation ist schon ziemlich vertrackt. Lea war eines Dopingskandals wegen für zwei Jahre gesperrt und erhält bei ihrem Comeback direkt einen Titelkampf? Wenn jemand Sugar Ray Leonard heißt und einer der besten Boxer der Welt ist, dann ist es verständlich, wenn er 1987 nach dreijähriger Pause direkt eine Chance auf den Gürtel bekommt. Aber dass irgendeine Lea Ferrera, die weniger Kämpfe hat als Leonard Siege, nach zweijähriger Sperre dieses Privileg erhält, ist doch mehr als fragwürdig. Zu allem Übel sagt die Kommentatorin auch noch, dass Ferrera Schwierigkeiten hatte, überhaupt einen Kampf zu bekommen. So als wäre ein Aufeinandertreffen mit der amtierenden Europameisterin irgendeine Hinterhofveranstaltung, deren Organisatoren sich dazu erbarmt haben, Lea antreten zu lassen. Angehenden Drehbuchautoren wird gerne gebetsmühlenartig geraten, über Dinge zu schreiben, die sie kennen. Vom Boxen scheinen Jörgen Bergmark, Henrik Engström und Alexandra-Therese Keining, die alle schon etwas länger in dem Metier tätig sind, jedenfalls eher wenig Ahnung zu haben. Für ihre Geschichte haben sich die Autoren also das falsche Milieu ausgesucht – oder zumindest nicht ausreichend recherchiert.

Späte Steigerung

Was den Box-Aspekt angeht, ist die Serie leider nicht der erhoffte Knockout-Treffer, sondern ein Luftschlag. Wenn die Autoren allerdings einmal in ihrem Element sind, ist die Schreibe schon ganz annehmbar. So sitzt Lea später in der ersten von sechs Folgen in einer Talkshow, was als probates Mittel genutzt wird, den Zuschauer langsam in die die Hintergründe des Dopingskandals einzuführen. Im weiteren Verlauf gelingt es ihnen auch, die verschiedenen Figuren weiter zu etablieren und in verschiedenen Konstellationen auf organische Weise zusammenzubringen. Während alle ihre eigenen Charakterschwächen haben, werden wir die meisten im Laufe der Serie zu schätzen lernen, auch wenn es anfangs nicht unbedingt so aussehen mag. Vor allem Lea, die auch in den eigenen Reihen nicht den Halt findet, den sie benötigt, und die sich im wörtlichen wie übertragenen Sinne durchs Leben boxen muss, wird bald zu einer starken Hauptfigur, bei der in den ersten Minuten wohl niemand dachte, dass er einmal die Daumen für sie drücken wird. Einige Handlungsstränge wirken zwar eher wie Füllmaterial. Aber unterm Strich ist das meiste hier schon in Ordnung.

Credits

OT: „Lea“
Land: Schweden
Jahr: 2022
Regie: Andrea Östlund, Fredrik Edfeldt
Drehbuch: Jörgen Bergmark, Henrik Engström, Alexandra-Therese Keining
Musik: Anton Ingvarsson
Kamera: Marek Wieser, Mario Poljac
Besetzung: Madeleine Martin, Jennie Silfverhjelm, Ralph Carlsson, Emil Almén, Joel Spira, Maryam Moghadam, Lux Ingvarsson Säfwenberg, Dragomir Mrsic, Ingela Olsson

Bilder

Trailer

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Lea – The Fighter
fazit
Die Serie „Lea – The Fighter“ fängt ziemlich schwach an, mausert sich im weiteren Verlauf aber zu einem soliden Drama. Boxfans müssen bei einigen haarsträubenden Ungenauigkeiten allerdings stark bleiben.
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