Phase IV
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Phase IV

Phase IV
„Phase IV“ // Deutschland-Start: 27. Januar 1977 (Kino) // 12. August 2022 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

In seiner Forschung beschäftigt sich der Biologie Ernest D. Hubbs (Nigel Davenport) mit Hierarchien im Tierreich sowie dem Verhalten unterschiedlicher Spezies. Bei der Untersuchung unterschiedlicher Gattungen von Ameisen hat er eine besorgniserregende Beobachtung gemacht, denn nicht nur haben sich die Insekten, trotz der Animositäten unterschiedlicher Gattungen, scheinbar zusammengeschlossen. Sie gehen nun auch gemeinsam gegen ihre Feinde im Tierreich vor, was schon zu einer Dezimierung anderer Lebewesen geführt hat. Zusammen mit dem Kommunikationsforscher James R. Lesko (Michael Murphy) will er dem Phänomen in einer Forschungseinrichtung in der Wüste Arizonas auf den Grund gehen. Allerdings hat keiner der Wissenschaftler mit dem Widerstand der Insekten gerechnet, die nicht nur ihr Verhalten zu studieren scheinen, sondern tatsächlich in der Lage sind, sich diesem anzupassen und dieses Wissen für einen späteren Angriff nutzbar zu machen. Darüber hinaus haben die Ameisen einige seltsame, monolithartige Skulpturen errichtet, deren Funktion sich den beiden Forschern nicht erschließt.

Eine neue Sicht auf das Gewöhnliche

Zwar umfasst die Filmografie von Regisseur Saul Bass nur ein paar Kurzfilme und einen Langfilm, doch einen bleibenden Eindruck hat er in der Filmgeschichte allein durch seine Zusammenarbeit mit Filmemachern wie Alfred Hitchcock und Otto Preminger hinterlassen. Weniger das Offensichtliche oder das Übernatürliche war für ihn interessant, sondern eher eine neue Sicht auf das Gewöhnliche zu kreieren, wie Bass in Interviews immer wieder betonte. Dies merkt man beispielsweise an seinen Diskussionen mit Hitchcock am Set von Psycho. Dabei ging es vor allem um die Inszenierung von Gewalt, was Bass nicht zeigen wollte. Er wollte in erster Linie auf eine andere Herangehensweise bei der Inszenierung, die auf Details wie das Messer oder das Blut wohl keinen Wert legen würde, wie Autor Leonard Elias Lemke in seinem ausführlichen Essay zu Bass und Phase IV berichtet.

Dieses Detail ist wichtig, wenn man sich Phase IV nähert, denn dieser entspricht mitnichten jenen effektbeladenen Science-Fiction-Blockbustern. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, verzichtet Bass’ Inszenierung völlig auf derlei Beiwerk und konzentriert sich zum einen auf die wissenschaftlichen Aspekte der Handlung sowie die Konfrontation der Forscher mit einem Gegner, den sie bis dato unterschätzt haben. Zudem setzt Bass, zusammen mit seinen Kameramännern Dick Bush und Ken Middleham, auf das Visuelle und die unheimliche, geheimnisvolle Atmosphäre. Bevor man überhaupt einen menschlichen Charakter zu Gesicht bekommt, folgt eine Montage verschiedener Szenen mit Ameisen, unterlegt von Hubbs’ Bericht zu den vielseitigen Veränderungen im Verhalten der Insekten. Die Bilder der Ameisen, die in Windeseile eine Spinne zerlegen oder miteinander kommunizieren, geben dem Zuschauer auch heute noch ein mulmiges Gefühl, was sich in der weiteren Handlung noch intensivieren wird.

Die Sprachlosigkeit der Wissenschaft

Während in vielen Beiträgen den Genres Wissenschaft, Forschung und Technologie weit überlegen wirkt, lässt sich dies nicht sagen im Falle von Phase IV. Wie in dem bereits erwähnten Eröffnungsmonolog von Hubbs merkt das Publikum früh die Sprachlosigkeit des Forschers, der zwar beschreiben kann, was er sieht und beobachtet, aber dies keineswegs einordnen kann. In den Hauptrollen spielen Nigel Davenport und Michael Murphy zwar sehr unterschiedliche Forschertypen. Doch beide vereint letztlich ihre Verwirrung und ihr Schweigen zu dem, was sie sehen. Fast schon zynisch wirkt eine Aufnahme Hubbs, die den Wissenschaftler bei der Zerstörung jener monolithartigen Strukturen zeigt und der Figur jenen Nimbus der Überlegenheit mehr als deutlich wegnimmt. Im Gegensatz dazu wirken die Insekten intelligent und geschickt, wenn es um die Planung und den Vollzug ihrer Angriffe geht.

Ein weiterer Aspekt, der in Phase IV eine spezielle Rolle spielt, ist das Sounddesign. Abgesehen vom Visuellen, sind es auch die Geräusche, die der Ameisen wie auch der diversen Forschungsgeräte, die zur Atmosphäre des Films beitragen und immer wieder die Spannungen wie auch die Konflikte der beiden Hauptcharaktere betonen.

Credits

OT: „Phase IV“
Land: UK, USA
Jahr: 1974
Regie: Saul Bass
Drehbuch: Mayo Simon
Musik: Brian Gascoigne
Kamera: Dick Bush, Ken Middleham
Besetzung: Nigel Davenport, Michael Murphy, Lynne Frederick

Bilder

Trailer

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Phase IV
Fazit
„Phase IV“ ist ein intelligenter und clever gemachter Science-Fiction-Film. Regisseur Saul Bass verlässt sich weniger auf Effekte und mehr auf Bilder, das Sounddesign und seine Schauspieler, wenn es darum geht, eine Atmosphäre der Beunruhigung zu erzeugen, die er im Verlauf der Handlung noch zu intensivieren weiß. Dank der Veröffentlichung des Filmes durch die Firma Capelight bekommt nun auch das deutsche Publikum eine Chance, „Phase IV“ in einer audiovisuell ansprechenden Fassung zu genießen, was gerade bei einem solchen Werk essenziell ist.
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