THOR: LOVE AND THUNDER
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Thor: Love and Thunder

„Thor: Love and Thunder“ // Deutschland-Start: 8. Juli 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Eigentlich hatte Thor (Chris Hemsworth) Gefallen an dem Vagabundenleben gefunden, das er mit den Guardians of the Galaxy geführt hat. Als er jedoch nach New Asgard zurückgerufen wird, zögert er keinen Moment, um den Menschen in der alten Heimat weiterzuhelfen. Und Hilfe können sie gebrauchen: Der nach mehreren persönlichen Tragödien hasserfüllte Gorr (Christian Bale) hat sich geschworen, alle Götter zu töten und sich damit für seine eigenen Verluste zu rächen. Darüber hinaus hat er zahlreiche Kinder entführt, die es zu befreien gilt. Und so macht sich Thor gemeinsam mit Valkyrie (Tessa Thompson) und Korg (Taika Waititi) auf den Weg. Aber auch seine alte Freundin Jane Foster (Natalie Portman), die plötzlich selbst übermenschliche Kräfte hat, schließt sich der Gruppe an …

Der letzte alte Held

Eigentlich würde so ziemlich niemand sagen, dass ein neuer Marvel-Film etwas Besonderes ist. Und doch, bei Thor: Love and Thunder trifft das schon irgendwie zu. Denn während die meisten der Original Avengers inzwischen den Filmtod gestorben sind oder sich zur Ruhe gesetzt haben, ist der Donnergott der einzige der Anfangstruppe, der noch wirklich mitmischt. Aber auch die Rückkehr von Jane Foster war nicht selbstverständlich. Schließlich war sie zuletzt in Thor: The Dark World zu sehen – und das ist mittlerweile neun Jahre her. Die wenigsten dürften vorab überhaupt mit einem Comeback gerechnet haben. Noch viel weniger damit, dass sie selbst, wie irgendwann bekannt wurde, zu einer Art weiblicher Thor würde. Verkehrt ist das nicht, hier noch einmal nachzuhelfen. Obwohl beim Marvel Cinematic Universe zuletzt eine ganze Reihe neuer Figuren eingeführt wurde, an prägnanten Heldinnen mangelt es noch immer.

Wobei das mit dem Heldentum in Thor: Love and Thunder so eine Sache ist. Klar gibt es einen Schurken, der besiegt werden muss. Da sind Menschen – okay, Götter –, deren Leben in Gefahr ist. Vor allem wurden aber auch Kinder entführt. Und nichts eignet sich mehr, um sich als Held zu beweisen, als die Befreiung von Kindern. Eine Art Freischein, wenn man so will. Und doch, irgendwie will sich nie ganz das Gefühl einstellen, man sei hier Teil eines großen Heldenepos. Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist, dass die Gefahr, die von Gorr ausgeht, immer eine hypothetische bleibt. Zwar wird ihm eine stärkere Motivation mit auf den Weg gegeben, als man es von Antagonisten zuweilen gewohnt ist. Da man aber so gut wie nicht sieht, wozu er überhaupt in der Lage ist, bleibt er in seinem eigenen Film eine Behauptung. Da war Hela im vorangegangenen Thor: Tag der Entscheidung eine deutlich imposantere Gegenspielerin, der sonst so verlässliche Christian Bale bleibt weitgehend ungenutzt.

Ein bisschen Spaß muss (nicht) sein

Das zweite große Problem ist der Humor. Natürlich gehört der mittlerweile zu Marvel dazu. Die Gefahr kann noch so groß sein, für ein bisschen Spaß muss dennoch Platz sein. Selbst im Angesicht des Weltuntergangs, ein flotter Spruch ist immer drin. Regisseur und Co-Autor Taika Waititi (Jojo Rabbit) nahm das in Tag der Entscheidung dankbar auf und verstärkte das noch weiter. Tatsächlich war der Film neben den Guardians of the Galaxy die komischste Fassung der Marvel-Erfolgsformel. Aus dem zuvor eher langweiligen Thor war ein mitreißender Unterhalter geworden, dessen Charme man sich kaum entziehen konnte. Bei Thor: Love and Thunder klappt das jedoch deutlich seltener. Das mag auch daran liegen, dass Brüderchen Loki, der immer als Kontrast diente, nicht mehr mit von der Partie ist und es keinen entsprechenden Ersatz gibt. Da fehlen einfach die Reibungen.

Das andere Problem ist, dass die zweite Zusammenarbeit zwischen dem neuseeländischen Filmemacher und dem australischen Donnergott deutlich ernster sein will. Da geht es nicht nur um einen Widersacher, der alles in seinem Leben verloren hat und wahnsinnig vor Schmerzen alle dafür bestrafen möchte. Auch die Geschichte um Jane Foster ist eine sehr tragische, die alle Beteiligten an ihre Grenzen führt. Dadurch kommt es in Thor: Love and Thunder zu extremen Schwankungen in der Tonalität, wenn Albernheiten und existenzieller Schmerz willkürlich aufeinanderfolgen. Es mangelt dem Film an einer Balance zwischen beiden Elementen. Grundsätzlich ist es natürlich schon möglich, das Komische und das Dramatische zu verbinden. Viele tun das. Hier wirkt das seltsam unentschlossen, was durch die nicht immer zündenden Gags noch verstärkt wird.

Licht und Schatten

Das bedeutet aber nicht, dass man mit dem 29. Film des Marvel Cinematic Universe nicht seinen Spaß haben könnte. So ist Hemsworth wie immer gut aufgelegt. Russell Crowe in einer kleinen, dafür herrlich überzogenen Rolle ist ein würdiger Neuzugang, gleiches gilt für ein Tiergespann, das man anschließend kaum mehr aus dem Ohr bekommt. Die Augen wiederum werden mit den zahlreichen Spezialeffekten gut beschäftigt sein. Die sind nicht alle überzeugend, streckenweise wirkt das hier wie so oft in der Reihe wie ein reines Computerspiel – man versuchte nicht einmal, dass sich das real anfühlt oder aussieht. Aber es sind auch einige sehenswerte Momente dabei, wenn die Kämpfe auf einmal eine sehr finstere Note bekommen. Thor: Love and Thunder ist damit im wahrsten Sinne des Wortes, aber auch im übertragenen Sinn, ein Film voller Licht und Schatten. Für pralle Kinokassen sollte das sorgen, aber auch für die eine oder andere Enttäuschung, dass vieles hier zu wenig genutzt wurde und an der Oberfläche bleibt.

Credits

OT: „Thor: Love and Thunder“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Taika Waititi
Drehbuch: Taika Waititi, Jennifer Kaytin Robinson
Musik: Michael Giacchino, Nami Melumad
Kamera: Barry Idoine
Besetzung: Chris Hemsworth, Natalie Portman, Tessa Thompson, Christian Bale, Russell Crowe

Bilder

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Thor: Love and Thunder
Fazit
„Thor: Love and Thunder“ setzt den humorvollen Weg des Vorgängers fort, vergreift sich dabei aber zuweilen im Ton. Da treffen nicht immer gelungene Witze auf Todernst, die Balance aus beidem stimmt nicht so recht. Und auch der zu wenig genutzte Gegenspieler, die nie wirklich bedrohlich ist, enttäuscht.
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