Lili Marleen TV Fernsehen arte
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Lili Marleen

Lili Marleen TV Fernsehen arte
„Lili Marleen“ // Deutschland-Start: 14. Januar 1981 (Kino) // 25. Februar 2003 (DVD)

Inhalt / Kritik

Als die Barsängerin Willie Bunterberg (Hanna Schygulla) 1938 in Zürich den Komponisten Robert Mendelsohn (Giancarlo Giannini) kennenlernt, dauert es nicht lang, bis die Funken fliegen und die beiden ein Paar werden. Dennoch könnte der Zeitpunkt kaum schlechter sein für die junge Liebe, schließlich kommt er aus einer jüdischen Familie und in Deutschland ist die Verfolgung von Juden und Jüdinnen bereits im vollen Gange. Da Roberts Vater aus eigenen Gründen ebenfalls wenig von dieser Beziehung hält, sorgt er dafür, dass die Deutsche nicht mehr in die Schweiz einreisen kann, sondern in Deutschland bleiben muss. Während sie dort durch das Lied Lili Marleen zum Star avanciert und von den Nationalsozialisten vereinnahmt wird, muss Robert zunehmend um sein Leben fürchten …

Ein umstrittenes Spätwerk

Als Rainer Werner Fassbinder 1982 im Alter von gerade einmal 37 Jahren starb, verlor Deutschland einen seiner bekanntesten Filmemacher – und einen seiner produktivsten. In den 1970ern bis in die frühen 1980er erschienen rund drei Dutzend Filme und Serien von ihm, darunter so bedeutende Titel wie Angst essen Seele auf (1974), Die Ehe der Maria Braun (1978) und Berlin Alexanderplatz (1980). Eines der letzten Werke, an denen der Regisseur arbeitete war Lili Marleen (1981). Benannt wurde es nach dem gleichnamigen Lied, welche die Sängerin Lale Andersen in den 1930ern weltberühmt machte. Der Film orientiert sich auch an ihrem Leben, wenngleich Fassbinder und die anderen Drehbuchautoren sich recht viele Freiheiten herausnahmen.

Tatsächlich handelt es sich bei dem Drama um eine reine Auftragsarbeit, die zudem zunächst anderweitig inszeniert werden sollte. Für viele zählt es auch zu den eher schwächeren Filmen Fassbinders. Die Kritikpunkte waren dabei vielfältig, reichten von übertriebenen Manierismen über eine Anbiederung an die Nazi-Ästhetik bis zu einer Oberflächlichkeit bei der Behandlung der Themen. An potenziellen Diskussionspunkten mangelt es dabei in Lili Marleen nicht. Das wichtigste ist natürlich, wie bei dem Lied, aber auch der Sängerin Unterhaltung und Politik miteinander vermischt wurden. Dabei zeigt sich eine interessante Ambivalenz, wenn die von Sehnsucht geprägten Texte über ein mögliches Wiedersehen den Nerv der Zeit trafen, gleichzeitig der Führung auch ein Dorn im Auge waren – zu melancholisch, zu pessimistisch.

Ein Lied, viel Pomp

Fassbinder selbst fand aber offensichtlich Gefallen an dem Lied. So ist es auffällig, wie oft es hier in der einen oder anderen Form zu hören ist. Der Film ist dann eben doch nicht das Porträt einer Sängerin, sondern das eines hochdramatischen Werkes, das zu einem Symbol wurde. Lili Marleen selbst ist ebenfalls von dieser Mischung aus verspielt und pathetisch geprägt. Das ist alles schon recht groß angelegt und auch entsprechend gespielt. Das Melodram hat wenig Verwendung für leise Szenen, bei denen auch mal die Gedanken freien Auslauf bekommen. Stattdessen ist der Stil recht plakativ, zuweilen etwas pompös. Fassbinder genoss die Möglichkeiten, die ihm dieses Projekt gab, offensichtlich und trägt hier gern etwas größer auf.

Dazu passt dann auch der Auftritt von Hanna Schygulla, mit der Fassbinder mehrfach zusammengearbeitet hatte. Sie wird hier zur Diva, die über allem steht und doch aus sehr menschlichen Motiven heraus agiert. Sie will ihre Liebe retten, wie jeder andere Mensch es wohl auch getan hätte. Gleichzeitig will sie selbst geliebt werden, als Star auf der Bühne stehen. Die Grenzen sind da zuweilen schwer zu ziehen, Lili Marleen ist ein Drama rund um eine tragische Romanze, das Porträt einer Ausnahmezeit und eben auch eine Show, bei der kräftig geseufzt werden darf. Das hätte sicher alles mehr sein können und dürfen. Sehenswert ist das Spätwerk aber. Außerdem ist es im Anschluss nahezu unmöglich, die Melodie wieder aus dem Kopf zu bekommen, die vor über 80 Jahren den Menschen aus dem Herzen sprach.

Credits

OT: „Lili Marleen“
Land: Deutschland
Jahr: 1981
Regie: Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch: Manfred Purzer, Joshua Sinclair, Rainer Werner Fassbinder
Vorlage: Lale Andersen
Musik: Peer Raben
Kamera: Xaver Schwarzenberger
Besetzung: Hanna Schygulla, Giancarlo Giannini, Mel Ferrer, Karl-Heinz von Hassel, Erik Schumann, Hark Bohm, Gottfried John, Karin Baal, Christine Kaufmann, Udo Kier

Bilder

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Lili Marleen
Fazit
„Lili Marleen“ erzählt die fiktionalisierte Geschichte des gleichnamigen Gassenhauers und der Sängerin, die dadurch berühmt wurde. Dabei behandelt Rainer Werner Fassbinder auch, wie dies von den Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde, setzt insgesamt aber mehr auf Pomp als auf wirkliche Nachdenklichkeit.
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