Heil dich doch selbst
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Heil dich doch selbst

Heil dich doch selbst
„Heil dich doch selbst“ // Deutschland-Start: 21. April 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Die deutsche Dokumentarfilmerin Yasmin C. Rams leidet schon jahrelang an Epilepsie, wodurch sich enorme Komplikationen im Alltag ergeben. In ihrer Dokumentation Heil dich doch selbst hält sie einerseits ihr Leben mit der schwierigen Krankheit fest, zeigt darüber hinaus aber noch weitere vom Schicksal getroffene Menschen. Die Gemeinsamkeit: All diese Menschen sind von der „herkömmlichen“ Medizin enttäuscht und nun auf der Suche nach alternativen Heilmethoden. Die vom Hausarzt verschriebenen Medikamente kommen dagegen nicht gut weg, mit all ihren Nebenwirkungen. Stattdessen – der Name ist Programm – appelliert Rams an eine stetige Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und Geist, um Krankheiten auf anderem Weg zu heilen.

Selbstheilung im Trend

Dokumentationen über gesundheitliche Themen scheinen Jahr für Jahr bedeutsamer und zahlreicher zu werden, schaut man nur einen Blick auf Produktionen wie Yoga – Die Kraft des Lebens oder Selbst geheilt. Besonders viel Aufmerksamkeit bekommen dabei Themen wie ganzheitliche Medizin, Yoga, Ayurveda, Mediation, Qigong etc. – die Liste an alternativen Heilmethoden ist lang. Die herkömmliche westliche Medizin wird hingegen kaum geschätzt, im Gegenteil. Durch etliche Fälle, in denen die Hinterbliebenen sich sicher sind, dass ein Todesfall nur aufgrund zu vieler Medikamente geschehen ist, werden die Stimmen immer lauter, dass „unser“ Gesundheitssystem wenig bis gar nichts taugt. Stattdessen, dies hält auch Rams eingehend fest, sehnen sich die Menschen nach wirklicher Heilung und nicht nur nach der medikamentösen Linderung von gesundheitlichen Symptomen. Die Krankheiten, die in Heil dich doch selbst in den Fokus geraten, umfassen dabei Epilepsie, Multiple Sklerose, Parkinson und Krebs. Statt regulären Arzneimitteln oder belastenden Therapiemethoden wie Chemotherapie, die wenig verwunderlich oftmals mit schweren Zeiten und massiver Angst einhergehen, steht jedoch die große Frage im Raum: Was wäre die Alternative?

Alltägliche Bilder

Einmal mehr geht es so um den schon lange anhaltenden Kampf zwischen westlicher und östlicher Medizin. Das Urteil der interviewten Ärzte fällt jedoch schnell aus: „Die eine (westliche) Medizin betrachtet die einzelnen Teile des Körpers und die andere (östliche) schaut auf das große Ganze“ – so der Neurologe und Ayurveda-Verfechter Prof. Dr. med. Dr. med. Habil. Przuntek. Eine faktische oder wissenschaftliche Auseinandersetzung, in denen man den aktuellen Forschungsstand und Untersuchungen akribisch unter die Lupe nimmt, findet man in der Gesundheitsdokumentation allerdings nicht. Es handelt sich damit um keine Dokumentation über Krankheiten per se, ja nicht einmal über Kritik am westlichen Gesundheitssystem. Rams konzentriert sich vielmehr auf ein individuelles und zwischenmenschliches Portrait über Personen, die sich nicht vorschreiben lassen, wie man zu leben hat. Das merkt man schon allein an den Kameraaufnahmen, die sowohl den Alltag in der Küche beim Kochen und Essen als auch im Krankenhaus festhält. Da Rams sich jedoch nicht nur auf die eigene Krankheit konzentriert, sondern auch weitere Leidensgenossen zur Sprache kommen lässt, wechselt der Film immer wieder zwischen den vereinzelten Geschichten. Während das Leben eines Parkinsonerkrankten in einem Abschnitt festgehalten wird, so verpufft die aufgebaute Emotionalität jedoch schnell wieder, wenn die Regisseurin im nächsten Moment mit den Eltern über ihre Krankheit telefoniert.

Appell für mehr Selbstexperimente

Ganz im Stil, der mittlerweile auch auf YouTube millionenfach zu finden ist, entpuppt sich Heil dich doch selbst als eine Art Selbstexperiment, wenn Rams beispielsweise Ayahuasca probiert, das gesundheitliche Wunder bewirken soll. Grundsätzlich geht es hier also mehr um individuelle Erfahrungen, die festgehalten werden. Der Weg zur Heilung oder besser gesagt die Suche danach stellt sich somit als zentrales Thema heraus. Und da diese gebrochenen Menschen eh nichts mehr zu verlieren haben, stellt Rams in Hinblick auf das Ausprobieren alternativer Heilmethoden die große Frage, die sich wie ein roter Faden durch die Dokumentation zieht: Warum eigentlich nicht? Es wird daher alles mitgenommen, angefangen bei Hypnosetherapie über Meditationsübungen bis hin zu dem medizinischen Konsum von Cannabis. Dadurch, dass es sich um einen sehr persönlichen Film handelt und es eben nicht so hochwissenschaftlich wie in anderen Produktionen zugeht, entsteht Mitgefühl sowie Verständnis für die individuelle Neuorientierung der Leidtragenden. Ein großer Pluspunkt dabei: Rams verzichtet auf Bekehrungen und plädiert „nur“ für mehr Offenheit in Hinblick auf alternative Heilmethoden.

Credits

OT: „Heil dich doch selbst“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Yasmin C. Rams
Drehbuch: Yasmin C. Rams
Musik: Patrick Puszko
Kamera: Nicole Smith
Besetzung: Yasmin C. Rams, Helmut Rams, Miguel Cárdenas, Fiona Burns, Rick Newton, Howard Shifke

Bilder

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Heil dich doch selbst
Fazit
„Heil dich doch selbst“ begleitet mehrere Menschen, die an Krankheiten leiden, dabei jedoch mehr auf alternative Heilungsmethoden setzen. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung findet nicht statt, stattdessen gibt es persönliche Erfahrungsberichte.
Leserwertung11 Bewertungen
6.6