Das Mädchen von gegenüber Un balcon sur la mer TV Fernsehen arte Mediathek
© Jean-Marie Leroy

Das Mädchen von gegenüber

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„Das Mädchen von gegenüber“ // Deutschland-Start: 13. April 2022 (arte)

Inhalt / Kritik

Als Immobilienmakler in der Firma seines Schwiegervaters lernt Marc Palestro (Jean Dujardin) natürlich unentwegt Leute kennen. Doch als er eines Tages bei einer Hausbesichtigung die potenzielle Kundin (Marie-Josée Croze) trifft, ist alles ganz anders. So ist der Mittvierziger davon überzeugt, dass es sich bei ihr um Cathy handelt. Mit ihr war er als Junge gut befreundet, bevor seine Familie Hals über Kopf aus Algerien fliehen musste und nach Frankreich zog. Seither hatte es keinen Kontakt mehr gegeben. Trotz der langen Zeit erkennt auch sie ihn sofort wieder. Und obwohl Marc mit Clotilde (Sandrine Kiberlain) verheiratet ist, verbringen die beiden die Nacht miteinander. Aber schon am nächsten Morgen ist sie wieder spurlos verschwunden …

Von Erinnerungen verfolgt

Nicole Garcia startete ihre Karriere eigentlich als Schauspielerin, wechselte zwischendurch aber auch immer mal wieder auf den Regiestuhl. Die ganz großen Hits gelangen ihr dabei zwar nicht. Zumindest aber hatte sie aufgrund ihrer eigenen künstlerischen Arbeit einen guten Draht zu berühmten Kollegen und Kolleginnen. Ob nun Die Frau im Mond – Erinnerung an die Liebe oder Place Vendôme – Heiße Diamanten, da finden sich schon ziemlich viele bekannte Gesichter. Das gilt auch für Das Mädchen von gegenüber, welches in ihrer Heimat Frankreich schon 2010 anlief. Hierzulande nahm man hiervon aber kaum Notiz: Auf den großen Leinwänden war ihr sechster Spielfilm als Regisseurin nicht zu sehen, selbst auf Filmfesten traft man ihn nicht an. Erst mehr als ein Jahrzehnt später trudelt das Werk auch mal bei uns ein, arte sei Dank.

Der Titel Das Mädchen von gegenüber könnte dabei falsche Erwartungen erzeugen. Auch wenn der Film immer mal wieder als Mysterythriller verkauft wird und Assoziationen an Werke wie The Woman in the Window weckt, richtig viel gemeinsam hat das hier nicht. Passender wäre die Einteilung als Drama. So handelt die Geschichte maßgeblich davon, wie ein Mann von seiner Vergangenheit und den Erinnerungen an diese heimgesucht wird. Diese Vergangenheit ist dabei kein Geheimnis. Es geht nicht darum, irgendwelche verborgenen Sachen ans Tageslicht zu bringen. Mithilfe von Flashbacks erfahren wir recht früh, wie der damals noch junge Marc plötzlich das Land verlassen und sie zurücklassen musste. Als der der schönen Kundin gegenübersteht, kommen diese Erinnerungen wieder zurück, sehr schnell und sehr heftig.

Nicht wirklich tiefgründig

Dass ihn diese Trennung seinerzeit sehr mitgenommen hat, ist nachvollziehbar. Dass er im Anschluss so von ihr besessen ist, das ist hingegen schon ein wenig erklärungsbedürftig. Da ist keine alte Schuld, die er zu begleichen hätte. Die ganz große Liebe kann es auch nicht gewesen sein, Marc war damals noch ein Kind. Es ist nicht einmal so, dass seine Ehe mit Clotilde so unglücklich wäre, dass dies als Erklärung dienen könnte. Das Mädchen von gegenüber bleibt da recht vage. Man nimmt Jean Dujardin (Monsieur Killerstyle, I Feel Good) zwar schon diese Obsession ab. Das ist aber mehr auf seine Schauspielkunst zurückzuführen als auf das Drehbuch, das sich nicht so recht für eine psychologische Erklärung interessiert.

Überhaupt ist das von Garcia und Jacques Fieschi (Liebe Last Lust) verfasste Skript ein wenig unbefriedigend. Gerade der Hintergrund des Algerienkrieges, welcher zu der Trennung der beiden Familien führte, wird kaum thematisiert. Garcia selbst wurde in Algerien geboren, weshalb man ihr durchaus glaubt, wenn dies für sie ein persönliches Thema darstellt. So richtig scheint sie sich aber nicht dafür zu interessieren. Stattdessen konzentriert sich Das Mädchen von gegenüber darauf, den zunehmenden Kontrollverlust von Marc aufzuzeigen und seine Besessenheit mit Cathy. Das ist atmosphärisch gelungen, auch wegen der zahlreichen schönen Bilder. Das Mädchen von gegenüber wird aber nie so spannend, wie man es hatte erhoffen dürfen, und nicht so tiefsinnig, wie es das Thema verdient hätte.

Credits

OT: „Un balcon sur la mer“
Land: Frankreich
Jahr: 2010
Regie: Nicole Garcia
Drehbuch: Nicole Garcia, Jacques Fieschi
Musik: Stephen Warbeck
Kamera: Jean-Marc Fabre
Besetzung: Jean Dujardin, Marie-Josée Croze, Toni Servillo, Sandrine Kiberlain, Michel Aumont, Claudia Cardinale

Bilder

Trailer

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Das Mädchen von gegenüber
Fazit
„Das Mädchen von gegenüber“ ist ein atmosphärisches Mysterydrama mit Thrillereinschlag um einen Mann, der plötzlich einer Freundin aus Kindheitstagen gegenübersteht. Die daran anschließende Besessenheit ist zwar gut von Jean Dujardin gespielt, auch die Atmosphäre stimmt. Inhaltlich ist der Film jedoch wenig befriedigend.
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