Der letzte Zug von Gun Hill Last Train from Gun Hill
© Paramount Pictures

Der letzte Zug von Gun Hill

Der letzte Zug von Gun Hill Last Train from Gun Hill
„Der letzte Zug von Gun Hill“ // Deutschland-Start: 19. Februar 1960 (Kino) // 13. Januar 2005 (DVD)

Inhalt / Kritik

Die Zeiten des großen Revolverhelden, der sich todesmutige Schießereien mit Verbrecherbanden leistet, sind für den U. S. Marshal Matt Morgan (Kirk Douglas) schon lange vorbei. Eines Tages jedoch ist es mit der Ruhe vorbei, denn auf dem Weg zurück in die Stadt werden seine Frau und sein Sohn angegriffen, und als Morgan dann zum Tatort kommt, kann er nur noch den Tod seiner Frau feststellen. Lediglich der Fund eines Sattels könnte Anhaltspunkte auf den Angreifer geben und als der Ordnungshüter die Initialen sieht, traut er seinen Augen kommt, gehört der Sattel doch Craig Belden (Anthony Quinn), einem seiner alten Freunde, den er schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Voller Wut und Trauer macht sich Morgan auf den Weg nach Gun Hill, wo Belden sich vom Cowboy zu einem wohlhabenden Viehzüchter hochgearbeitet hat. Die Wiedersehensfreude zwischen den beiden ist nur von kurzer Dauer, denn auch wenn Belden nicht am Verbrechen beteiligt war, zeigt doch sein Sohn Rick (Earl Holliman) sichtbare Spuren eines Angriffs, was ihn in Morgans Augen zu einem Verdächtigen macht. Während sich Morgan in Gun Hill auf die Suche nach Rick macht und schon bald fündig wird, dank der Hilfe von Craigs ehemaliger Geliebten Linda (Carolyn Jones), mobilisiert Belden derweil seine Männer.

Vom Maler zum Westernhelden

Nach seiner Literaturverfilmung Der alte Mann und das Meer widmete sich Regisseur John Sturges mit seinem nächsten Projekt abermals dem Westerngenre, welches er maßgeblich mitgeprägt hat durch Werkle wie Zwei rechnen ab, Vom Teufel geritten oder Der Schatz des Gehenkten. Der letzte Zug von Gun Hill, basierend auf einer Erzählung von Autor Les Crutchfield mit dem Titel Showdown, brachte zudem Darsteller Anthony Quinn und Kirk Douglas erneut für ein Projekt zusammen, nachdem sie nur wenige Jahre zuvor gemeinsam für Vincent van Gogh – Ein Leben in Leidenschaft auf der Leinwand zu sehen waren.

Ohne Frage befindet sich Sturges gegen Ende der 1950er Jahre auf einem Höhepunkt in seiner Karriere als Filmemacher, was er in Der letzte Zug von Gun Hill an vielen Stellen eindrucksvoll unter Beweis stellt. Neben den Feinheiten der Inszenierung sind es in erster Linie seinen beiden Hauptdarsteller, welche den Film nicht nur tragen, sondern zudem auf das zentrale Thema der Geschichte verweisen, nämlich das Bild eines Helden. Beide sind auf ihre Art und Weise Heldenfiguren, im Sinne des Genres generell wie auch in den Augen ihrer Umgebung, was bereits früh eine ambivalente Note erhält. Während der eine immer wieder an seinem Ruhm der Vergangenheit gemessen wird und immer mehr zum Opfer des eigenen Narrativs wird, ist der Namen des anderen für den Sohn zu einem Schatten geworden, der alles, was er tut, übertrumpft. In einer beachtlichen Szene zwingt Quinns Figur seinen Sohn sich wegen des Kommentars eines seiner Gefolgsleute zu wehren, was in einem schnellen, demütigen Faustkampf endet. Quinn und Douglas zeigen das Gegenbild des Helden, wie man ihn aus dem Western kennt, nämlich Männer, die zum Opfer der eigenen Verehrung werden und die auf eine Konfrontation zusteuern, die keiner von ihnen vermeiden kann oder vielleicht auch gar nicht will.

Eine ganze Stadt als Feind

Darüber hinaus zeigt sich Quinns Gespür für Dramaturgie und die Zuspitzung der Ereignisse. In einem Plot, der an vielen Stellen Vergleiche zu Fred Zinnemanns Zwölf Uhr mittags zulässt, sieht sich der Gesetzeshüter einer ganzen Stadt gegenüber, wobei die eine Hälfte der Bewohner wegsieht, während die andere sich aktiv gegen ihn stellt. Die Kamera Charles Langs fängt die Enge dieser Stadt an, die für jede der Figur zu einem Gefängnis wird, aus dem nur noch eine verzweifelte Aktion einen Ausweg versprechen könnte. Mit wenigen Aufnahmen wirken die Sets weniger wie Kulissen eines Westernfilmes, sondern eher wie das Bühnenbild eines viel größeren Dramas, bei dem es um das Lebensbild der beiden Figuren geht, für welches sie einen Kampf auftragen, welcher keinen Helden mehr hervorbringen kann.

Besonders in der Darstellung Kirk Douglas’ als Matt Morgan wird dies mehr als deutlich. Douglas, der in Der letzte Zug von Gun Hill eine wirklich große Vorstellung abliefert, zeigt einen verbitterten Mann, dessen Insistieren, er würde nach dem Gesetz handeln und dieses würde schon über den Schuldigen richten, sich schon bald eher wie ein Mantra anhört und weniger ein Prinzip, an das er wirklich glaubt. Von den Anti-Helden eines Sam Peckinpah ist Morgan zwar noch etwas entfernt, doch die Wut und die Frustration, die seine Handlungen antreiben, lässt vermuten, dass nicht nur hohe Werte ihn antreiben.

Credits

OT: „Last Train from Gun Hill“
Land: USA
Jahr: 1959
Regie: John Sturges
Drehbuch: James Poe
Vorlage: Les Crutchfield
Musik: Dimitri Tiomkin
Kamera: Charles Lang
Besetzung: Kirk Douglas, Anthony Quinn, Carolyn Jones, Earl Holliman, Brian G. Hutton, Brad Dexter, Bing Russell

Bilder

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Der letzte Zug von Gun Hill
Fazit
„Der letzte Zug von Gun Hill“ ist ein großartiger Western über Rache, Helden und das Abrechnen mit diesen. Regisseur John Sturges inszeniert einen beachtlichen Eintrag seiner Filmografie, der sich durch seine Bilder, seine Dramaturgie und durch seine beiden hervorragenden Hauptdarsteller auszeichnet.
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