Cyrano
© 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.
Cyrano
„Cyrano“ // Deutschland-Start: 3. März 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Mit Cyrano de Bergerac (Peter Dinklage) legt man sich besser nicht an, er ist sowohl mit dem Degen wie auch mit Worten ein meisterhafter Kämpfer. Das bekommen seine Gegner immer wieder zu spüren, vor allem wenn sie ihn aufgrund seiner geringen Körpergröße unterschätzen. Dabei hat Cyrano eine große Schwäche: Roxanne (Haley Bennett). Seit langer Zeit sind die beiden nun schon befreundet. Insgeheim empfindet er jedoch deutlich mehr für die schöne junge Frau, ohne ihr je seine Gefühle gestanden zu haben. Als er sich doch noch eines Tages ein Herz fasst und ihr seine Liebe offenbaren möchte, erfährt er zu seiner großen Enttäuschung, dass sie ihrerseits in Christian (Kelvin Harrison Jr.) verliebt ist. Trotz seiner tiefen Gefühle für sie beschließt er, den beiden zum gemeinsamen Glück zu verhelfen. Doch das ist gar nicht so leicht, da Christian selbst mit Worten kaum umgehen kann …

Ein Klassiker im neuen Gewand

Die Geschichte um Cyrano de Bergerac, der im Namen eines anderen Liebesbriefe für seine eigene große Liebe schreibt, gehört zweifelsfrei zu den großen Romanzen der Literaturgeschichte. Selbst wer das 1897 verfasste Theaterstück von Edmond Rostand nie gesehen hat, dürfte auf die eine oder andere Weise mit diesem vertraut sein. Dazu tragen auch die zahlreichen Filmadaptionen bei, die im Laufe der Zeit entstanden sind. Dabei werden diese zunehmend freier. Das schönste Mädchen der Welt verlegte den Stoff in die Gegenwart, erzählt von Klassenfahrten und Rap Battles. Vorhang auf für Cyrano wiederum blickte hinter die Kulissen des Klassikers und erzählte eine humorvoll fiktionalisierte Entstehungsgeschichte des berühmten Werkes.

Bei seiner neuen Adaptionen gibt sich der mit historischen Stoffen bestens vertraute Regisseur Joe Wright (Stolz & Vorurteil, Anna Karenina) traditioneller. So ist die Geschichte dem Original deutlich näher, als man es zuletzt gewohnt ist. Wobei es zwei gravierende Unterschiede zu der Bühnenfassung gibt. Der erste betrifft die Titelfigur selbst. Wo diese bei Rostand seinerzeit noch schwer unter seiner überdimensionierten Nase litt, welche ihn für die holde Weiblichkeit uninteressant macht, wird in Cyrano dieser „Makel“ durch eine Kleinwüchsigkeit ersetzt. Ein Zufall ist das nicht. So liegt dem Film eine andere Bühnenadaption zugrunde, die auf die Theaterregisseurin Erica Schmidt zurückgeht – die Ehefrau von Dinklage. Insofern wundert es dann auch nicht, dass dieser bei dem 2018 uraufgeführten Stück die Hauptrolle spielte und diese hier wieder aufgreift.

Musical voller Tragik

Der zweite Punkt, der deutlich anders ist: Aus der reinen Textgeschichte wird hier – wie eben auch bei Schmidts Stück – ein Musical. Bei den ersten Stellen, wenn die Figuren zu singen anfangen, fällt das noch nicht übermäßig auf, da dies im Kontext einer Aufführung innerhalb der Geschichte stattfindet. Da kann man schon mal zu singen anfangen. Aber auch später darf das Ensemble immer mal wieder die eigene Gesangsstimme unter Beweis gestellt werden. Das Ergebnis ist dabei manchmal mitreißend, gar herzerweichend. Manchmal aber auch ein bisschen langweilig. Die melancholischen Lieder der Zwillingsbrüder Aaron und Bryce Dessner, die zu der bekannten Indie-Band The Nationals gehören, treffen nur manchmal ins Schwarze. Auch bei den Gesangsdarbietungen schwankt das in Cyrano zuweilen.

Trotz der unbestrittenen Schauwerte, die der Film hat – Kostüme und Settings sind richtig stark geworden –, kommt es zwischendurch daher zu der einen oder anderen Länge. Dafür hinterlässt das Finale umso mehr Eindruck. Während neuere Interpretationen des Stücks gern eine süßlichere Variante der Ereignisse darbieten, bleibt Wright nahe an der Tragik des Originals. Cyrano ist eben nicht die Geschichte des hässlichen Entleins, das zum Schwan wird. Stattdessen zeigt der Film, wie grausam Gefühle sein können. Wie viel wir durch die Liebe verlieren können, wenn sie nicht die wahre Liebe ist. Das ist beeindruckend von Dinklage gespielt, dessen Figur zwischen Selbstbewusstsein und Unsicherheit schwankt, zwischen Triumph und unerfüllter Sehnsucht. Frei von dem Kitsch, der in Musicals oft anzufinden ist, aber doch mit übergroßer Emotionalität wird auf diese Weise ein Film daraus, der einen selbst dann mitnimmt, wenn man mit der Musik oder Musicals nichts anfangen kann.

Credits

OT: „Cyrano“
Land: USA, UK, Kanada
Jahr: 2021
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Erica Schmidt
Vorlage: Edmond Rostand
Musik: Aaron Dessner, Bryce Dessner
Kamera: Seamus McGarvey
Besetzung: Peter Dinklage, Haley Bennett, Kelvin Harrison Jr., Ben Mendelsohn

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2022 Beste Kostüme Massimo Cantini Parrini, Jacqueline Durran Nominierung
BAFTA 2022 Bester britischer Film Nominierung
Beste Kostüme Massimo Cantini Parrini Nominierung
Bestes Make-up und Haare Sian Miller, Alessandro Bertolazzi Nominierung
Bestes Szenenbild Sarah Greenwood, Katie Spencer Nominierung
Golden Globes 2022 Bester Film (Musical oder Komödie) Nominierung
Bester Hauptdarsteller Peter Dinklage Nominierung

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Cyrano
Fazit
„Cyrano“ ist eine ebenso sehens- wie hörenswerte Interpretation der berühmten Liebesgeschichte. Diese bleibt wegen des starken Ensembles in Erinnerung, vor allem Peter Dinklage als tragischer Souffleur. Die Musik schwankt dabei aber zwischen herzzerreißend und etwas langweilig.
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