Kritik

Stolz und Vorurteil 2005 Pride and Prejudice

„Stolz & Vorurteil“ // Deutschland-Start: 20. Oktober 2005 (Kino) // 23. Februar 2006 (DVD/Blu-ray)

Als die Nachricht die Runde macht, dass ein wohlhabender Junggeselle aus London in die Provinz zieht und sich dort niederlassen will, sind die Menschen vor Ort in heller Aufruhr. Vor allem Mrs. Bennett (Brenda Blethyn) ist entzückt, schließlich haben sie und ihr Mann (Donald Sutherland) gleich fünf Töchter im heiratsfähigen Alter, die dringend unter die Haube müssen. Während Jane (Rosamund Pike) tatsächlich schnell für den Neuankömmling zu begeistern ist, ist ihre Schwester Elizabeth (Keira Knightley) eher mit dessen Freund Mr. Darcy (Matthew Macfadyen) beschäftigt. Das hat jedoch weniger romantische oder pragmatische Hintergründe. Vielmehr geraten die zwei schon bei ihrem ersten Aufeinandertreffen aneinander. Und auch sonst sieht es zunächst danach aus, dass die beiden nichts miteinander werden anfangen können …

Menschen sind zum Lieben da!

Es gibt ja durchaus mehrere Gründe, warum man den Bund der Ehe eingehen kann. In Filmen läuft es meistens auf einen von zwei hinaus: eine Ehe aus Vernunft oder eine aus Liebe. Während die einen dadurch Sicherheit wollen, Macht und Einfluss vergrößern oder schlichtweg finanzielle Interessen verfolgen, kommt für andere nichts in Frage, das nicht aus tiefstem Herzen zusammengeführt wurde. Letztere bekommen am Ende normalerweise recht. Das Publikum soll im Anschluss schließlich selbst daran glauben dürfen, dass Liebe stärker ist als alles andere, dass jeder zum Scheitern verurteilt ist, der eine wahre Liebe zu verhindern versucht.

Ein Beispiel hierfür ist Stolz & Vorurteil. Basierend auf dem berühmten Roman von Jane Austen erzählt das Drama die Geschichte der Familie Bennett, bei der beide Formen der Ehe verfolgt werden. Während die Mutter die pragmatische Richtung repräsentiert und in erster Linie die Sicherung ihrer Familie vor Augen hat, da ist Elizabeth die eher rebellisch angelegte, selbstbewusste Tochter, die sich so leicht von niemandem etwas vorschreiben lassen will. Die Sympathien sind daher von Anfang an klar verteilt. Elizabeth ist die Heldin, diejenige, der Zuschauer und Zuschauerinnen die Daumen drücken sollen bei ihrer Reise, die sie ins romantische Glück führen soll.

Zwischen Konflikten und Bestätigung

Im Gegensatz zu den Protagonistinnen anderer Kostümdramen ist Elizabeth daher nicht allein die brave, treue Seele, der nur aufgrund ihrer eigenen bescheidenen Güte irgendwann etwas Gutes widerfährt, als eine Belohnung. Sie ist aktiver, widerspenstiger, mit mehr Ecken und Kanten, als in dem Bereich üblich. Das machte sie unterhaltsamer und interessanter, auch weil Keira Knightley (Fluch der Karibik) ihrer Rolle mehr Lebendigkeit verlieh als so manche Kollegin. Humor sollte man dabei jedoch nicht erwarten. Während solche Kabbeleien und Reibungen, wie sie zwischen den beiden Hauptfiguren stattfindet, oft zu komischen Zwecken genutzt werden, da ist Stolz & Vorurteil in erster Linie eine ernste Liebesgeschichte um Menschen, die allerlei Hindernisse aus dem Weg zu räumen haben.

Dass ihnen das gelingt, daran besteht kein Zweifel. Man sollte von einem zweihundert Jahre alten Roman keine großen Überraschungen mehr erwarten. Gleiches gilt für dieses spezielle Filmgenre, welches seinen Sinn in der romantischen Bestätigung des Publikums sieht, nicht in der Herausforderung. Während andere Jane Austen Adaptionen zumindest versuchten, noch neue Seiten abzugewinnen oder etwas anders zu machen – siehe das umwerfende Emma. –, da ist Stolz & Vorurteil trotz diverser inhaltlicher und sprachlicher Änderungen ein Drama, das sich fest in der Tradition sieht. Tatsächlich wollte man hier möglichst nahe an dem Original bleiben. Deborah Moggach, selbst eine erfahrene Schriftstellerin, hatte bei ihrem Debüt als Drehbuchautorin viele Freiheiten und entschied sich, im Zweifel lieber nicht zu viel zu verändern.

Das kann man nun schön oder bedauerlich finden. Zumindest innerhalb dieses traditionellen Rahmens überzeugt Stolz & Vorurteil jedoch. Regisseur Joe Wright (Anna Karenina, Die dunkelste Stunde) ist mit seinem Spielfilmdebüt ein sehenswerter Film über verkannte Liebe gelungen, der gleichzeitig viel über die damalige Zeit und die Anforderungen an die einzelnen Menschen zu sagen hat. Während die Entwicklung der Romanze sicher noch mehr Zeit und Szenen verdient hätte, die Gefühle zwischen Elizabeth und Mr. Darcy sind da schon recht plötzlich, gelingt es dem Film, die damalige Situation junger Frauen spannend darzustellen. Getrieben von Erwartungen eines patriarchalen und auf Hierarchien ausgelegten Systems bleibt ihnen meistens wenig Raum für Selbstentfaltung. Stattdessen gibt es Sehnsucht und Träume und das Hoffen auf das Beste. Da hat es natürlich etwas Inspirierendes, wenn jemand sein Schicksal selbst in die Hand nimmt und sich nicht alles vorschreiben lässt – was trotz des historischen Settings auch heute noch aktuell ist. Dazu gibt es traumhafte Bilder und eine feine Kameraführung, eine ansehnliche Ausstattung und Kostümierung.

Credits

OT: „Pride & Prejudice“
Land: UK, USA, Frankreich
Jahr: 2005
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Deborah Moggach
Vorlage: Jane Austen
Musik: Dario Marianelli
Kamera: Roman Osin
Besetzung: Keira Knightley, Matthew Macfadyen, Brenda Blethyn, Donald Sutherland, Tom Hollander,Rosamund Pike, Jena Malone, Judi Dench

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2006 Beste Hauptdarstellerin Keira Knightley Nominierung
Beste Musik Dario Marianelli Nominierung
Bestes Szenenbild Sarah Greenwood, Katie Spencer Nominierung
Beste Kostüme Jacqueline Durran Nominierung
BAFTA Awards 2006 Bester britischer Film Nominierung
Bestes adaptiertes Drehbuch Nominierung
Beste Nebendarstellerin Brenda Blethyn Nominierung
Beste Kostüme Jacqueline Durran Nominierung
Bestes Make-up/Haare Fae Hammond Nominierung
Vielversprechendster Newcomer Joe Wright Sieg
Europäischer Filmpreis 2006 Publikumspreis Nominierung
Beste Musik Dario Marianelli Nominierung
Beste Kamera Roman Osin Nominierung
Golden Globes 2006 Bester Film – Komödie oder Musical Nominierung
Beste Hauptdarstellerin – Komödie oder Musical Keira Knightley Nominierung

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Stolz & Vorurteil
Wenn in „Stolz & Vorurteil“ zwei Menschen sich erst ablehnend gegenüberstehen, bevor sie merken, dass sie große Gefühle füreinander hegen, dann ist das natürlich keine besonders überraschende Entwicklung. Dafür ist die Adaption des berühmten Jane Austen Romans schön umgesetzt, mit tollen Bildern und einer guten Besetzung und damit für Fans von Kostümdramen auf jeden Fall sehenswert.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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