Kritik

Fatman

„Fatman“ // Deutschland-Start: 4. Dezember 2020 (digital) // 26. Februar 2021 (DVD/Blu-ray)

Als jüngster Spross aus einer reichen Familie ist es Billy Wenan (Chance Hurstfield) gewohnt, alles zu bekommen, was er verlangt. Und sollte dann doch einmal etwas nicht so laufen wie erwartet, dann gibt es ja immer noch Jonathan Miller (Walton Goggins), der als Auftragsmörder unterwegs ist, wenn er nicht gerade seltene Spielzeuge einkauft. Als Billy zu Weihnachten vom Weihnachtsmann Chris Cringle (Mel Gibson) nur ein Stück Kohle bekommt, da er unartig gewesen war, sinnt er dann auch auf Rache und nimmt die Dienste von Miller in Anspruch: Er soll den Weihnachtsmann töten. Der wiederum hat gerade ganz andere Sorgen, da sein zusammen mit seiner Frau Ruth (Marianne Jean-Baptiste) geleitetes Unternehmen aufgrund der immer weniger werdenden guten Kinder der Bankrott droht. Und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als einen sehr speziellen Auftrag anzunehmen …

Die wahre Geschichte des Weihnachtsmannes
Wir sehen ihn auf Tassen, in Werbespots, verputzen ihn in Form einer Schokoladenfigur oder tragen ihn, wenn wir besonders unerschrocken sind, sogar auf speziellen Pullovern: Die letzten zwei Monate des Jahres ist der Weihnachtsmann praktisch überall. Und doch wissen wir nicht so wirklich etwas über ihn, außer dass er einmal im Jahr mit einem Rentierschlitten durch die Welt fliegt und Geschenke verteilt. Zwar gibt es auch immer mal wieder Filme, in denen er tatsächlich einen Auftritt hat und so ein bisschen persönlicher wird. Als wirkliche Figur, mit einem eigenen Leben und Charaktereigenschaften, ist er aber selten im Einsatz. Selbst wenn doch mal mehr drin ist, wie kürzlich in The Christmas Chronicles 2, er bleibt immer nur der Geschenkeverteiler.

Allein deshalb schon ist Fatman sehr viel interessanter, als man im Vorfeld erwarten durfte. Die Brüder Eshom und Ian Nelms, welche zusammen Regie führten und das Drehbuch schrieben, zeigen das Urgestein als einen Mann in der Krise. Er hat selbst den Glauben an Weihnachten verloren, nachdem die Menschen nur noch an sich denken. Aus seinem voller Freude geleiteten Unternehmen wurde eine Fabrik, die aufgrund hoher Schulden eigentlich geschlossen werden muss und als Gipfel des Zynismus nun im Auftrag des Militärs tätig ist. Weihnachtselfen, die unter dem Druck des Kapitalismus Waffen bauen, das ist doch mal eine Aussage. Gleiches gilt für einen Weihnachtsmann, der ganz offensichtlich sowohl für Alkohol wie auch Kekse eine größere Schwäche hat, als ihm gut tut.

Zwischen Drama, Satire und Action
Das wäre Stoff für ein nachdenklich stimmendes Midlife-Crisis-Drama, alternativ für eine beißende Satire. Fatman ist irgendwie beides, kombiniert das aber zusätzlich noch mit einer Nonsense-Actionkomödie, wenn ein verwöhntes Balg einen Auftragsmörder auf den Weihnachtsmann ansetzt. Auch das ist originell, hat nur wenig mit dem zu tun, was man sonst so in diesem thematischen Vorfeld vorfindet. Nur können sich die Nelms-Brüder nie so ganz dazu durchringen, die eingeschlagene Richtung auch mal konsequent zu verfolgen. Hier gibt es von allem etwas, aber nicht genug. Der Film ist eher ein Pitch für einen Film, bei dem das Drehbuch noch nicht fertig war, man erst einmal nur die Eckpfeiler gesetzt hat.

Das kann schon Spaß machen, da sind diverse witzige Szenen dabei, zwischendurch zudem tatsächlich mal rührende. Sowohl Walton Goggins (The Hateful 8) wie auch sein junger Kollege Chance Hurstfield geben beeindruckend widerwärtige Darstellungen ab als wirklichkeitsentrückte Antagonisten jenseits der Karikaturgrenze. Mel Gibson (Dragged Across Concrete) wiederum, der eine Zeit lang eher durch seine außerfilmischen Auftritte Aufmerksamkeit erhielt, gefällt als grummeliger desillusionierter Weihnachtsmann, der seine Prinzipien verkaufen muss, um irgendwie über die Runden zu kommen. Sehr schön sind zudem die Momente mit der von Marianne Jean-Baptiste verkörperten Ehefrau, die mit einer Mischung aus Zärtlichkeit und Toughness in der Männerwelt besteht.

Und doch ist das am Ende irgendwie nicht ganz genug. Wer beispielsweise sich viel von dem Actionpart erhofft, der muss sich gedulden. Lange Zeit passiert praktisch nichts und wenn doch, wird nichts gezeigt. Auch das Finale enttäuscht in der Hinsicht. Die inneren Kämpfe des Weihnachtsmanns wiederum werden nicht aufgelöst, sondern einfach zu den Akten gelegt. Die Spitzen gegen eine materialistische selbstsüchtige Welt? Interessieren das Duo kaum. Das ist dann schon etwas enttäuschend. So unterhaltsam dieser irrsinnige Weihnachtsfilm phasenweise auch ist, gerade als Kontrastprogramm, am Ende fehlt etwas. Fatman kommt trotz bester Voraussetzungen nicht über gehobenes Mittelmaß hinaus.

Credits

OT: „Fatman“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Eshom Nelms, Ian Nelms
Drehbuch: Eshom Nelms, Ian Nelms
Musik: Mondo Boys
Kamera: Johnny Derango
Besetzung: Mel Gibson, Marianne Jean-Baptiste, Chance Hurstfield, Walton Goggins

Bilder

Trailer

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Fatman
In „Fatman“ engagiert ein verwöhntes Balg aus reichem Haus einen Auftragsmörder, der den in einer Existenzkrise steckenden Weihnachtsmann kalt machen soll. An originellen Ideen mangelt es dem Film nicht, dafür aber an Konsequenz: Die Mischung aus Charakterdrama, Satire und Actionfilm verheddert sich in den diversen inhaltlichen Elementen, weshalb es trotz eines guten Ensembles nur für das gehobene Mittelmaß reicht.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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