Inhalt / Kritik

The Boy Behind the Door

„The Boy Behind the Door“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Als Bobby (Lonnie Chavis) und Kenny (Ezra Dewey) zusammen im Wald unterwegs sind, wird das für sie der Anfang eines Alptraums. Denn schon kurze Zeit später finden sich die beiden Jungen im Kofferraum eines Autos wieder. Zwar gelingt es Bobby am Zielort angekommen, sich zu befreien und davonzulaufen. Doch er bringt es nicht übers Herz, seinen besten Freund einfach in den Händen der Entführer zu überlassen. Zu sehr schmerzen ihn dessen Schreie, der verzweifelt nach Hilfe ruft. Und so beschließt er, allein in das unheimliche Haus zu gehen und Kenny zu befreien. Doch das ist einfacher gesagt denn getan. Zum einen stellt sich der Ort als ziemliches Labyrinth heraus, durch das er erst noch den Weg finden muss. Außerdem ist er nicht alleine, irgendwo schleicht auch der Entführer noch herum …

Gemeinheit über Gemeinheit

Es ist die vielleicht gemeinste Szene in einem Film voller Gemeinheiten: Bobby hat sich gerade befreien können und ist auf dem Weg in die Sicherheit, zurück in das ihm bekannte Leben, als er die verzweifelte Stimme seines Freundes hört. Weiterlaufen und das eigene Leben retten, in dem Wissen Kevin geopfert zu haben? Oder zurückkehren und gegen die Entführer kämpfen? Diese Entscheidung ist eigentlich niemandem zuzumuten, schon gar nicht einem kleinen Kind, das nahezu chancenlos ist. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. The Boy Behind the Door genießt es geradezu, ständig neue fiese Situationen zu entwerfen. Geradezu grausam ist es, was sich das Regie- und Drehbuchduo David Charbonier und Justin Powell hier so ausgedacht hat.

Bemerkenswert dabei ist, wie wenig die beiden dafür letztendlich brauchen. Nach einer kurzen Einleitung, die von der Entführung zurück und wieder nach vorne springt, befinden wir uns schon auf dem finsteren Anwesen. Wie das bei Genrefilmen nun mal so ist, ist das Haus weit entfernt von allem, was auch nur irgendwie nach Zivilisation und Menschlichkeit aussieht. Denn das ermöglicht es dem Bösen, ganz ungestört zu wirken. Hilfe? Die ist weit entfernt. Damit eine solche Geschichte auch funktioniert, muss der Schauplatz aber schon irgendwie spannend sein. The Boy Behind the Door enttäuscht in dieser Hinsicht auch nicht. Charbonier und Powell inszenieren das Haus als einen irgendwie aus der Zeit gefallenen Ort voller Geheimnisse.

Stimmungsvoller Ort der Schatten

Tatsächlich ist das Setting eine der großen Stärken des US-amerikanischen Films. Es gelingt Kameramann Julian Amaru Estrada sehr schön, den eigentlich begrenzten Schauplatz in atmosphärischen Bildern festzuhalten. Die sind zwangsläufig recht dunkel geraten, schließlich darf Bobby nicht gefunden werden, bevor er seinen Freund befreit hat. Und das heißt, sehr viel in den Schatten herumzuschleichen und sich an finsteren Plätzen zu verstecken. Dann und wann wird das ausufernde Schwarz durch Farben unterbrochen. Tatsächlich freundlich wird der Film damit aber nicht. Vielmehr gewinnt The Boy Behind the Door dadurch eine leicht surreale Note, welche durch Objekte wie das Telefon mit einer Wählscheibe oder auch eine Uhr, auf der ein Countdown heruntergezählt wird, noch weiter verstärkt wird.

Die ersten beiden Drittel ist der Film dann auch richtig stark. Die an und für sich spärliche Geschichte wird durch geschickt platzierte rätselhafte Elemente – wer ist eigentlich der Entführer? – gut kaschiert. Gerade das Katz-und-Maus-Spiel, wenn Bobby irgendwie zu Kenny kommen muss, ohne dabei gesehen zu werden, sorgen für viel Spannung. Im letzten Drittel baut The Boy Behind the Door dann leider wieder etwas ab. Ist erst einmal die Katze aus dem Sack, verliert der Film an Atmosphäre. An deren Stelle treten mehr Actionszenen, die teilweise erneut sehr gemein sind, teilweise aber auch einfach in die Länge gezogen wurden, indem die Jungs abwechselnd sehr einfallsreich und irgendwie dämlich sind. Offensichtlich fehlten die Ideen für die kompletten anderthalb Stunden.

Gut gespielter Alptraum

Aber auch wenn der Horrorthriller am Ende nicht ganz sein Niveau halten kann, so ist er doch für Genrefans auf jeden Fall einen Blick wert. Das herrlich fiese Szenario ist zusammen mit dem entrückt-unheimlichen Schauplatz Grund genug, sich den Beitrag vom Fantasy Filmfest 2021 einmal anzusehen. Aber auch schauspielerisch macht das minimalistisch gehaltene The Boy Behind the Door Lust auf mehr. Die Gegenseite ist auf bewundernswerte Weise verstörend bis abgrundtief böse. Lonnie Chavis (The Water Man) überzeugt in der Rolle des Helden wider Willen, der über sich hinauswachsen muss, wenn er gemeinsam mit Kenny lebend davonkommen möchte. Selten gelingt es Filmen aus diesem Genre, einen derart stark mitzittern zu lassen bei dem Versuch, wieder irgendwie aus diesem Alptraum herauszufinden.

Credits

OT: „The Boy Behind the Door“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: David Charbonier, Justin Powell
Drehbuch: David Charbonier, Justin Powell
Musik: Anton Sanko
Kamera: Julian Amaru Estrada
Besetzung: Lonnie Chavis, Ezra Dewey, Kristin Bauer van Straten, Micah Hauptman

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The Boy Behind the Door
„The Boy Behind the Door“ folgt zwei Jungen, die entführt werden und anschließend versuchen, aus einem unheimlichen Haus zu fliehen. Die Geschichte ist dabei minimalistisch, aber über weite Strecken gut in Szene gesetzt. Vor allem das unwirkliche Anwesen und das Ensemble sorgen für Atmosphäre, hinzu kommen einiges schön fiese Ideen. Später baut der Film leider wieder ab, zum Schluss wird das unnötig in die Länge gezogen.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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