Schon 2018 verkörperte Judy Greer in Halloween Karen Nelson, die Tochter von Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), die 40 Jahre nach ihrer Begegnung mit Michael Myers noch immer von diesem Trauma gezeichnet ist. Und auch in Halloween Kills ist die Schauspielerin wieder mit an Bord und erklärt mit einigen anderen dem maskierten Killer den Krieg. Zum Kinostart am 21. Oktober 2021 unterhalten wir uns im Interview mit Judy über die Besonderheiten der Reihe, die Natur des Bösen und mit welcher Waffe sie Myers entgegentreten würde.

 

Die Reihe Halloween ist mittlerweile über 40 Jahre alt und noch immer werden neue Filme gedreht. Wie erklärst du dir diese andauernde Popularität, gerade auch im Vergleich zu anderen Horror-Filmreihen?

Weil es beste ist. (lacht) Da ist einfach etwas an diesen maskierten Schreckgestalten, das uns alle anspricht und die Menschen dazu veranlasst, immer wieder zurückzukommen. Und von diesen ganzen Killern ist Michael Myers einfach der furchterregendste. Er wird zwar alt, ist dadurch aber kein Stück weicher geworden. Eigentlich wird das von dir erwartet, wenn du älter wirst. Michael ist das egal. Ich finde sogar, dass er im Alter noch einmal deutlich gewalttätiger wurde. Außerdem sind diese Filme einfach gut gemacht. In Halloween und jetzt Halloween Kills führen wir die bekannten Themen fort, fügen aber immer wieder auch Neues hinzu. Die Figuren, die wir zeigen, haben ein wirkliches Leben und machen eine Entwicklung durch. Es geht eben nicht nur darum, dass Michael irgendwelche Leute umbringt. Wir erzählen von Trauma, von Liebe, von Angst, von inneren Dämonen.

Erinnerst du dich noch daran, wie du selbst das erste Mal einen Film aus der Reihe gesehen hast?

Ich erinnere mich nicht genau daran, wann ich den ersten Film von 1978 gesehen habe. Er war irgendwie immer da, wenn das Sinn ergibt. Ich habe ihn mir dann noch einmal angesehen, als ich für den 2018er Film besetzt wurde, und die ganzen Erinnerungen an ihn kamen wieder zurück. Und auch die Angst kam wieder zurück. Aber ich habe immer Angst im Dunkeln, weshalb ich immer mit einem Nachtlicht herumreise und das einstöpsle, egal ob nun zu Hause oder in einem Hotelzimmer. Ich bin schon ein ziemlicher Angsthase.

In dem Film gibt es die unterschiedlichsten Reaktionen, wenn jemand Michael Myers begegnet. Manche versuchen gegen ihn zu kämpfen. Andere rennen sofort weg. Du wärst demnach jemand, der eher wegrennt?

Absolut, ja. Ich würde wegrennen, dann hinfallen und getötet werden. Zu hundert Prozent. Wahrscheinlich würde es keine zwei Minuten dauern, dann wäre ich tot.

Nehmen wir an, du könntest nicht wegrennen, sondern müsstest gegen ihn kämpfen. Was wäre deine Wahl der Waffe?

Mir wurde immer beigebracht, bei einem Mann direkt auf die Weichteile zu gehen. Hat das jemals jemand gemacht in den Filmen? Ich würde das versuchen, so zum Auftakt, und ihm mal so richtig zwischen die Beine treten. Danach würde ich versuchen, seine Kniescheibe zu zertrümmern, und irgendwelche Sachen nach ihm werfen, die ich auf dem Boden finde. Oh, und ich würde schreien. Ich kann sehr laut schreien.

War das ein Kriterium beim Casting, so von wegen Scream Queen?

Tatsächlich nicht, David Gordon Green hat mich nie danach gefragt, ob ich gut schreien kann. Eigentlich schade, wenn ich so darüber nachdenke. Ich hätte ihm das gerne mal demonstriert.

Und wie war das für dich, die Rolle trotzdem bekommen zu haben und Teil des Franchises geworden zu sein?

Es war eine riesige Ehre und ich war total aufgeregt. Ich wollte schon immer mal einen Film mit Blumhouse machen und mit David Gordon Green arbeiten. Dass wir uns bei einem Horrorfilm treffen, hat mich dann schon ein wenig überrascht. Ich dachte, dass wir irgendwann bei einer seiner Komödien zusammenarbeiten würden. Außerdem fühlte ich mich natürlich geehrt, mit Jamie Lee Curtis drehen zu dürfen. Als ich mich mit ihr getroffen habe, wurde mir auch bewusst, dass Halloween mehr ist als nur ein unterhaltsamer Horrorfilm. Wir erzählen die Geschichte einer Frau, deren ganzes Leben von einer traumatischen Erfahrung geprägt ist. Für mich war klar, dass wir das ebenso ernst nehmen müssen, als handele es sich um ein ganz intensives Drama. Das wollten wir in den Mittelpunkt stellen. Es ging für mich also nicht darum, einen reinen Horrorfilm zu drehen. Stattdessen sollte es vor allem um die Menschen gehen, die es zufällig mit einem Killer zu tun bekommen. Und niemand weiß das besser als Jamie, die schon seit über 40 Jahren dabei ist. Denn sie ist diese Frau, die so sehr traumatisiert wurde und der niemand glaubt. Die von niemandem ernst genommen wird, wenn sie von ihren Erfahrungen erzählt. Und das ist etwas, das wie wir alle wissen, im wahren Leben auch stattfindet. Wir haben den ersten Film gedreht, bevor die #MeToo-Bewegung so explodiert ist. Aber da sind schon starke Parallelen. Bei beidem geht es um Frauen, denen niemand glaubt, dass sie etwas Schreckliches durchgemacht haben.

Ein weiterer Punkt, der im Film auftaucht, ist die Diskussion, was das Böse eigentlich ist. Wie würdest du böse definieren?

So auf Anhieb würde ich sagen: das komplette Fehlen von Mitgefühl. Wenn wir von Soziopathen oder Psychopathen reden, dann fängt das oft damit an, dass sich jemand nicht in andere hineinfühlen kann. Und das ist etwas, das wir heute leider sehr oft haben in den USA. Da gibt es so enorme Gräben, welche die Menschen nicht überwinden können oder wollen.

Und woher kommt das? Sind diese Leute so geboren worden oder werden sie dazu gemacht?

Es ist schon ziemlich schwierig, sich ein kleines Baby anzuschauen und zu sagen: Das Baby ist böse. Dabei waren wir alle mal Babys. Wenn du böse Menschen siehst, egal ob im Fernsehen oder auf der Straße, die waren alle mal Kinder. Okay, vielleicht gibt es vereinzelt auch böse Kinder. Aber nimmt man einmal die Leute raus, die an einer psychischen Krankheit leiden, dann denke ich schon, dass wir nicht von Geburt aus böse sind, sondern erst lernen böse zu sein.

Und wie lässt sich verhindern, dass die Leute so werden?

Gute Frage. Vielleicht wäre es schon mal nicht schlecht, für eine Weile den Fernseher auszuschalten und das Handy wegzulegen und stattdessen rauszugehen. Einfach spazieren gehen, Leute sehen, mit ihnen interagieren, mit ihnen sprechen. Das kannst du überall machen: im Supermarkt, am Flughafen. Reisen ist allgemein ganz wichtig, weil du auf diese Weise lernst, dass die Welt viel größer ist und sich nicht nur um dich dreht. Andere Menschen kennenzulernen und sie bewusst wahrzunehmen, mit all ihren Unterschieden, das ist eine solche Bereicherung.

Nachdem wir uns über die Halloween-Filme unterhalten haben, wie sieht es mit dem Halloween-Fest aus? Was bedeutet das für dich?

Für mich ist es ein schöner Start in die Weihnachtszeit. Halloween bedeutet feiern, denn das ist immer mit einer Feier verbunden. Du triffst dich mit Freunden, du verkleidest dich, kannst sein, wer auch immer du sein willst. Halloween ist für mich deshalb eine Nacht der Freude. Und natürlich der Süßigkeiten. Die dürfen bei mir nicht fehlen.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Zur Person
Judy Greer wurde am 20. Juli 1975 in Detroit, Michigan, USA geboren. An der High School war sie bereits künstlerisch tätig. Später studierte sie Schauspiel an der DePaul University in Chicago. Ihr Schauspieldebüt gab sie 1997 in dem Horrorfilm Stricken. Im Anschluss wurde sie vor allem mit Komödien bekannt, wobei sie sich die ersten Jahre mit Nebenrollen begnügen musste. Zusätzlich hatte sie Nebenrollen in in The Village – Das Dorf (2004), Jurassic World (2015) und Ant-Man (2015) 2017 gab sie ihr Debüt als Regisseurin mit der Komödie Career Day mit Hindernissen.



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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