Career Day mit Hindernissen

„Career Day mit Hindernissen“ // Deutschland-Start: 25. Oktober 2018 (Kino)

Schon unter normalen Umständen graut es der Schuldirektor Nichols (Allison Janney) vor diesem Tag: Einmal im Jahr kommen die Eltern an die Schule, um im Rahmen des Karrieretags den Schülern von ihrer Arbeit zu erzählen. Doch normal ist dieses Jahr nichts. Denn ausgerechnet heute müssen sie und der Lehrer Ned Pendlehorn (Rob Riggle) über die Leiche des Gärtners stolpern, von der natürlich niemand etwas erfahren darf. Und auch Daniel (Common) wird es beim Gedanken mulmig, zu seiner Tochter Patricia (Storm Reid) und deren Klasse zu reden, wurde er doch ausgerechnet an diesem Tag von seinem neuen Boss (Bradley Whitford) gefeuert. Musiklehrer Christian McRow (Anders Holm) hat hingegen noch seinen Job – dafür aber keine Perspektive mehr im Leben.

Und wieder jemand aus dem Schauspielfach, der der Ansicht ist, der Welt auch vom Regiestuhl aus etwas mitgeben zu müssen. Dieses Mal ist es Judy Greer, die sich an dem Rollenwechsel versucht und mit Career Day mit Hindernissen ihr Regiedebüt abgibt. Dabei bleibt sie immerhin ihrem Genre treu. Denn von gelegentlichen Ausnahmen einmal abgesehen, darunter das zeitgleich hierzulande anlaufende Halloween, ist sie doch in erster Linie für das Komödienfach bekannt.

Ernste Themen, humorvoll verpackt
Der Ton ist in Career Day mit Hindernissen dann auch meistens heiter, mit kleinen Schlenkern zum Absurden und Schwarzhumorigen. Selbstverständlich war dies bei der Geschichte aber nicht: Drehbuchautor Gary Lundy versammelt hier eigentlich eine ganze Reihe von traurigen Gestalten, die mit ihrem Leben hadern oder bereits gescheitert sind. Da ist der depressive Musiklehrer, der einsame Junge, der keine Freunde findet, ein Vater, der irgendwie alles in seinem Leben verkehrt macht. Und auch ein Gärtner, der seit Jahren an einer Schule arbeitet, von dem die Leute aber nicht einmal den Namen kennen, ist eine im Grunde verdammt traurige Angelegenheit.

Immer wieder spielt daher eine Melancholie in die voneinander unabhängigen Handlungsstränge hinein, ohne dabei aber Überhand nehmen zu wollen. Allgemein ist Career Day mit Hindernissen ein Film, der sich lieber ein bisschen zurücknimmt. Ob es eben diese traurigen Elemente sind oder auch die satirischen, Greer zieht es vor, sich nicht zu weit von der Mitte zu entfernen. Große Lachsalven sind deshalb ebenso Mangelware wie Schluchzattacken, es bleibt nett, gediegen, ebenso unspektakulär wie der banale deutsche Titel.

Gute Darsteller bis ins Kleinste
Aber der Film hat seine Momente. Und er hat seine Stärken. Allen voran: die Darsteller. Wenn die für I, Tonya dieses Jahr mit einem Oscar ausgezeichnete Allison Janney an einer Leiche verzweifelt, dann ist das ebenso sehenswert wie der rührend-groteske Nervenzusammenbruch von Anders Holm – sonst eher für Brachialkomödien wie Game Over, Man! bekannt. Marcus Eckert geht als einsamer Junge zu Herzen. Dazu gibt es schöne Gastauftritte von Jennifer Garner und Keanu Reeves, die mit viel Lust an Übertreibung den Anspruch auf Alltag mit Füßen treten.

Das ist alles nicht überragend, der Tag mag für die Betroffenen unvergesslich sein, für das Publikum ist er das eher nicht. Es ist noch nicht einmal so, dass die gewonnenen Selbsterkenntnisse der diversen Verlierer hier in irgendeiner Form neu wären. Career Day mit Hindernissen kommt da nicht wirklich über Grußkartenphilosophie hinaus. Und doch ist Greers Debüt irgendwie sympathisch in seiner Mischung aus Alltäglichem und Absurdem, aus Tieftraurigem und Komischem. Ein Fall für Leute, die Gefallen haben an rührenden Schmunzlern und Losern, die am Ende keine mehr sind.

Career Day mit Hindernissen
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Career Day mit Hindernissen
Eine unbekannte Leiche, Einsamkeit, Perspektivlosigkeit – „Career Day mit Hindernissen“ nimmt eine Reihe von ernsten Themen, verpackt diese aber humorvoll. Das Ergebnis ein Episodenfilm, der sicher nicht Geschichte schreiben wird, aber doch irgendwie sympathisch ist und zudem gut besetzt.
6von 10

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