Kritik

Young Adult

„Young Adult“ // Deutschland-Start: 23. Februar 2012 (Kino) // 26. Juli 2012 (DVD/Blu-ray)

Es lief schon einmal besser im Leben von Mavis Gary (Charlize Theron). Ihre Ehe ist gescheitert, sie kommt nicht so recht vom Alkohol weg, beruflich geht es ebenfalls nicht voran. Im Gegenteil: Die Jugendbuchreihe, für die sie als Ghostwriterin schreibt, verkauft sich nicht mehr so wie früher und soll demnächst eingestellt werden. Während Mavis noch an dem letzten Band sitzt, beschließt sie, in ihre alte Heimat zurückzukehren. Ihr Ziel: Sie will wieder mit Buddy Slade (Patrick Wilson) anbandeln, mit dem sie zu Schulzeiten zusammen war. Dass der inzwischen mit Beth (Elizabeth Reaser) verheiratet ist und sogar eine kleine Tochter hat, interessiert sie nicht weiter. Schließlich ist sie fest davon überzeugt, dass sie trotz allem füreinander bestimmt sind. Und auch Matt Freehauf (Patton Oswalt), eine flüchtige Bekanntschaft aus alten Tagen, kann sie nicht davon abhalten …

Von wegen erwachsen …

Im Bereich Literatur oder auch bei Filmen ist die als „Young Adult“ bezeichnete Sparte ein fester Bestandteil. Inhaltlich ist dort praktisch alles möglich, von Drama über Fantasy bis zu Science-Fiction. Ihnen gemeinsam ist jedoch, dass im Mittelpunkt Jugendliche stehen, die mit Hindernissen zu kämpfen haben und beim Überwindern derselben langsam zu Erwachsenen werden. Wenn ein Film nun nach dieser Sparte benannt ist, dann weckt das natürlich gewisse Erwartungen. Erwartungen, die hier aber ganz bewusst nicht erfüllt werden. Schließlich ist eine 37-Jährige, selbst bei einer sehr großzügigen Auslegung des Begriffs, nicht unbedingt das, was man eine junge Erwachsene nennen würde.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Titel unpassend wäre. Anstatt jedoch von einer Jugendlichen zu erzählen, die gerne eine Erwachsene wäre, geht es hier um eine Erwachsene, die noch so tut, als wäre sie eine Jugendliche. Sie schreibt Jugendromane mit kitschigen Enden, die wenig mit der Realität zu tun haben. Das bedeutet für Mavis zum einen die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Es bedeutet aber vor allem auch, selbst dieser Realität zu entfliehen, die sehr viel weniger glamourös und heil ist, als sie es sich in ihren Büchern ausmalt. Wenn sie unter allen Umständen an einer alten Jugendliebe festhält, dann nicht unbedingt, weil es keine Alternativen gäbe. Trotz ihres ruinösen Lebensstils könnte sie sich die Männer immer noch aussuchen. Vielmehr ist Buddy das Symbol einer verpassten Jugend, an dem sie festhält, obwohl die Umstände sich längst geändert haben.

Unsympathisch, lächerlich und tragisch

Sympathisch ist dieses Verhalten natürlich nicht. Eine intakte Beziehung zu zerstören, eine mit einem jungen Kind obendrein, das ist nicht unbedingt das, was romantische Komödien einem sonst so vorleben. Natürlich gibt es dort immer Beispiele, wo die Heldin mit der falschen Person zusammen ist oder dieser nachjagt, während die offensichtliche „richtige“ Liebe direkt daneben ist. Regisseur Jason Reitman und Drehbuchautorin Diablo Cody, die zuvor schon an Juno zusammengearbeitet hatten, gehen aber auch da einen anderen Weg. Die Figur des besten Freundes, hier eben Matt, ist weder Seelenverwandter noch wirkliches Love Interest. Und doch ist er der einzige, der sich tatsächlich auf die Autorin einlassen kann – und umgekehrt.

So verabscheuungswürdig Mavis dabei vorgeht, sich selbst bei Familie Slade zu Hause noch an ihren Ex heranwirft, sie ist doch auch eine sehr tragische Figur. Wie tragisch, das verrät Young Adult zwar erst auf den letzten Metern. Aber schon vorher ahnt man, dass hinter der makellosen Fassade einiges vorliegt, das unverarbeitet geblieben ist. Hier geht es um eine Frau, die sich so sehr in ihren Träumen eingeigelt hat, unterstützt von an den Haaren herbeigezogenen Geschichten und jeder Menge Alkohol, dass sie nie gelernt hat, die Welt da draußen zu erkunden. Sie mag mondän auftreten, gilt in ihrer alten Heimat als die eine, die es wirklich geschafft hat. Aber es war ein bedeutungsloser Sieg, rein an der Oberfläche.

Dass dies so gut funktioniert, ist dabei nicht nur ein Verdienst von Codys Drehbuch, das Komisches mit Ernstem mischt, Kluges mit Peinlichem. Vor allem der Auftritt von Charlize Theron (Tully, Bombshell – Das Ende des Schweigens) trägt dazu bei, dass Young Adult ein starker Film ist. Bei ihr trifft Arroganz auf Verletzlichkeit, Egoismus auf die Sehnsucht, ihren Platz in einer Welt zu finden, die nicht so ist, wie sie sie immer erträumt hat. Die zwar bittere, aber doch lebensbejahende Tragikomödie ist damit letztendlich doch die Geschichte eines Erwachsenwerdens, wenn Mavis sich ihren Wunden und der Realität stellen muss. Denn dafür ist es nie zu spät, selbst mit 37 nicht.

Credits

OT: „Young Adult“
Land: USA
Jahr: 2011
Regie: Jason Reitman
Drehbuch: Diablo Cody
Musik: Rolfe Kent
Kamera: Eric Steelberg
Besetzung: Charlize Theron, Patton Oswalt, Patrick Wilson, Elizabeth Reaser, Collette Wolfe

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Golden Globe Awards 2012 Beste Hauptdarstellerin – Komödie oder Musical Charlize Theron Nominierung

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Young Adult
„Young Adult“ handelt, anders als beim Titel erwarten könnte, nicht von einer Jugendlichen auf dem Weg ins Erwachsenenalter. Vielmehr erzählt die Tragikomödie von einer 37-Jährigen, die noch immer in ihren Jugendträumen gefangen ist und sich nicht der Realität stellen kann. Das ist unterhaltsam, teils sehr bitter – und richtig stark von Charlize Theron gespielt.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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