Inhalt / Kritik

Es ist nur eine Phase Hase

„Es ist nur eine Phase, Hase“ // Deutschland-Start: 14. Oktober 2021 (Kino)

Viele, viele Jahre galten Paul (Christoph Maria Herbst) und Emilia (Christiane Paul) als absolutes Traumpaar. Sie waren unzertrennlich, verbrachten jede freie Minute miteinander, sind glückliche Eltern von Fe (Emilia Nöth), Marie (Bella Bading) und Bo (Wanja Valentin Kube) geworden. Doch seit einer Weile schon ist die Luft raus. Auch wenn sie sich nach wie vor ein Bett teilen, könnten sie doch nicht weiter voneinander entfernt sein. Hinzu kommt, dass sich inzwischen das Alter bemerkbar macht. Als Emilia eines Tages einen spontanen Seitensprung mit einem deutlich Jüngeren hat, ist das für sie der Anlass, alles einmal zu überdenken. Eine Pause soll dem Paar helfen, sich über die eigene Beziehung klar zu werden …

Das Alter ist auch nicht mehr, was es mal war

Die Menschen werden immer älter, bleiben zudem auch länger fit, alles hat sich ein bisschen nach hinten verschoben. Das ist einerseits schön, führt aber auch dazu, dass das mit dem Altern komplizierter geworden ist. Gerade weil einem heutzutage suggeriert wird, dass man ewig jung sein kann, ist es mitunter schwer zu akzeptieren, dass die Biologie doch noch ein Wörtchen mitzureden hat. Und es nicht unbedingt das schönste Wörtchen. So zumindest ergeht es gerade den männlichen Figuren in Es ist nur eine Phase, Hase, die auf unterschiedlichste Weise mit dem Alterungsprozess umgehen. Da werden mal kleine Mittelchen eingeworfen. Freund Theo (Jürgen Vogel) sucht sich eine deutlich jüngere Partnerin, um die Illusion aufrecht zu erhalten, noch der von früher zu sein.

Auch Emilia verfällt dem Charme eines Jüngeren. Im Gegensatz zu Theo, der damit lächerlich gemacht wird, ist sie jedoch eine Figur, die Mitgefühl provoziert. Sie kämpft weniger gegen das Altern an sich, sondern die Leere, die damit gekommen ist. Alles ist gleich, jeder Tag vorhersehbar. Wo ist die Aufregung hin? Wo das Leben? Es ist nur eine Phase, Hase erzählt von einer persönlichen Midlife Crisis, die sich über die unterschiedlichsten Bereiche erstreckt: körperlich, seelisch, emotional, beruflich. Da kommt natürlich schon einiges zusammen. Der vom gleichnamigen Bestseller von Maxim Leo und Jochen Gutsch inspirierte Film schafft es aber, trotz der einen oder anderen Zuspitzung das so nachvollziehbar zusammenzuführen, dass sich das Publikum recht leicht in dem Schicksal der beiden wiederfinden kann.

Was vom Leben übrig bleibt

Zum Ende darf es dann auch wie erwartet etwas gefühliger werden. Während der Film über weite Strecken vor allem das Mittel des Humors anwendet, um die Peinlichkeiten und Verletzungen erträglicher zu machen, darf dann schonungslos Bilanz gezogen werden. Was haben wir mit unserem Leben angefangen? Was wird später von uns bleiben? Es ist nur eine Phase, Hase gibt sich dann eben doch auch nachdenklich, schneidet zumindest kurz auch existenzielle Fragen an. Vergänglichkeit spielt eine Rolle, wenn das Altern automatisch einen Rückblick bedeutet. Der Sinn des Lebens darf nicht fehlen, so schwierig der auch zu finden ist. Vor allem Paul wagt hier einen Blick zurück, während Emilia schon glücklich wäre, wenn da wieder eine Art Zukunft käme, auf die sie sich freuen kann.

Das kann dann schon recht rührend sein, versöhnlich ohnehin. Der Humor ist jedoch weniger von der einfühlsamen Sorte. Vor allem zu Beginn setzt Regisseur und Co-Autor Florian Gallenberger (Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon, Der Überläufer) auf recht plumpe Witze, die wohl darauf abziehen, die Lächerlichkeit der Figuren zu zeigen. Erst soll man über diese lachen, später mit ihnen. Damit der erste Teil hiervon aufgeht, sollte man aber schon empfänglich sein für diese derberen, irgendwie auch recht altbackenen Scherze. Es ist nur eine Phase, Hase spricht zwar davon, wie wichtig es ist, sich weiterzuentwickeln und sich nicht auf Altem auszuruhen. Zumindest in der Hinsicht wird der Film seinen eigenen Ansprüchen aber kaum gerecht.

Gut besetzter Denkanstoß

Der guten Besetzung gelingt es aber, diese eher drögen Passagen vergessen zu lassen und mit dem notwendigen Leben zu füllen. Das Zusammenspiel von Christoph Maria Herbst (Merz gegen Merz) und Christiane Paul (Eltern) funktioniert. Man drückt dem kriselnden Paar, dessen Liebe unter einem Schutt aus Gewohnheit und Alltag begraben wurde, durchaus die Daumen, dass es wieder zusammenfindet. Daraus ergeben sich sicherlich keine nennenswerten neuartigen Erkenntnisse. Es ist nur eine Phase, Hase formuliert nur aus, was andere zuvor auch schon gesagt haben. Liebe muss gepflegt werden lautet das eine Fazit. Das andere: Altern ist auch eine Sache der Einstellung. Aber das ist doch sympathisch genug am Leben dran, um im Anschluss selbst ein bisschen über alles nachzudenken, was da mit uns jeden Tag geschieht – im Guten wie im Schlechten.

Credits

OT: „Es ist nur eine Phase, Hase“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Florian Gallenberger
Drehbuch: Malte Welding, Florian Gallenberger
Vorlage: Maxim Leo, Jochen Gutsch
Musik: Enis Rotthoff
Kamera: Christian Rein
Besetzung: Christoph Maria Herbst, Christiane Paul, Jürgen Vogel, Jytte-Merle Böhrnsen, Nicola Perot, Peter Jordan, Bettina Lamprecht, Barbara Philipp, Emilia Nöth, Bella Bading, Wanja Valentin Kube

Bilder

Trailer

Interview

Wie steht er selbst zu seinem Alter? Und was lässt sich gegen eine fade gewordene Beziehung tun? Diese und weitere Fragen haben wir Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst in unserem Interview zu Es ist nur eine Phase, Hase gestellt.

Christoph Maria Herbst [Interview]

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Es ist nur eine Phase, Hase
„Es ist nur eine Phase, Hase“ erzählt von einem Paar, das gleich in mehrfacher Hinsicht eine Krise durchmacht. Der Humor ist etwas plump, gerade zu Beginn. Das gute Ensemble sorgt aber dafür, dass die Geschichte nah genug am Erfahrungsalltag des Publikums ist, um über Punkte wie Altern, Vergänglichkeit und Liebe nachzudenken.
6von 10
Leserwertung: (34 Votes)
4.1

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Mela

    Ich, Mitt-Vierzigerin, habe den Film heute mit einer guten Freundin geschaut. Wir haben gelacht, geweint und uns und unsere „Probleme“ wiedererkannt. Der Humor ist manchmal derb, aber treffend. Dafür ist die Botschaft des Filmes umso anrührender.

    Ich nehme etwas mit in meinen Alltag, das hoffentlich lange anhält 🤗

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