Inhalt / Kritik

Die aussergewoehnliche Reise der Celeste Garcia

„Die außergewöhnliche Reise der Celeste García“ // Deutschland-Start: 23. September 2021 (Kino)

Früher arbeitete Celeste García (Maria Isabel Díaz) als Lehrerin, heute bringt sie als Führerin des Planetariums von Havanna den Menschen die Sterne näher. Eigentlich mag sie ihre Arbeit, mag es, den Leuten von fernen Planeten zu erzählen. Dass sie einmal selbst auf einem solchen landen könnte, damit hatte die 60-Jährige jedoch nie gerechnet. Und doch scheint dieser Traum nun wahr zu werden: Seit einiger Zeit schon leben Außerirdische mitten in Kuba, als Menschen getarnt, um diese zu studieren. Um das Verhältnis weiter zu intensivieren, bieten sie einer Auswahl von Erdlingen an, mit ihnen zu kommen und ihren Planeten Gryok kennenzulernen. Darunter auch Celeste, die unwissentlich lange neben solchen Außerirdischen gelebt habt. Für die wissbegierige Frau bietet sich dadurch die einzigartige Chance, ihrem Leben noch einmal eine neue Richtung zu geben. Aber der Weg ist weit, die Vorbereitungen hart und der Platz im Raumschiff schwer umkämpft …

Gibt es Leben da draußen?

Es dürfte kaum jemanden geben, der sich nicht irgendwann beim Blick in den Sternenhimmel bei der Frage ertappt hat: Gibt es da draußen noch anderes Leben? Und wenn ja, wie könnte dieses aussehen? Da der technologische Fortschritt aber noch auf sich warten lässt, um das selbst herauszufinden, blieb den Menschen bislang immer nur das Träumen. Und es blieb ihnen die Fantasie: Zahlreiche Geschichten, seien sie geschrieben oder auf Film gebannt, drehen sich um Außerirdische, ihre Welten und die Beziehung der Menschen zu diesen. Wenn Die außergewöhnliche Reise der Celeste García mit der Aussicht beginnt, diese Fantasie in die Tat umzusetzen, dann wird da also ganz bewusst an diese weit verbreitete Sehnsucht appelliert, diese fernen Welten einmal kennenzulernen.

Und doch hat der Film so gar nichts mit den üblichen Science-Fiction-Filmen zu tun, die von ähnlichen Szenarien berichten. Die davon erzählen, wie die Menschen eine Reise zu einem fernen Planeten anstellen. Zunächst einmal: Anders als man erwarten könnte, spielt Die außergewöhnliche Reise der Celeste García nicht auf Gryok. Der Film spielt nicht einmal in dem Raumschiff, welches die Erdlinge dorthin bringen soll. Stattdessen bleibt Regisseur und Drehbuchautor Arturo Infante bei seinem Werk auf dem Boden. Er zeigt uns nicht die fremde Welt, die erkundet wird, sondern vielmehr die Leute, die eben dorthin wollen. Dass es Außerirdische gibt, wissen wir zwar. Wir bekommen sie aber nicht wirklich zu sehen. Gleiches gilt für die anderen Lebewesen auf Gryok, die unseren ganz ähnlich sein sollen und doch ganz anders sind.

Faktor Mensch

Insofern erinnert Die außergewöhnliche Reise der Celeste García ein wenig an den Genreklassiker Unheimliche Begegnung der dritten Art. In beiden Fällen folgen wir den Menschen, die durch das außerirdische Treiben in der einen oder anderen Form berührt werden. Während Steven Spielberg seinerzeit aber den Blick zum Horizont richtete und eine aufregende Abenteuerstimmung erzeugte, da bleibt Infante im hier und jetzt. Und im gestern: In mehreren Flashbacks erfahren wir die Vorgeschichte der Titelfigur und wie sie an dem Punkt ankommen konnte, an dem wir sie kennenlernen. Vergleichbar ausgefeilt sind die Biografien der anderen Weltraum-Träumer und -Träumerinnen nicht. Doch auch bei ihnen ist Infante darum bemüht, ihnen Kontur und Charakter zu verleihen.

Für Science-Fiction-Fans ist die kubanisch-deutsche Coproduktion daher eher weniger zu gebrauchen. Es gibt auch keine Spannung in dem Sinne. Der Film, der beim Toronto International Film Festival 2018 Premiere hatte, wandelt vielmehr auf tragikomischen Pfaden. Die außergewöhnliche Reise der Celeste García handelt eben nicht von der interplanetaren Reise, sondern einer inneren, wenn eine Frau, die mehrfach vom Leben enttäuscht wurde, nun eine neue Perspektive bekommt. Das macht die Geschichte, trotz des ungewöhnlichen Szenarios, sehr alltäglich und damit sehr nahbar für das Publikum. Es dürfen sich recht viele in ihr wiederfinden, ebenso in dem Wunsch, aus allem einmal auszubrechen. Dennoch: Reines Wohlfühlkino ist das hier nicht. Der Film ist sympathisch, er ist unterhaltsam, gerade während der kuriosen Bootcamp-Szenen, ein wenig heilsam auch. Aber er zeigt doch eben auch, dass das Leben nicht immer so verläuft, wie man sich das wünscht oder gar verdient. Denn am Ende müssen alle ihre eigenen Antworten darauf finden. Und die wartet nicht unbedingt in den Sternen, so sehnsüchtig wir auch dorthin blicken mögen.

Credits

OT: „El viaje extraordinario de Celeste García“
IT: „The Extraordinary Journey of Celeste Garcia“
Land: Kuba, Deutschland
Jahr: 2018
Regie: Arturo Infante
Drehbuch: Arturo Infante
Musik: Magda Rosa Galbán, Juan Antonio Leyva
Kamera: Javier Labrador
Besetzung: Maria Isabel Díaz, Omar Franco, Néstor Jiménez, Yerlin Pérez, Tamara Castellanos, Verónica Díaz Viera, Roberto Espinosa, Daysi Quintana

Bilder

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Die außergewöhnliche Reise der Celeste García
Eine 60-jährige Planetarium-Führerin wird von Außerirdischen eingeladen, ihren Planeten kennenzulernen. Das Ergebnis ist nicht das zu erwartende Science-Fiction-Abenteuer. Stattdessen ist „Die außergewöhnliche Reise der Celeste García“ eine sympathische Tragikomödie, die sich auf die Menschen und ihre Geschichten konzentriert und ein bisschen Mut macht.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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