In der Thrillerserie Hamilton: Undercover in Stockholm spielt Jakob Oftebro eine jüngere Ausgabe des Geheimagenten Carl Hamilton, der durch die Bücher von Jan Guillou und diverse Film- und Serienadaptionen bekannt wurde. Die Geschichte beginnt damit, dass der beim CIA ausgebildete Agent in seine Heimat Schweden zurückkehrt, wo er Zeuge eines Bombenanschlags wird. Doch wer steckt dahinter? Während er versucht, die Wahrheit herauszufinden, kreuzen sich die Wege mehrerer Geheimdienste. Zum Start der Serie am 16. August 2021 um 22.15 Uhr im ZDF haben wir uns mit dem Schauspieler über seine Rolle, das Konzept eines Helden und die Suche nach der Wahrheit unterhalten.

In Hamilton: Undercover in Stockholm spielst du den schwedischen Geheimagenten Carl Hamilton, der gleich zu Beginn in eine große Geschichte verwickelt wird. Was hat dich daran gereizt, in der Serie mitzuspielen?

Ich bin mit Hamilton aufgewachsen. Hamilton ist für uns in Skandinavien so etwas wie Jason Bourne oder James Bond, mit einer eigenen großen Mythologie drumherum. Die Generation meines Vaters hat die großartigen Bücher gelesen, ich selbst bin mit den Filmen groß geworden. Ich hätte auch nie zu träumen gewagt, dass ich ihn selbst irgendwann spielen würde. Als ich dann zum Vorsprechen eingeladen wurde, war das für mich deshalb eine riesige Sache und ich fühlte mich unglaublich geehrt. Ich glaube, das war das beste Vorsprechen, das ich bislang in meiner Karriere hatte. Und am Ende hat es tatsächlich geklappt, wofür ich sehr dankbar bin.

Welche Hamilton-Filme waren das? Es gab im Laufe der Zeit ja eine ganze Reihe von Adaptionen.

Bei mir waren das die Filme mit Peter Stormare. Ich habe die mit Freunden als VHS aus der Videothek ausgeliehen. Leider musste ich die am nächsten Tag immer wieder zurückgeben, weshalb ich sie immer wieder vom Neuen ausleihen musste. Ich habe sie bestimmt drei Mal gesehen, weil ich sie so cool fand.

Und wie war das für dich, seinen Fußspuren sowie denen der anderen zu folgen? Er wurde ja auch von anderen bekannten Schauspielern gespielt.

Das stimmt. Stellan Skarsgård hat ihn zum Beispiel auch gespielt, einer der besten schwedischen Schauspieler aller Zeiten. Es war für mich eine riesige Ehre, so großen Darstellern zu folgen. Aber es machte ich jede Menge Spaß.

Nicht irgendwie eingeschüchtert gewesen?

Das nicht. Vielleicht wäre ich das gewesen, wenn wir dieselben Geschichten noch einmal verfilmt hätten. Bei mir waren es aber völlig neue Geschichten, das hat es einfacher gemacht. Viel schlimmer ist es, wenn du denselben Text wie andere vor dir sprichst, weil dann Vergleiche unausweichlich sind. Wenn du beispielsweise Hamlet spielst, dann wirst du automatisch mit den großen Theaterschauspielern verglichen, weil du dasselbe versuchst wie sie.

Wie genau unterscheidet sich denn dein Hamilton von den vorangegangenen?

Die ursprünglichen Bücher spielen zu der Zeit des Kalten Krieges. Das würde heute natürlich so nicht mehr funktionieren, weshalb wir versucht haben, Geschichten zu erzählen, die in der Gegenwart spielen und von aktuellen Bedrohungen handeln. Der zweite Punkt, den wir geändert haben, ist dass Hamilton jünger ist. Bei uns ist er gerade mit seiner Ausbildung fertig. Wir erzählen also gewissermaßen eine Vorgeschichte und lernen Hamilton kennen, als er noch nicht der erfahrene Geheimagent ist. Deswegen macht er hin und wieder Fehler bei der Arbeit. Gleichzeitig kämpft er damit, wie er als Geheimagent noch ein Privatleben haben kann. Mit wem kann ich noch reden? Worüber darf ich reden? Wie sieht es aus mit einer Freundin? Das fand ich als Thema superspannend, weil es eben nicht nur um den Agenten geht, sondern auch den Menschen und wie er mit der Situation umgeht.

Hamilton Undercover in Stockholm Staffel 1

Brenzlige Situationen am laufenden Band: In „Hamilton: Undercover in Stockholm“ bekommt es der junge Geheimagent mit zahlreichen Feinden zu tun – bekannten wie unbekannten.

Ganz unabhängig von Hamilton, was glaubst du, ist der Reiz von solchen Geschichten rund um Geheimagenten?

Ich glaube, wir sind alle fasziniert von der Vorstellung, dass da draußen etwas in der Welt vor sich geht, wovon wir keine Ahnung haben. Dass es da Menschen gibt, die uns im Geheimen beschützen, ohne dass wir je davon erfahren, weil keiner darüber reden darf. Letztendlich sind Geschichten um Helden immer aufregend. Vor allem wenn sie wir hier immer wieder an ihre Grenzen gehen müssen, um Probleme zu lösen, gerade bei schwierigen politischen Themen.

Funktionieren Geheimagenten denn immer noch als Heldenfiguren? Wenn wir in den letzten Jahren von echten Geheimagenten gehört haben, dann meistens in weniger heldenhaften Kontexten, sei es Folter von Verdächtigen oder Mordversuchen während eines Fluges …

Das ist ganz grundsätzlich eine interessante Frage, die nicht nur die Arbeit von Geheimagenten betrifft. Ist es heldenhaft, einen anderen Menschen zu töten? Können wir in einem Krieg sicher sein, dass wir auf der richtigen Seite kämpfen? Das sind auch Fragen, die wir in Hamilton: Undercover in Stockholm ansprechen, wenn es gar nicht so eindeutig ist, ob meine Figur jetzt der Gute oder der Böse ist. Hamilton selbst hat zwischendurch seine Zweifel, ob er das Richtige tut. Das mochte ich auch dem Konzept der Serie, dass er eben kein reiner Held ist.

Wie würdest du einen Helden denn definieren? Was macht für dich jemanden zum Helden?

Ich denke, dass ein Held bei seinen Taten zunächst an das Wohl der anderen denkt, anstatt an seinen eigenen Nutzen. Er ist jemand, der sein Leben riskiert, in dem Glauben, die Welt dadurch zu einem besseren Ort zu machen. Wobei es natürlich auch immer sein kann, dass dieser Glauben sich als falsch herausstellt. Bei den Kriegen in Afghanistan oder im Irak wurde später erst klar, dass es um etwas anderes ging, als behauptet wurde. Das bedeutet aber nicht, dass die Soldaten nicht wirklich glaubten, sie würden die Welt dadurch besser machen.

Ist die Vorstellung eines Helden heutzutage überhaupt noch zeitgemäß? Wir sehen inzwischen bei vielen Krimis und Thrillern, wie die Hauptfigur eben nicht mehr der strahlende Held ist. Sie haben Schwächen und Macken, manche sind sogar richtig kaputt.

Persönlich finde ich es gut, dass die Darstellung von Gut und Böse heute nuancierter ist und es sehr viele Grautöne gibt. In der realen Welt ist es schließlich auch nicht so, dass die Leute immer perfekt sind. Wenn du älter wirst, stellst du oft enttäuscht fest, dass Leute, die du bewundert hast und die für dich Helden waren, auch ihre Schwachstellen haben. Sie können aber trotz allem Helden sein. Gleichzeitig gibt es schon noch Filme, bei denen die Helden klare Helden sind und die Schurken klare Schurken. Die Marvel-Geschichten zum Beispiel sind da ganz klassisch. Da weiß du immer, wer die Guten und wer die Bösen sind. Auch das hat heute noch seinen Reiz. Manchmal willst du nicht über alles nachdenken müssen oder an etwas zweifeln. Manchmal willst du einfach, dass das Gute über das Böse triumphiert.

In Hamilton: Undercover in Stockholm ist das auch deshalb komplizierter, weil da nicht einfach zwei Seiten sind, die gegeneinander kämpfen. Stattdessen gibt es eine ganze Reihe von Organisationen, die mal zusammenarbeiten, mal gegeneinander, bis man nicht mehr weiß, wie das alles zusammenhängt. Hattest du je das Gefühl, in diesem Gewirr verloren zu gehen?

Das nicht, nein. (lacht) Aber ich mochte es, dass die Geschichte so komplex ist. Schweden ist offiziell ja ein neutrales Land, weshalb es spannend ist, in einem solchen Kontext jemanden wie Hamilton zu haben. Ich denke, dass ein echter Hamilton in Schweden jede Menge Probleme verursachen würde. Für Hamilton selbst ist das auch nicht immer ganz zu durchschauen, was das alles bedeutet und wer da mit wem gemeinsame Sache macht. Aber ich hoffe, dass das Publikum am Ende der Staffel alles verstanden hat.

Die Welt ist für alle in den letzten Jahren ein Stück weit komplizierter geworden. Da gibt es nicht nur die Pandemie, die vieles in Frage stellt. Es ist allgemein schwieriger geworden zu erkennen, was Wahrheit und was Lüge ist. Es gibt immer weniger, dessen wir uns noch sicher sein können. Was hilft dir durch diese verwirrenden Zeiten? Was gibt es für dich, dessen du wirklich sicher bist?

Das ist eine gute Frage. Im Moment ist es meine Arbeit. Ich habe das Glück, wirklich Arbeit zu haben und mich darauf verlassen zu können. Aber es stimmt, dass wir immer weniger wissen, worauf wir uns verlassen können. Das ist auch etwas, das wir in Hamilton: Undercover in Stockholm ausdrücken wollten. Das, was wir heute erleben mit der Cybertechnologie und dem Cyberhacking ist deutlich komplexer als die Probleme in den Büchern. Es gibt da eine Stelle in der ersten Staffel, in der Hamilton falsche Informationen erhält. Etwas, das nach etwas anderes aussieht, als es letztendlich ist. Während wir beim Kalten Krieg zumindest noch klar war, wer unser Feind ist, wissen wir das heute oft nicht mehr. Das macht es für mich faszinierend, den alten Hamilton in unsere Zeit zu versetzen, wo vieles ganz anders funktioniert und du dir nicht mehr sicher sein kannst.

Wie sieht es mit deiner eigenen Zukunft aus? Woran arbeitest du?

Momentan drehen wir die zweite Staffel von Hamilton: Undercover in Stockholm, was jede Menge Spaß macht. Außerdem steht noch Black Crab an. Der Film ist ein dystopischer Actionfilm und spielt in einer Zeit, in der der Golfstrom seine Richtung geändert hat, was zu einer neuen Eiszeit geführt hat. Ich spiele da einen von mehreren Soldaten in einem Team, die einen gefrorenen See überqueren müssen, um einen geheimen Auftrag zu erfüllen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person
Jakob Oftebro wurde am 12. Januar 1986 in Oslo, Norwegen geboren. 2004 begann er ein Schauspiel-Studium an der Statens teaterhøgskole in Oslo, später war er an der Statens Teaterskole in Kopenhagen. Einem internationalen Publikum wurde er durch den für einen Oscar nominierten Abenteuerfilm Kon-Tiki (2012) bekannt. Zu seinen weiteren Filmen zählen das Horrordrama When Animals Dream (2014), der Fantasyfilm Die Hüterin der Wahrheit – Dinas Bestimmung (2015) oder auch das Abenteuer The Last King – Der Erbe des Königs (2015).



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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