Inhalt / Kritik

„Bigfoot Junior: Ein tierisch verrückter Familientrip“ // Deutschland-Start: 26. August 2021 (Kino)

Eigentlich dachte Adam ja, dass er nach dem Fund seines Vaters wieder ein bisschen mehr Ruhe in seinem Leben haben wird. Aber falsch gedacht: Da es sich bei seinem Vater um niemand anderen als den legendären Bigfoot handelt, wird sein Alltag durch Medien und Fans bestimmt. Schließlich ist er zu einer Sensation geworden, an der praktisch jeder großes Interesse zeigt, weshalb Adam nicht viel von seinem Vater hat. Als der dann auch noch nach Alaska aufbricht, um bei einer Protestaktion gegen ein mächtiges Ölunternehmen teilzunehmen, reicht es dem Jugendlichen. Dann soll er doch einfach wegbleiben! Doch dann verschwindet Papa Bigfoot tatsächlich, weshalb Adam mit seiner Mutter Shelly, Grizzly Wilbur und Waschbär Trapper hinterherreist, um herauszufinden, was da passiert ist …

Ein alter Bekannter

Im europäischen Animationsumfeld gehört Ben Stassen sicher zu den bekannteren Regisseuren. Mangelnde Produktivität kann man dem Belgier zumindest kaum vorwerfen: Seit seinem Langfilmdebüt Fly Me to the Moon 2008 erscheint im Schnitt alle zwei Jahre ein neues Werk von ihm. Qualitativ sind die am Computer entstandenen Filme hingegen oft weniger beeindruckend. Vielmehr stehen er und sein Animationsstudio nWave Pictures für Dutzendware, die sich eindeutig an den großen Titeln aus den USA orientiert, ohne aber an diese heranzukommen. Dabei sind die Szenarien oft noch irgendwie nett. Das bringt dann aber wenig, wenn wie bei seinem letzten Film Royal Corgi – Der Liebling der Queen über ein Schoßhündchen der Queen nur ideenlose 08/15-Ware mit einfältigen Witzen herauskommt.

Immerhin, nach dem besagten Tiefpunkt geht es mit Bigfoot Junior: Ein tierisch verrückter Familientrip wieder bergauf. Wie der Titel bereits verrät, handelt es sich hierbei um die Fortsetzung des 2017 veröffentlichten Bigfoot Junior Gemeinsam mit Jérémie Degruson, der auch schon beim letzten Mal der Co-Regisseur war, spinnt er die Geschichte um den Jungen fort, dessen Vater sich als Bigfoot entpuppt. Unbedingt gesehen haben muss man den Vorgänger dabei nicht, um hier folgen zu können. Zwar gibt es hier ein Wiedersehen mit diversen Figuren, darunter Adams Schwarm Emma und diverse Tiere, die nun bei Adams Familie eingezogen sind. Auch auf die Zeit im Wald wird angespielt. Ansonsten ist der zweite Teil aber inhaltlich unabhängig.

Beim Thema ganz aktuell

Tatsächlich markiert Bigfoot Junior: Ein tierisch verrückter Familientrip in der Hinsicht sogar einen Fortschritt im Vergleich zum ersten Abenteuer. Beim Einstieg gibt es ein paar nette Einfälle rund um die mediale Ausschlachtung des Bigfoots, wenn dessen Gesicht für die unsinnigsten Produkte missbraucht werden soll. Und natürlich ist das Thema Umweltschutz und Kampf gegen einen Ölkonzern, der sich nach außen hin grün gibt und in Wahrheit nur abgrasen will, sowohl sympathisch wie aktuell. Die jüngere Zielgruppe soll da entsprechend abgeholt und vorbereitet werden. Neben einem Bekenntnis zur Familie steht die Liebe zur Natur im Mittelpunkt, welche nicht nur durch die lustigen sprechenden Tiere, sondern auch die schönen Landschaftsaufnahmen repräsentiert werden. Hier weiß man zumindest, wofür da genau gekämpft werden soll.

Das geht teilweise hoch her, gerade zum Ende hin wird nach einem gemächlichen Start der Abenteuerteil stark erhöht. Insgesamt überwiegt dann aber doch der Humor – oder zumindest der Versuch eines solchen. So richtig mitreißend sind die oft slapsticklastigen Gags in Bigfoot Junior: Ein tierisch verrückter Familientrip dabei nicht. Der besagte Einstieg, der die Familie im alltäglichen Chaos zeigt, ist sogar ziemlich langweilig. Irgendwie schien man sich da wohl darauf verlassen zu haben, dass sprechende Tiere für sich genommen schon unterhaltsam genug sind. Vereinzelt gibt es da schon mal unterhaltsame Szenen. Die sind jedoch mehr in der zweiten Hälfte zu finden, wenn die Ereignisse zunehmend absurder werden und auch mit Klischees gespielt wird.

Schöne Wildnis Alaskas

Auch optisch ist die zweite Hälfte die stärkere. Die Gestaltung der Wildnis Alaskas kann sich sehen lassen, das wirkt deutlich lebendiger und detailfreudiger als der Auftakt. Die Designs der Figuren gehen Ordnung, die Darstellung von Fell ist geglückt. Die Animationen entsprechen dabei dem typischen CGI-Gummi-Prinzip, bei dem sich niemand mehr für die Schwerkraft interessiert. Insgesamt ist das daher in mehrfacher Hinsicht auf dem von Ben Stassen zu erwartenden soliden Niveau: Ein Film, den man sich durchaus anschauen kann, ohne es unbedingt zu müssen. Ob das genug ist in Zeiten, in denen auch durch Corona bedingt viele verschobene Animationsfilme zeitgleich auf den Markt geworfen werden, darüber kann man sich streiten. Für sich genommen ist Bigfoot Junior: Ein tierisch verrückter Familientrip aber schon gefällig.

Credits

OT: „Bigfoot Family“
Land: Belgien, Frankreich
Jahr: 2020
Regie: Ben Stassen, Jérémie Degruson
Drehbuch: Bob Barlen, Cal Brunker
Musik: Puggy
Animation: nWave Pictures

Bilder

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Bigfoot Junior: Ein tierisch verrückter Familientrip
In „Bigfoot Junior: Ein tierisch verrückter Familientrip“ kämpft die etwas andere Familie dieses Mal gegen einen mächtigen Ölkonzern, der die Natur Alaskas zerstören will. Das ist sympathisch und visuell solide umgesetzt, auch wenn die zweite Hälfte die bessere ist: Nach einem langsamen und humoristisch eher schwachen Start steigt dann die Unterhaltungskurve merklich.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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