Aftermath Netflix

Aftermath

Inhalt / Kritik

Aftermath Netflix
„Aftermath“ // Deutschland-Start: 4. August 2021 (Netflix)

Auch wenn sie bei vielem unterschiedlicher Meinung sind, eine Sache ist sowohl Natalie (Ashley Greene) wie Kevin (Shawn Ashmore) klar: Das Paar braucht einen Neustart. Zu viel ist zwischen ihnen vorgefallen, darunter eine Affäre Natalies, welches die Beziehung noch immer belastet. Da erfährt Kevin von einem echten Traumhaus, das wie gemacht ist für die beiden und ein neues Leben. Es ist sogar vergleichsweise günstig, da nach einem Mord mit anschließendem Selbstmord niemand mehr dort wohnen möchte. Natalie hat zwar ebenfalls Vorbehalte, was ein Leben darin angeht, lässt sich aber überzeugen – nicht zuletzt wegen ihres schlechten Gewissens. Doch es dauert nicht lang, bis sie diese Entscheidung bereut, denn immer wieder kommt es zu seltsamen Vorkommnissen, wenn Dinge plötzlich verschwinden und an anderen Stellen wieder auftauchen. Und dann wäre da noch das unheimliche Gefühl, von jemandem beobachtet zu werden …

Der Alptraum eines neuen Hauses

Die Geschichte von Aftermath ist prinzipiell eine, wie man sie schon oft in Filmen gehört hat: Eine Familie bezieht ein neues Zuhause, muss dabei jedoch feststellen, dass irgendwas darin nicht stimmt. Seit Jahrzehnten wird das Subgenre des Haunted House Horrors immer wieder bedient, zuletzt zum Beispiel in His House oder Malasaña 32 – Haus des Bösen. Es fängt dabei mit kleinen Details an, die sich irgendwann summieren und ein beklemmendes Gefühl bei den Betroffenen auslösen. Und ein Gefühl der Hilflosigkeit, da das alles meist zu wenig konkret ist, um wirklich etwas unternehmen zu wollen. Und wenn sie dann doch Hilfe bei Außenstehenden suchen, will ihnen niemand glauben. Wozu auch? Klingt ja alles auch ziemlich komisch und eher nach Einbildung als tatsächlicher Bedrohung.

Lange muss man bei Aftermath darauf warten, dass sich der Film einmal von diesen Konventionen löst. Sehr lange. Rund anderthalb Stunden heißt es hier, sich Szenen anzuschauen, wie man sie Dutzende Male schon in anderen Filmen gesehen hat. Oftmals sogar deutlich besser als hier. Wobei das eigentliche Problem eher ist, wie selten überhaupt mal etwas passiert. Dakota Gorman, die normalerweise als Schauspielerin unterwegs ist und hier das Drehbuch geschrieben hat, legt in ihrer Geschichte den Fokus sehr viel mehr auf das Paar und dessen Probleme. Tatsächlich darf man sich über weite Strecken fragen, ob der Film überhaupt ein Horrorthriller sein soll, so wie er oft angekündigt wurde, oder nicht vielmehr ein Beziehungsdrama.

Ein echtes Horrorpaar

Nun spricht nichts dagegen, einen Horrorfilm mit Drama zu verbinden und den Schrecken eines Hauses als Symbol für zwischenmenschliche Schwierigkeiten zu nutzen. Hereditary – Das Vermächtnis und Relic – Dunkles Vermächtnis sind zwei gute Beispiele der letzten Jahre, wie so etwas aussehen kann. Davon ist Aftermath aber weit entfernt. Der Film kann es weder im Hinblick auf die Figurenzeichnung noch die schauspielerische Leistung mit den beiden genannten Titeln aufnehmen. Dafür gibt es hier einen gesteigerten Nervfaktor. Die zwei sind nach kurzer Zeit bereits so unerträglich, dass man sich irgendein Monster, einen Geist oder ein anderes Wesen herbeisehnt, das dem Schrecken ein Ende bereitet. Und sei es mit Gewalt.

Wenn dann doch mal etwas „passiert“, dann beschränkt sich das Angebot darauf, dass Gegenstände nicht an ihrem richtigen Ort sind oder Natalie durch das dunkle Haus stolpert und meint irgendwen gehört zu haben. Spannend ist das nicht gerade. Natürlich müssen Horrorfilme nicht explizit sein. Haunted-House-Klassiker wie Bis das Blut gefriert lebten sogar davon, dass man nie etwas wirklich sah und sich fragen musste, was denn nun real ist und was nur der Eindruck eines alten Hauses. Bei Aftermath geht diese Zurückhaltung aber nicht auf. Stattdessen herrscht hier, wenn man gerade mal nicht von den Figuren genervt sein sollte, eine grausame Langeweile.

Für keine Wendung zu blöde

Erst zum Ende hin nimmt die Geschichte dann doch mal ein wenig Fahrt auf und liefert eine Erklärung für die zahlreichen (Nicht-)Beobachtungen. Besser wird Aftermath auf diese Weise aber nicht. Zwar haben sich Gorman und Regisseur Peter Winther, auf dessen Idee alles basiert, schon noch etwas ausgedacht, um zumindest in Ansätzen die Erwartungen zu unterwandern. Wenn das Ergebnis aber derart idiotisch ausfällt wie hier, ist damit auch niemandem geholfen. Da waren beispielsweise I See You oder Housebound, die in einer ähnlichen Weise das Haunted-House-Horror-Motiv abwandelten, deutlich gelungener. Lediglich wer seinen Thriller gern mit richtig viel Seifenoper angereichert mag, wird hier seinen Spaß haben. Der Rest sollte den Film besser ignorieren.

Credits

OT: „Aftermath“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Peter Winther
Drehbuch: Dakota Gorman
Musik: Sacha Chaban
Kamera: Tom Camarda
Besetzung: Ashley Greene, Shawn Ashmore, Sharif Atkins, Britt Baron, Diana Hopper, Jamie Kaler

Trailer

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In „Aftermath“ kauft sich ein kriselndes Paar ein neues Haus mit düsterer Vorgeschichte und muss bald feststellen, dass dort einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Der Film nutzt dabei bekannte Haunted-House-Motive, ersetzt jegliche Spannung aber durch die Streitigkeiten zweier unerträglicher Figuren. Erst spät nimmt die Geschichte mal Fahrt auf und wird dabei gleich richtig lächerlich.
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