Inhalt / Kritik

Malasana 32

„Malasaña 32 – Haus des Bösen“ // Deutschland-Start: 17. Juni 2021 (Kino) // 28. Oktober 2021 (DVD/Blu-ray)

Als Manolo Olmedo (Iván Marcos) mit seiner Frau Candela (Bea Segura), den Kindern Pepe (Sergio Castellanos), Ampara (Begoña Vargas) und Rafael (Iván Renedo) sowie Candelas pflegebedürftigem Vater (José Luis de Madariaga) 1976 in den Madrider Stadtteil Malasaña zieht, sind die Hoffnungen noch groß. Dort wollen sie ein neues Leben beginnen, alles hinter sich lassen. Teuer genug war es, die Wohnung hat schon einiges gekostet. Und doch werden sie die Entscheidung bald bereuen. Immer wieder machen sie eigenartige Erfahrungen, haben den Eindruck, dass da etwas nicht ganz richtig ist. Dass da etwas mit der Wohnung ist, das ihnen niemand verraten hat – bis es eines Tages zu einem Zwischenfall kommt …

Der Horror inmitten der Stadt

Kaum ein Teilbereich des Horrorgenres zeigt sich vergleichbar unverwüstlich wie der des Haunted Houses. Geschichten um verfluchte Häuser, in denen sich die ahnungslosen Protagonisten und Protagonistinnen großer übernatürlicher Gefahr aussetzen, gibt es schließlich nicht zu knapp. Von Bis das Blut gefriert über Amityville Horror bis zu Conjuring – Die Heimsuchung haben viele Beispiele ihr Publikum gefunden. Oft spielen diese Geschichten dann irgendwo auf dem Land in abgelegenen Häusern. Orte, die weit entfernt von anderen Menschen sind, sind schließlich prädestiniert dafür, dass sich langsam und unbemerkt die Schatten ausbreiten. Zumal die Häuser dann oft auch älteren Datums sind und damit genug Zeit mitbringen, um ein paar Gräueltaten geschehen zu lassen.

Aber es geht auch anders, wie der spanische Genrebeitrag Malasaña 32 – Haus des Bösen beweist. Hier befinden wir uns eben nicht irgendwo im Nirgendwo, sondern mitten in der geschäftigen Großstadt Madrid. Die Wohnung selbst befindet sich auch in einem Mehrfamilienhaus, was zumindest im Filmbereich die Wahrscheinlichkeit von Geistererscheinungen reduziert. Vorgeschichten gibt es aber auch hier, sowohl persönlicher wie gesellschaftlicher Natur. Wenn der Film im Jahr 1976 spielt, dann fällt das in die frühe Phase eines Demokratisierungsprozesses, der nach dem Tod des Diktators Franco einsetzte. Spanien befand sich in einem Wandel, der für viele Menschen auch neue Chancen bedeutete.

Die Gesellschaft irgendwo da draußen

Diese gesellschaftliche Situation liefert bei Malasaña 32 – Haus des Bösen jedoch nur einen Rahmen für die eigentliche Geschichte. Eine nennenswerte Verbindung zwischen der Übergangsphase und dem, was sich innerhalb der Wohnung abspielt, gibt es nicht. Der Film hätte daher mehr oder weniger zu jedem Zeitpunkt spielen können, ohne dass sich etwas geändert hätte. Das ist schon schade: Dass Horrorfilme Spiegel einer Zeit sein können, wurde schließlich oft genug bewiesen. His House verknüpfte letztes Jahr beispielsweise klassischen Schrecken mit aktueller Flüchtlingsthematik. Under the Shadow nutzte auf interessante Weise den Ersten Golfkrieg, um die Heimsuchung einer iranischen Familie zu beschreiben.

Regisseur Albert Pintó (Killing God – Liebe deinen Nächsten) und sein immerhin aus vier Leuten bestehendes Drehbuchteam lassen diese Chance ungenutzt, interessieren sich dafür stärker für die persönlichen Aspekte der Geschichte. Auch wenn die Figuren genretypisch eher weniger ausgearbeitet sind, entsteht innerhalb der Familie doch eine sehenswerte Dynamik. Und auch bei der Auflösung legt der Beitrag der Fantasy Filmfest Nights 2020 einen größeren Wert auf die menschliche Komponente, wenn die Geschichte einen tragischen Hintergrund hat. Ob die konkrete Idee gut ist, darüber kann man jedoch geteilter Meinung sein. Auch wenn die Absicht hinter Malasaña 32 – Haus des Bösen sicherlich eine gute war und die wenigsten die Wendung vorhersehen werden, das Ergebnis ist nicht ganz unproblematisch.

Gepflegte Gruselatmosphäre

Ansonsten ist der Film aber eher weniger für Kontroversen geeignet. Dafür ist er letztendlich zu konventionell. Pintó fragt ganz brav die Tricks des Haunted House Horrors ab, wenn er Lichter flacken lässt oder Gegenstände ein Eigenleben entwickeln. Auch um Jump Scares kommt er nicht ganz herum. Dafür ist Malasaña 32 – Haus des Bösen solide umgesetzt, weiß das stimmungsvolle Ambiente der düsteren Wohnung für sich zu nutzen. An manchen Stellen darf man sich sogar richtig von der Panik der Familie anstecken lassen, wenn ihr normales Leben urplötzlich in Stücke gerissen wird. Wer also ein Faible hat für diese Art Film und sich nach einer gepflegten Gruselatmosphäre sehnt, der kommt hier durchaus auf seine Kosten, selbst wenn die ganz große Begeisterung eher nicht aufkommt.

Credits

OT: „Malasaña 32“
Land: Spanien
Jahr: 2020
Regie: Albert Pintó
Drehbuch: Ramón Campos, Gema R. Neira, Salvador Serrano, David Orea
Musik: Frank Montasell, Lucas Peire
Kamera: Dani Sosa
Besetzung: Begoña Vargas, Iván Marcos, Bea Segura, Sergio Castellanos, Iván Renedo, Jose Luis de Madariaga, Javier Botet, Maria Ballesteros

Bilder

Trailer

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Malasaña 32 – Haus des Bösen
In „Malasaña 32 – Haus des Bösen“ zieht eine Familie in eine Wohnung in Madrid, nur um dann festzustellen, dass mit dieser etwas nicht stimmt. Der spanische Film punktet mit einem atmosphärischen Setting und einer guten Dynamik innerhalb der Familie, selbst wenn er dem Haunted House Horror keine wirklich neuen Facetten hinzufügt.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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