(„Housebound“ directed by Gerard Johnstone, 2014)

Housebound

„Housebound“ ist seit 24. März auf DVD und Blu-ray erhältlich

Da hat Kylie Bucknell (Morgana O’Reilly) gleich doppelt Pech gehabt: Nicht nur, dass ihr geplanter Überfall auf einen Bankautomaten daneben ging, sie wird auch noch dazu verdonnert, ihre Strafe als Hausarrest bei ihrer Mutter Miriam (Rima Te Wiata) abzusitzen. Fliehen ist nicht, denn dank einer elektronischen Fußfessel wäre ihr gleich die Polizei auf den Fersen. Dabei wäre das vielleicht gar nicht mal so schlimm, besser auf jeden Fall als sich weiterhin das abergläubische Geschwätz ihrer Mutter anhören zu müssen. Aber mit der Zeit kommen Kylie Zweifel, ob da nicht doch etwas dran ist an dem Geist, der in dem Haus spuken soll. Denn auch sie macht immer mehr Erfahrungen, die sich nicht so recht erklären lassen.

District 9, Beasts of the Southern Wild, Blancanieves – man mag vom Fantasy Filmfest halten, was man will, es für die vielen fragwürdigen Tragwerke milde belächeln. Aber die Gewinner des „Fresh Blood Awards“ für das beste Debütwerk, die sind auch außerhalb der blutbefleckten Kinosäle ein Fest für Filmfans. Das gilt auch für Housebound, mit dem der neuseeländische Regisseur und Drehbuchautor Gerard Johnstone seinen Einstand feierte und sich unter anderem gegen Der Babadook, The House at the End of Time, Die Höhle und It Follows durchsetzen konnte. Und das durchaus verdient.

Schon die Ausgangslage ist eine wohltuend originelle Variation des bekannten Haunted-House-Schemas. Viele Vertreter dieses Subgenres kranken daran, dass nie so recht schlüssig wird, warum die Protagonisten das von Spukerscheinungen heimgesuchte Haus nicht einfach verlassen, sondern sich brav weiter dem Horror aussetzen. Johnstone hat dafür eine ebenso einfache wie elegante Lösung: Miriam will es nicht, weil sie sich insgeheim an den Erscheinungen erfreut, Kylie kann es nicht, weil die richterliche Auflage es ihr verbietet. Und wer Polizisten schon einmal davon zu überzeugen versucht hat, dass da ein Geist im eigenen Heim sein Unwesen treibt, versteht, warum eine Änderung der Auflage nicht wirklich eine Option ist.

Und auch im weiteren Verlauf macht Housebound zwar nicht alles anders, findet aber regelmäßig einen eigenen Dreh, sodass selbst Genreveteranen etwas Neues zu sehen bekommen. Ob es nun der düstere Nachbar ist, die seltsamen Geräusche in der Wand, der aufrechte Sicherheitsmann, der zu Hilfe gerufen wird, alles hier entwickelt sich auf eine unvorhergesehene Art und Weise weiter. Selbst das Finale, ein häufiger Knackpunkt bei Horrorfilmen, fällt hier nicht ab, bietet eine überraschende Erklärung, ohne die vorherigen Geschehnisse zu verraten. Anspruchsvoll ist das natürlich nicht, dafür aber sehr unterhaltsam.

Denn auch das zeichnet Housebound aus: Wie vieler seiner Landsmänner, hat sich Johnstone einer Mischung aus Horror und Komödie verschrieben. Gelungene Beispiele hat es dafür in den letzten Jahren ja einige gegeben, diverse davon liefen ebenfalls auf dem Fantasy Filmfest (5 Zimmer Küche Sarg, Game of Werewolves, Grabbers). Doch hatten sie alle mit dem Problem zu kämpfen, auf der Suche nach Lachern den Gruselfaktor aus den Augen verloren zu haben. Housebound ist jedoch einer der wenigen Fälle, in denen das Zwerchfell und die Gänsehaut gleichermaßen in Anspruch genommen werden. Dass die beiden ungleichen Hauptfiguren von den bislang unbekannten Schauspielerinnen Morgana O’Reilly und Rima Te Wiata auch noch wunderbar verkörpert werden, rundet das Vergnügen ab und lässt darauf hoffen, von ihnen wie auch von Johnstone in Zukunft mehr sehen zu dürfen.



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Housebound
3.95 (79.05%) 21 Artikel bewerten

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„Housebound“ erfindet das Haunted-House-Schema zwar nicht neu, variiert es aber so originell, dass selbst Horrorveteranen hier ihre Überraschungen erleben werden. Zudem gelingt dem wunderbar gespielten Publikumliebling vom Fantasy Filmfest das seltene Kunststück, im gleichen Maße gruslig wie auch komisch zu sein.
8von 10

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3 Responses

  1. Jan

    Wie der Zufall es so will, habe ich den Film gestern erst gesehen und mich (zu einer zugegebenermaßen späten Uhrzeit) köstlich unterhalten. Der Einsatz von Genre-typischer Musik mit gesetzten Jump-Scares werden wunderbar aufs Korn genommen, etwa der Auffahrunfall in der Einfahrt des Hauses.
    Das Ende mit seinen vielen Parteien, die alle einen anderen Wissensstand haben, funktioniert auch deswegen so gut, weil die Entwicklung des Plots unerwartet plausibel verläuft und man so trotz aller Komik eine Ernsthaftigkeit der Figuren beibehält.
    Absolute Zustimmung und klare Sehempfehlung.

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