Inhalt / Kritik

Swimming Pool

„Swimming Pool“ // Deutschland-Start: 14. August 2003 (Kino) // 14. März 2019 (DVD/Blu-ray)

Es wird Zeit für einen neuen Roman, dessen ist sich die Krimiautorin Sarah Morton (Charlotte Rampling) durchaus bewusst. Es hapert jedoch an einer zündenden Idee. Um sie auf andere Gedanken zu bringen, lädt sie ihr Verleger John Bosload (Charles Dance) deshalb dazu ein, den Sommer in seinem Haus im Süden Frankreichs zu verbringen. Sarah lässt sich darauf ein, in der Hoffnung, dass sie in der sonnigen Abgeschiedenheit die nötige Inspiration finden wird. Tatsächlich genießt sie ihre Zeit dort, genießt die Ruhe in der großen Villa fernab vom Trubel. Bis Julie (Ludivine Sagnier) auftaucht, die sich als Tochter von Bosload vorstellt. Mit der Ruhe ist es daraufhin vorbei, schließlich genießt die junge Frau das Leben in vollen Zügen – und damit auch zahlreiche Männer, die plötzlich ein und ausgehen. Irritiert von diesen lautstarken Begegnungen versucht Sarah, die unerwartete Mitbewohnerin zu ignorieren – bis sie zunehmend von dieser fasziniert ist …

Die vage Gier nach dem Leben

Am Anfang seiner Karriere war François Ozon sowohl für leise Dramen (Unter dem Sand) wie auch schillernde Grotesken (Tropfen auf heiße Steine, 8 Frauen) bekannt, zeigte also schon früh eine beachtliche Bandbreite. Die wurde noch ein bisschen größer durch Swimming Pool, mit dem sich der französische Regisseur und Autor an einen Thriller heranwagte, der gerne mal mit denen von Alfred Hitchcock verglichen wurde. So ganz passt dieser Vergleich aber nicht. Denn während bei dem britischen Meister der Spannung meist eine klare Gegenseite gezeigt wurde, eine konkrete Form der Bedrohung, da belässt es Ozon gleich in mehrfacher Hinsicht beim Vagen.

Tatsächlich fehlt über weite Strecken das Gefühl einer Gefahr, welches einen Thriller normalerweise auszeichnet. Julie mag nervig sein, eine Irritation für die ältere Autorin, die nichts mit der jungen Frau anzufangen weiß und sich von ihr bei der Arbeit gestört fühlt. Mehr als das ist sie zunächst jedoch nicht. Interessant ist Swimming Pool vielmehr, weil die Ankunft von Julie gleichzeitig den Blick von Sarah weitet. Für die Autorin eröffnen sich ganz neue Wege und Perspektiven. Der lebenshungrige Wildfang stellt sich als eine Inspiration heraus, welche die ältere Frau nach anfänglichem Zögern gierig aufsaugt. Mehr noch, sie geht dieser gezielt nach, nutzt das Leben der anderen für sich selbst, wobei offen bleibt, ob sie dies nur aus persönlichem oder beruflichen Interesse tut.

Kunst oder Realität?

Auch an anderen Stellen ist nicht ganz auseinanderzuhalten, wo die Arbeit an dem neuen Roman anfängt und aufhört, zu sehr vermischt sich alles. Swimming Pool ist deshalb auch ein Film über den kreativen Prozess. Der Film stellt in Frage, wie sehr Kunstwerke eigenständig sind, wie sehr sie das Abbild einer Welt sind, innerhalb derer sie entstanden sind. In der Hinsicht sorgte gerade das ambivalente Ende für Kontroversen. Ozon lässt in seinem Thriller offen, ob Sarahs Blick auf das Geschehen tatsächlich unvoreingenommen wiedergibt, was sich in der Villa abspielt, oder ob es bereits der Blick der Künstlerin ist, der verwandelt, der formt und kreiert. Ist es überhaupt möglich, als künstlerisch arbeitender Mensch unbeteiligt zu bleiben?

Das klingt etwas verkopft, wird bei Swimming Pool aber mit sehr viel Körperlichkeit verbunden. Tatsächlich ist der Thriller, welcher bei den Filmfestspielen von Cannes 2003 im Rennen um die Goldene Palme war, einer der sinnlichsten Filme Ozons. Man spürt hier die Sonne, spürt das einladende Plätschern des titelgebenden Swimming Pools, der immer wieder Mittelpunkt des Geschehens ist. Und natürlich spürt man die Blicke, die umherschwirren, vorsichtig abschätzend und doch zu gierig, um sich abzuwenden. Beobachten und beobachtet werden, das geht dabei ineinander über. Da geht es um Sex, oft zumindest, aber auch die allgemeine Lust am Leben. Um Selbstbehauptung und das Finden einer Position.

Fiebrige Atmosphäre bis zum offenen Ende

Wer Swimming Pool allein der Geschichte wegen schaut, verpasst deshalb einen Großteil. Natürlich darf man hier gespannt sein und sich fragen, was es mit den widersprüchlichen Aussagen von Julie auf sich hat. Später bleibt es auch nicht allein bei den voyeuristischen Belustigungen, da geschieht schon noch mehr, um die Bezeichnung Thriller zu verdienen. Aber es steht doch mehr die fiebrige Atmosphäre im Vordergrund. Die Spannung, welche sich zwischen den beiden Frauen aufbaut und zwischen Anziehung und Abstoßung wechselt und bei der lange offen bleibt, worauf es hinauslaufen wird. Sofern man sich darauf einlassen kann, dass François Ozon es nicht so sehr mit der Notwendigkeit von Antworten hat, der findet hier einen der stärksten Beiträge innerhalb der Filmografie des zuweilen eigenwilligen Franzosen mit der Faszination für schillernde Oberflächen.

Credits

OT: „Swimming Pool“
Land: Frankreich, UK
Jahr: 2003
Regie: François Ozon
Drehbuch: François Ozon, Emmanuèle Bernheim
Musik: Philippe Rombi
Kamera: Yorick Le Saux
Besetzung: Charlotte Rampling, Ludivine Sagnier, Charles Dance, Marc Fayolle, Jean-Marie Lamour

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Cannes 2003 Goldene Palme Nominierung
César 2004 Beste Hauptdarstellerin Charlotte Rampling Nominierung
Beste Nebendarstellerin Ludivine Sagnier Nominierung
Europäischer Filmpreis 2003 Bester Film Nominierung
Beste Darstellerin Charlotte Rampling Sieg

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Swimming Pool
In „Swimming Pool“ reist eine Autorin nach Südfrankreich, um dort in Ruhe an einem neuen Roman arbeiten zu können, muss sich die Villa aber mit einer lebenshungrigen jüngeren Frau teilen. Der Film spielt mit den Spannungen der beiden, ist ein sehr sinnlicher Thriller, der gleichzeitig sehr im Vagen bleibt und in den Wirren eines kreativen Schaffungsprozesses herumschwimmt.
8von 10
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4.9

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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