Heimat Natur
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Heimat Natur

Inhalt / Kritik

Heimat Natur
„Heimat Natur“ // Deutschland-Start: 15. Juli 2021 (Kino) // 25. Februar 2022 (DVD/Blu-ray)

Als 2020 als Reaktion auf die Corona-Pandemie Reisen ins Ausland deutlich erschwert wurden, entdeckten viele Deutsche ihre Heimat wieder. Das Motto: besser als nichts. Tatsächlich hat unser Land jede Menge zu bieten, zumindest für Leute, welche die Natur zu schätzen wissen. Man muss nur wissen, wo man diese findet und worauf man zu achten hat. Jan Haft weiß so etwas natürlich. Schon früh entdeckte dieser seine Liebe zur Natur. Heute zählt er zu den profiliertesten und bekanntesten Naturfilmern Deutschlands. Mehr als 70 Titel hat er allein für das öffentlich-rechtliche Fernsehen produziert. Hinzu kommen Dokumentationen wie Magie der Moore und Die Wiese – Ein Paradies nebenan, welche sogar in unseren Kinos liefen.

Die Schönheit von nebenan

Wer diese zwei Werke kennt, der weiß schon ziemlich genau, was ihn bei Heimat Natur erwartet. Der Rest darf anhand des Titels bereits eine gewisse Ahnung haben: Jan Hafts Anliegen ist es immer, die Schönheit der heimischen Natur aufzuzeigen. Anstatt um die Welt zu fliegen und an entlegenen Orten exotische Tiere zu bewundern, plädiert er, lieber etwas das anzuschauen, was vor unserer eigenen Haustür zu finden ist. Und das ist einiges: Die gezeigten Tiere reichen von speziellen Wespen bis zu Wölfen, von Feldhamstern bis zu Quallen, von Wachteln bis zu Fischottern. Bäume und andere Pflanzen gibt es natürlich auch zu sehen, selbst wenn die Gewichtung eindeutig zugunsten der Tiere ausfällt. Die lassen sich auch leichter dem Publikum verkaufen.

Dabei sind es weniger die einzelnen Tierarten, um die sich der Film dreht, auch wenn Haft einige exemplarisch herausgreift und genauer vorstellt. Wichtiger ist ihm das Wechselspiel innerhalb der Natur – ein Wechselspiel, in das der Mensch immer wieder eingreift, mal bewusst, mal unbewusst. Dabei ist das vielbeschworene Ökosystem so komplex, dass sich viele Auswirkungen kaum vorhersagen lassen. Man kann höchstens die Veränderungen der Vergangenheit zur Kenntnis nehmen und daraus etwas lernen. Beispielsweise bedeutete das Verschwinden großer Landtiere, dass auch viele kleinere Tiere betroffen waren, die als Nutznießer den Riesen folgten. Ein anderes Beispiel ist, wie sich das Meerwasser erwärmt und nährstoffreicher wird, was Quallen zugutekommt, Unterwasserpflanzen dafür schadet.

Eine schwierige Balance

Der sich daraus ableitende Schluss ist daher wenig überraschend: Menschen, lasst die Natur in Ruhe! Ein unbeteiligter Beobachter ist Jan Haft sicherlich nicht. Vielmehr sammelt er mit Heimat Natur Argumente dafür, dass ein Leben im Einklang mit der Natur für alle Seiten das Beste ist – selbst wenn die Wirtschaft etwas anderes behauptet. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Film nur das Schöne zeigt und sich auf Idyllen versteift. Tatsächlich gibt er uns auch einige Beispiele in die Grausamkeit von Mutter Natur. So lernen wir eine Pflanze kennen, welche ganz langsam Insekten bei lebendigem Leib zersetzt. Außer es kommen noch darauf angepasste Ameisen vorbei und schnappen ihnen die Beute direkt vor der nicht vorhandenen Nase weg. Und wenn sich einzelne Arten zu sehr vermehren, wie etwa der Borkenkäfer, dann führt das sogar zu einer Katastrophe.

Interessante Einzelfälle gibt es in Heimat Natur auf diese Weise jede Menge. Allerdings fehlt dem Film so etwas wie eine inhaltliche Klammer. Anders als die oben genannten Werke von Haft will dieses hier den großen Rundumschlag. Da gibt es Wiesen und Moore, Küsten und Berge. Das ist gleichzeitig ein bisschen viel und zu wenig. Eine Art Best-of-Veranstaltung, in der einfach alles irgendwie zusammengeworfen wurde, was er unterwegs gefunden aufgesammelt hat. Ein gewisses Gefühl der Beliebigkeit bleibt dabei nicht aus. Dennoch: Die mal schönen, mal faszinierenden Aufnahmen prinzipiell ganz alltäglicher Gegend machen einiges her. Zusammen mit den von Benno Fürmann vorgetragenen Texten wird daraus eine spannende Begegnung mit unserer näheren Umwelt, die wir gar nicht so gut kennen, wie wir meinen. Das ist nicht nur als notdürftige Alternative zur Fernreise jede Entdeckung wert.

Credits

OT: „Heimat Natur“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Jan Haft
Drehbuch: Jan Haft
Kamera: Kay Ziesenhenne, Jan Haft, Jonas Blaha, Jonathan Wirth, Alexandra Sailer, Steffen Sailer, Tobias Friedrich
Sprecher: Benno Fürmann

Bilder

Trailer

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„Heimat Natur“ stellt uns die unterschiedlichsten Naturlandschaften Deutschlands vor, dazu exemplarisch ausgesuchte Tiere, welche diese bewohnen. Aufgrund der fehlenden Klammer ist das zwar beliebig. Sehenswert sind diese abwechslungsreichen Aufnahmen aber durchaus, zudem ein Plädoyer dafür, wieder mehr in Harmonie mit der Natur zu leben.