Inhalt / Kritik

Die Adern der Welt

Die Adern der Welt“ // Deutschland-Start: 29. Juli 2021 (Kino)

Mitten in der mongolischen Steppe lebt der Junge Amra (Bat-Ireedui Batmunkh) mit seiner Familie. Während an seiner Schule helle Aufregung herrscht, weil dort Flyer verteilt werden für die Talentshow „Mongolia‘s Got Talent“, an welcher Amra unbedingt mit einem Lied, das ihm sein Vater Erdene (Yalalt Namsrai) beigebracht hat, teilnehmen will, hat dieser ganz andere Sorgen. Erdenes Familie ist nämlich eine der letzten, die noch in der Steppe hausen und mit ihrem dürftigen Einkommen als Schafhirten kaum genug zu essen haben. Hinzu kommt, dass eine internationale Minengesellschaft immer weiter ins Land vordringt und schon viele Bauern und Nachbarn Erdenes von ihrem Land vertrieben hat, wobei Erdene bislang die Abfindung, die ihm der Konzern bereit ist zu zahlen, nicht akzeptiert hat. Zaya (Enerel Tumen) versucht ihren Mann umzustimmen, betont sie doch immer wieder, das es besser sein, zumindest etwas Geld zu bekommen, als am Ende mit nichts dazustehen.

Nach einem schrecklichen Unfall nach dem ersten Auftritt Amras vor der Auswahljury, findet sich der Junge auf einmal im Zentrum des Konfliktes seiner Eltern mit dem Konzern wieder, der nun nicht nur den Besitz seiner Familie, sondern sein Leben, wie er es kennt, bedroht. Zusammen mit seinem Freund versucht er den Vormarsch der Maschinen und der Minenarbeiter zu stoppen, ahnt aber nicht, welch gefährliche Konsequenzen dies haben kann.

Die Geschichte über die Goldene Erde

Eigentlich wollte Regisseurin Byambasuren Davaa an einem anderen Stoff für ihren vierten Film arbeiten, doch ein Besuch ihrer mongolischen Heimat überzeugte sie davon, dass sie ein anderes Thema würde behandeln müssen. In der Mongolei, wie auch in anderen Ländern, zeigen sich mehr und mehr die schädigenden Eingriffe des Raubbaus in die Kultur und die Natur eines Landes, wenn wichtige Wasserquellen versiegen und die Nomaden, wie die im Film, immer weiter verdrängt werden. Die Adern der Welt erzählt eine Geschichte inmitten dieses sehr aktuellen Kontextes, eine über die Verbundenheit der Welt und die Zersetzung dieser Einheit durch Gier und Egoismus.

Zentral für die Geschichte ist jenes Lied, mit dem Amra bei dem Talentwettbewerb auftreten will und welches auf einer alten mongolischen Sage basiert. Die Vorstellung von einer „Goldenen Erde“, von einer Zeit, in welcher Länder, Völker und Kulturen miteinander verbunden waren, fungiert als eine Art paradiesischer Gegenentwurf zu der heutigen, die immer mehr von Profitdenken gelenkt ist. Dieser große Zusammenhang findet sich auch in der kleinsten Einheit, der Familie, wieder, wenn es darum geht, zwischen dem wirtschaftlichen Überleben der Familie und dem Wohl einer ganzen Gemeinde zu entscheiden. Speziell die Szenen zwischen Yalalt Namsrai Erdene und Enerel Tumens Zaya betonen, wie tief diese Kluft geht, die weit mehr zerfurcht hat als das Land, in dem sie leben und nun auch noch ihre Einheit als Familie und als Paar zu zerstören droht.

Auch innerhalb der Gemeinschaft der Nomaden finden sich eben jene, die der Macht der Konzerne gewichen sind, die aufgegeben haben oder gar mit diesen kollaborieren und eben jene Adern der Welt im Dienste dieser ausbeuten. Immer wieder zeigt die Kamera Talal Khourys die Zerstörung dieses Landes, betont den Kontrast zwischen der natürlichen Schönheit und dem Raub an jenem Land, jenen Adern, die einst die Verbindung zwischen Erde und Menschen waren, wenn man dem Wortlaut des Liedes folgt.

Zucker in der Maschine

Über weite Strecken folgt die Geschichte dem von Bat-Ireedui Batmunkh gespielten Amra, der sich schon alsbald mit einer Verantwortung konfrontiert sieht, die ihn zu überfordern droht. Sein Erfindungsgeist hilft ihm bei einem Kampf gegen einen übermächtigen Gegner, gegen Maschinen, die immer weiter in sein Leben eindringen und denen er mit der einzigen Waffe beikommt, die ihm zur Verfügung steht, nämlich dem Zucker, was wiederum eine unverhoffte Kettenreaktion auslöst. Beeindruckend spielt der junge Schauspieler einen Jungen, der versucht mit einer neuen Rolle klarzukommen und das Richtige zu tun.

Credits

OT: „Die Adern der Welt“
Land: Deutschland, Mongolei
Jahr: 2020
Regie: Byambasuren Davas
Drehbuch: Byambasuren Davas
Musik: John Gürtler, Jan Miserre
Kamera: Talal Khoury
Besetzung: Bat-Ireedui Batmunkh, Enerel Tumen, Yalalt Namsrai, Algirchamin Baatsuren

Bilder

Trailer

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Die Adern der Welt
„Die Adern der Welt“ ist ein Drama im Kontext des um sich greifenden Raubbaus in Ländern wie der Mongolei. Byambasuren Davaa zeigt das Drama einer Familie als jenes einer ganzen Kultur, die sich gegen die Auslöschung im Namen von Gier und Egoismus zu Wehr setzen will.
7von 10

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