Inhalt / Kritik

Sommersby

„Sommersby“ // Deutschland-Start: 25. Juli 2002 (DVD)

Nach sechs Jahren kehrt der Plantagenbesitzer John Sommersby (Richard Gere) aus dem Sezessionskrieg zurück auf sein Anwesen, wo seine Untergebenen ihn zwar freudig empfangen, die Freude bei seiner Frau Laurel (Jodie Foster), die damit gerechnet hatte, dass ihr Mann im Krieg gefallen sei, jedoch eher verhalten ausfällt. In dessen Abwesenheit hatte sie eine Beziehung mit dem Bauern Orin Meacham (Bill Pullman) angefangen und beide waren schon dabei, ihr gemeinsames Leben zu planen. Nach einem eher kühlen Empfang bemerkt Laurel, dass sich ihr Mann verändert hat, dass er nun liebevoller und zärtlicher ist als vorher, was Orin eifersüchtig macht, der fühlt, dass ihm Laurel versprochen war. Auch die Beziehung zu seinem verschlossenen Sohn verändert sich, da sich John mit großer Hingabe um ihn kümmert, ihm vorliest und ihn mitnimmt, wenn er kleinen Besorgungen in der nahen Stadt machen muss.

Die größte Veränderung jedoch findet statt, als John bekannt gibt, von nun an nicht mehr Baumwolle anpflanzen zu wollen, sondern den in seinen Augen wesentlich lukrativeren Tabak. Da in seiner Abwesenheit jedoch die Finanzen der Familie Sommersby aufgebraucht wurde und das Haus von gegnerischen Soldaten geplündert wurde, geht John einen radikalen Schritt: Wenn sie ihm ihre letzten Habseligkeiten überlassen, kauft er dafür das nötige Saatgut. Mit der Zeit, falls sich das Geschäft mit Tabak als erfolgreich erweist, können seine Bediensteten wie auch die Sklaven ihm das Land abkaufen und somit selbst zu Eigentümern werden. Zwar gelingt es John und Laurel die Familien von ihrem Plan zu überzeugen, doch neben Orin gesellen sich auch noch andere kritische Stimmen hinzu, vor allem wegen der Idee, Schwarzen Rechte zu geben oder sie gar zu Landbesitzern machen zu wollen.

Die Geschichte eines Kriegsheimkehrers

Bereits 1982 wurde die Geschichte, welche auf der Biografie des Kriegsheimkehrers Martin Guerre basiert, mit Gerard Depardieu unter dem Titel Die Wiederkehr des Martin Guerre umgesetzt. Für die Neuverfilmung konnte Regisseur Jon Amiel verpflichtet werden, der mit Sommersby einen der wohl erfolgreichsten Filme seiner Karriere hinlegte. Das Drama erzählt von Wiederkehr und Identität, doch auch über die nachhaltige Veränderung einer Nation als Folge eines langen und schmerzvollen Krieges.

Jeden Abend liest John Sommersby seinem Sohn aus der Odyssee von Homer vor, wobei es ihm besonders die Geschichte der Heimkehr des Helden Odysseus geht, der sich als Bettler verkleidet nach Ithaka schleicht, nur um seine einstige Heimat in einem Zustand des Chaos vorzufinden. Während die Parallelen zur Geschichte der Figuren in Sommersby mehr als offensichtlich sind, zeigen solche Aspekte des Film auch, inwiefern sich Amiels Inszenierung als eine Geschichte über ein Land im Aufbruch versteht. Eindrucksvoll und mit teils dramatischen Bildern wird beispielsweise die Heimkehr des John Sommersby gezeigt, der durch ein Land streift, welches in einem Zustand der Zerstörung, der Unsicherheit und des Elends begriffen ist, was sich bei der ersten Besichtigung seines Besitzes bestätigt. Der emotionalen Veränderung, der Bestätigung seiner Ehe mit Laurel, das zweite Kind wie auch die Umorientierung hin zum Tabak oder die Behandlung der schwarzen Sklaven deuten auf einen Neuanfang hin, auf eine Hoffnung, die sich gerade in der hellen ersten Hälfte des Filmes andeutet.

Die wahre Identität des John Sommersby

Jedoch ergeben sich bereits nach kurzer Zeit erste Zweifel an diesem Wandel. Die Unsicherheit über die wahre Identität des John Sommersby verhandelt zugleich die Aufrichtigkeit dieses Sinneswandels. Neid und Missgunst sowie der omnipräsente Rassismus bedrohen das Vorhaben des veränderten John Sommersby wie auch die Schädlinge, welche die empfindlichen Tabakpflanzen befallen. Niemand anderes als Richard Gere symbolisiert (und spielt) dieses Dilemma um Hoffnung und Läuterung besser, wenn er Menschen zeigt, welcher nach dem Krieg einen Neustart, für sich, für seine Ehe und seine Mitmenschen versucht, doch diesen schon nach wenigen Wochen in Gefahr sieht.

Dieser Kampf um Hoffnung und Identität macht Amiels Film nicht nur spannend, sondern überzeugt auch visuell, wenn beispielsweise Philippe Rousselots Kamera über die sich verändernden Plantage streift und dazu die Musik Danny Elfmans das Wachstum der Pflanzen wie auch die Veränderung der Menschen unterstreicht. Einzig und allein die Auflösung dieses Konflikts, welche an dieser Stelle aber nicht verraten werden soll, wird wohl beim ein oder anderen Zuschauer für Erstaunen sorgen, was nicht unbedingt positiv sein muss.

Credits

OT: „Sommersby“
Land: USA
Jahr: 1993
Regie: Jon Amiel
Drehbuch: Nicholas Meyer, Anthony Shaffer
Musik: Danny Elfman
Kamera: Philippe Rousselot
Besetzung: Richard Gere, Jodie Foster, Bill Pullman, James Earl Jones, Lanny Flaherty, Wiliam Windom, Frankie Faison, R. Lee Ermey

Trailer

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Sommersby
„Sommersby“ ist ein packend inszeniertes und überzeugend gespieltes Drama um Identität und Neuanfang. Auch wenn man über die Qualität der Auflösung streiten mag, spricht doch neben der darstellerischen Leistung der Schauspieler vieles für Jon Amiels Film, der eine interessante Parabel erzählt auf die Chance auf einen Neubeginn nach einem Krieg erzählt.
8von 10

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