Inhalt / Kritik

Freaky

„Freaky“ // Deutschland-Start: 24. Juni 2021 (Kino)

Sonderlich aufregend ist das Leben der 17-jährigen Millie Kessler (Kathryn Newton) ja nicht. Seit dem Tod ihres Vaters hat sie sich immer mehr zurückgezogen. Selbst den Homecoming-Ball will sie sausen lassen, um den Abend mit ihrer alkoholkranken Mutter (Katie Finneran) zu verbringen. Doch all das ändert sich, als sie eine einschneidende Erfahrung macht: Sie wird Opfer des berüchtigten Serienmörders „Blissfield Butcher“ (Vince Vaughn). Anstatt das Zeitliche zu segnen, wie es sowohl sie selbst als auch ihr Angreifer erwartet haben, tauscht sie auf magische Weise den Körper mit dem Mörder. Während Letzterer Gefallen an seinem neuen Auftreten hat, kann er sich nun doch sehr viel leichter an seine Opfer heranschleichen, hat Millie ein ziemliches Problem: Sie wird für die Verbrechen des Vorbesitzers verantwortlich gemacht. Wie soll sie die anderen nur von diesem Irrtum überzeugen, wenn nicht einmal ihre besten Freunde Nyla (Celeste O’Connor) und Joshua (Misha Osherovich) sie wiedererkennen?

Das Leben in einem anderen Körper

Die Filmgeschichte ist voller Beispiele, in denen Menschen auf einmal in einem fremden oder stark veränderten Körper zu sich kommen. In vielen Fällen wird dies zu humoristischen Zwecken betrieben, siehe etwa Solo für 2 über eine Frau, die auf diese Weise ewig leben will, oder natürlich der Überraschungshit Jumanji: Willkommen im Dschungel, in dem ein Videospiel eine Gruppe von Leuten in Charaktere verwandelt, die ein gefährliches Abenteuer zu überstehen haben. Aber auch düstere Werke sind möglich. Eine der interessantesten Varianten war zuletzt Every Time I Die, in dem ein Mensch nach seiner Ermordung in einen anderen Körper wechselt und auf diese Weise seinen Mörder konfrontiert.

In Freaky wird nun eine Mischung aus beidem versucht, wenn Horror mit Humor kombiniert wird. Für ein solches Vorhaben ist Christopher Landon natürlich eine naheliegende Wahl. Mit Scouts vs. Zombies – Handbuch zur Zombie-Apokalypse und Happy Deathday bewies der US-amerikanische Filmemacher schon mehrfach, dass er einem solchen Mix nicht abgeneigt ist. Entsprechend routiniert ist sein neuestes Werk geworden. Denn nur weil hier in regelmäßigen Abständen jemand stirbt, heißt das nicht, dass man deswegen seine gute Laune verlieren muss. Und so reichert er das blutige Treiben mit jeder Menge absurder Situationen an, die manchmal auch recht peinlich sein können. Für die Betroffenen ist das eher unangenehm, als nicht direkt betroffenes Publikum darf man hierbei jedoch seinen Spaß haben.

Aus Spaß am Kontrast

Der geht maßgeblich auf das Konto des Duos. Körpertausch-Szenarien leben maßgeblich davon, dass die entsprechenden Schauspieler und Schauspielerinnen variantenreich genug auftreten können. Schließlich müssen sie gewissermaßen eine Doppelrolle übernehmen. Und das können die beiden in Freaky. Wenn Vince Vaughn (Dragged Across Concrete) seine weibliche Seite entdeckt, mag das kein besonders feinsinniger Humor sein. Unterhaltsam ist es aber schon. Und das gilt auch für Kathryn Newton (Sechzehn Stunden Ewigkeit), die mit Bravour vom schüchternen Girlie zum brutalen Killer wechselt. Es sind dann auch die starken Kontraste, welche den Reiz des Films ausmachen. Je unterschiedlicher die Figuren sind, charakterlich wie optisch, umso größer das Vergnügen eines solchen Wechsels.

Leider verlässt sich Landon jedoch etwas zu sehr auf dieses Prinzip. Wenn ein knapp zwei Meter großer Killer und ein zierliches Schulmädchen mit dem Körper des jeweils anderen klarkommen müssen, dann schreiben sich die Witze quasi von selbst. Viel mehr als das hat Freaky an der Humorfront aber auch nicht zu bieten. Wie schon bei Happy Deathday nimmt der Regisseur und Co-Autor eine gute, wenngleich nicht sehr neue Idee und begnügt sich damit, diese dann geringfügig zu variieren. In Folge geschieht in dem Film kaum etwas, das man nicht schon anhand des Szenarios erwartet. Die Horrorkomödie ist kaum überraschend. Auch bei der Spannung ist nicht viel zu hohlen, dafür ist das hier zu überdreht.

Ein Film im Blutrausch

Kreativ sind dafür diverse Todesarten, die der Killer seinen Opfern beschert – gleich in welchem Körper er gerade steckt. Klar, auch traditionelle Waffen wie ein Messer dürfen nicht fehlen. Unterhaltsamer ist aber, wenn er sich einfach das schnappt, was er gerade so vorfindet, und das dann etwas zweckentfremdet. An diesen Stellen darf man schon etwas verblüfft sein, vielleicht auch schockiert. Schließlich wird Freaky hier ziemlich brutal und verlangt dem Publikum eine gewisse Abgebrühtheit ab. Wer diese mitbringt und mal wieder Lust auf einen Fun Slasher hat, der kommt hier auf seine Kosten. Trotzdem ist es ein bisschen schade, dass bei dem originellen Szenario und dem talentierten Ensemble nicht mehr drin war als diese doch eher konventionelle Horrorkomödie.

Credits

OT: „Freaky“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Christopher B. Landon
Drehbuch: Christopher B. Landon, Michael Kennedy
Musik: Bear McCreary
Kamera: Laurie Rose
Besetzung: Vince Vaughn, Kathryn Newton, Celeste O’Connor, Misha Osherovich, Dana Drori, Katie Finneran, Uriah Shelton

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

4/5 - (18 votes)
Freaky
In „Freaky“ wacht eine Schülerin im Körper eines Serienmörders auf und muss nun ihre Unschuld beweisen. Der Film variiert auf originelle Weise bekannte Körpertausch-Szenarien. Das ist prima gespielt und auch immer mal wieder unterhaltsam. Trotzdem ist es etwas schade, dass abgesehen von den brutalen Todesszenen die Kreativität gefehlt hat.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort