Inhalt / Kritik

Willy’s Wonderland

„Willy’s Wonderland“ // Deutschland-Start: 28. Mai 2021 (DVD/Blu-ray)

Einsam fährt der schweigsame Fremde (Nicolas Cage) durch eine menschenverlassene Gegend Nevadas, als sein Auto plötzlich eine Panne hat. Zu seinem Glück trifft er den hilfsbereiten Tex Macadoo (Ric Reitz), der ihm anbietet den Wagen zu reparieren. Er verlangt nicht einmal Geld hierfür, lediglich einen Gefallen: das heruntergekommene Vergnügungscenter „Willy’s Wonderland“ wieder auf Vordermann bringen. Eine leichte Aufgabe, so denkt sich der Fremde. Das sollte innerhalb einer Nacht zu schaffen sein. Dabei hat er jedoch die Rechnung ohne die Maschinen gemacht, die ein Eigenleben entwickelt haben – und einen ziemlichen Blutdurst. Zeitgleich versuchen die Teenagerin Liv Hawthorne (Emily Tosta) und ihre Freunde, den Ort niederzubrennen, um so dem mörderischen Treiben ein Ende zu bereiten …

Der Wahnsinn in Serie

Eines muss man Nicolas Cage lassen: Er ist sich wirklich für keinen Blödsinn zu schade. Während andere ehemalige (Action-)Stars am Ende ihrer Karriere einen belanglosen Actionthriller nach dem anderen abdrehen – vor allem Bruce Willis scheint nichts anderes mehr zu machen –, da ist Cage grundsätzlich für alles offen. Gut ist das Ergebnis nur selten. Dafür ist der Anspruch des Vielfilmers wohl zu gering. Neben massenweise Wegwerfware findet sich in der neueren Filmografie des US-Amerikaners aber auch so manche Perle. Vor allem völlig abgefahrene Titel wie der Blutrausch Mandy oder der psychedelische Horror von Die Farbe aus dem All können sich sehen lassen.

Das gilt nun auch, mit kleineren Abstrichen, für Willy’s Wonderland. Das deutsche Cover ist dabei von einer trügerischen Sorte, lässt eher auf ein buntes Kinderabenteuer schließen. Doch weit gefehlt. Es dauert zwar ein bisschen, bis der Film tatsächlich in Schwung kommt und verrät, worum es eigentlich geht. Dann aber lässt er die animatronischen Puppen nicht nur tanzen, sondern auch freudig meucheln. Mörderische Spielzeuge hat es natürlich immer schon wieder gegeben, von Chucky – Die Mörderpuppe bis zu Annabelle und The Boy. Während diese meistens aber ohnehin auf unheimlich gemacht sind, man von ihnen also geradezu erwartet, dass sie dämonischen Ursprungs sind, da sind die Kollegen hier in erster Linie grotesk.

Aus Spaß am Gemetzel

Das sollen sie aber auch sein. Klassischer Horror steht bei Willy’s Wonderland nicht auf dem Programm. Vielmehr wollte Regisseur Kevin Lewis bei seinem ersten Film nach einer 14 Jahre langen Pause in erster Linie Spaß haben und auf den Putz hauen. Spannung entsteht bei dem irgendwann einsetzenden Dauergemetzel nicht. Dafür ist der Anblick sich balgender Spielzeugkrokodile und Ritter zu absurd – selbst wenn dabei auf Menschenseite kräftig Blut vergossen wird und das eine oder andere Körperteil, seien sie aus Fleisch oder anderen Materialien, am Ende nicht mehr da ist, wo es hingehörte. Ein überzogener Fun Splatter eben, der auf jeglichen Anspruch oder Realismus verzichtet, sondern sich gut gelaunt dem Rausch hingibt.

Inmitten dieses Rausches steht mit Cage jemand, der wie gemacht ist für einen derartigen Unsinn. Und man nimmt es ihm auch ab, dass er die diversen sonderlichen Einfälle des Drehbuchs genießt. Eine davon ist der, die Hauptfigur noch stärker zu reduzieren, als es in dem Bereich ohnehin schon üblich ist. So erfahren wir von ihr weder, wie sie heißt, noch wo sie herkommt. Sie redet nicht einmal: Während alle anderen in Willy’s Wonderland munter drauflosplappern, bleibt ausgerechnet der Protagonist stumm und sagt damit weniger als die Puppen. Für Cage ist das prinzipiell ein gefundenes Fressen, kein anderer Schauspieler ist für vergleichbare Mimikentgleisungen bekannt wie er. Etwas überraschend halten sich diese jedoch in Grenzen. Vielmehr ist seine Figur geradezu stoisch cool, was als Kontrast zum Wahnsinn drumherum gut funktioniert.

Trotz fehlender Ideen spaßig

Leider gehen dem Film mit der Zeit dann aber doch irgendwie die Ideen aus. Das ähnelt mehr einem Videospiel, bei dem Level für Level abgearbeitet wird, ohne dass sich dabei etwas Nennenswertes ändert. Das Budget war ohnehin eher bescheiden. Man verließ sich auf die Designs der Maschinen und Cage; wie beide miteinander interagieren, gerät zur Nebensache. Doch auch wenn Willy’s Wonderland am Ende nicht ganz so viel aus allem herausholt, die Horrorkomödie ist so bescheuert, dass es schon Spaß macht. Abgerundet wird die knallbunte Prügelei, die sich geradezu für feuchtfröhliche Videoabende anbietet, durch einen stimmigen Synthiescore und ein ebenso eingängiges wie penetrantes Jingle, das selbst den größten Stoiker Amok laufen lässt.

Credits

OT: „Willy’s Wonderland“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Kevin Lewis
Drehbuch: G. O. Parsons
Musik: Émoi
Kamera: David Newbert
Besetzung: Nicolas Cage, Emily Tosta, Beth Grant, David Sheftell, Ric Reitz

Bilder

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Willy’s Wonderland
In „Willy’s Wonderland“ verfallen ein paar Animatronics dem Blutrausch und nur ein namenloser, sprachloser Fremder kann sie noch aufhalten. Die Horrorkomödie nimmt sich zu keiner Zeit ernst, genießt gemeinsam mit Hauptdarsteller Nicolas Cage das groteske Szenario. Auch das Publikum darf seinen Spaß haben, selbst wenn dem Film irgendwann die Ideen ausgehen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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