Inhalt / Kritik

Das Gesetz der Macht Class Action

„Das Gesetz der Macht“ // Deutschland-Start: 9. Mai 1991 (Kino) // 27. Juli 2018 (DVD/Blu-ray)

Unterschiedlicher könnten Jedediah Tucker Ward (Gene Hackman) und seine Tochter Maggie (Mary Elizabeth Mastrantonio) kaum sein, wann immer sie sich sehen, kommt es unweigerlich zum Streit. Vor allem seine zahlreichen Affären wirft sie ihm immer wieder vor. Dabei haben sie eine Sache gemeinsam: Beide arbeiten sie als Anwälte, zeigen großes Talent vor Gericht. Kompliziert wird es, als die beiden dort aufeinandertreffen. Während Jedediah Klienten vertritt, deren Autos urplötzlich in Flammen aufgingen, steht Maggie im Dienste eben jenes Autoherstellers. Das bedeutet für beide eine zusätzliche Belastung, zumal sie im Moment eigentlich einander bräuchten. Vor allem Maggie befindet sich bald in einer ziemlichen Zwickmühle zwischen Familie, Loyalität und moralischem Gewissen …

Die Suche nach dem Recht

Dass geschriebenes Recht und gefühlte Gerechtigkeit nicht immer übereinstimmen müssen, diese Erfahrung machen viele. Immer wieder erfahren wir von Urteilen oder Fällen, die so gar nicht mit dem zu vereinbaren sind, was wir als richtig empfinden. Das ist nicht nur eine Herausforderung für diejenigen, die Recht sprechen müssen und damit zuweilen vielleicht auch der eigenen persönlichen Überzeugung zuwiderhandeln. Auch auf der Anwaltsseite kann das schwierig sein. Wer beispielsweise Mörder verteidigt oder Unschuldige anklagt, muss zugunsten eines größeren Rechts moralisch flexibel sein. Die Auffassung: Jeder verdient die bestmögliche Verteidigung. Nur dadurch ist gewährleistet, dass am Ende ein Urteil herauskommt, das für beide Seiten angemessen ist.

So die Theorie. Das Gesetz der Macht führt dabei vor, wie schwierig das jedoch im Einzelfall sein kann. Nicht nur, dass beide Seiten mit völlig unterschiedlichen Mitteln antreten – ein großer Autokonzern ist nun einmal mächtiger als seine Kundschaft. Der Film fordert zudem unsere Vorstellung davon heraus, was noch vertretbar ist, sowohl in moralischer wie legaler Hinsicht. Wann wird bei dem Kampf für das Wohl des eigenen Klienten eine Grenze überschritten? Verkörpert wird dieser Zwiespalt durch Maggie. Die zeigt sich zunächst selbstbewusst, ist davon überzeugt, dass der Autokonzern verteidigt werden muss. Mehr noch: Sie drängt darauf, es selbst tun zu dürfen. Doch je mehr sie über die Machenschaften hinter den Kulissen erfährt, umso größer werden ihre Zweifel.

Ambivalente Figuren

Das erinnert durchaus an Die Firma: In beiden Fällen steht ein junger Mensch am Anfang einer Anwaltskarriere, ist angetrieben von dem Ehrgeiz, richtig weit zu kommen und große Fälle zu übernehmen. In beiden Fällen kommt es zur Ernüchterung. Im Gegensatz zum besagten Kollegen steht bei Das Gesetz der Macht jedoch weniger dieser Verschwörungsaspekt im Vordergrund. Die Thrillerelemente sind deutlich geringer ausgeprägt. Stattdessen verknüpft der Film dieses Thema und die allgemeinen moralischen Überlegungen mit einem Familiendrama, wenn sich Vater und Tochter vor Gericht gegenüberstehen. Wenn berufliche Konkurrenz und private Verwerfungen fließend ineinander übergehen.

Interessant ist dabei, wie ambivalent Das Gesetz der Macht die beiden Hauptfiguren gestaltet. Jedediah setzt sich vor Gericht für die Schwachen und sozial Benachteiligten ein, hat jedoch seine Frau nach Strich und Faden betrogen, war zudem kein guter Vater. Maggie wiederum versucht privat alles richtig zu machen, hat aber kein Problem damit, Unschuldige zu übervorteilen, wenn es der eigenen Karriere nützt. Regisseur Michael Apted (Unlocked, Nashville Lady) zeigt auf diese Weise zwei komplexe Charaktere, die – anders als Maggies Kollegen und die Leute vom Autohersteller – nicht so ganz in die vorgefertigten Schubladen passen. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres in gut oder böse einteilen, was gerade auch bei den Auseinandersetzungen reizvoll ist.

Zum Ende zu einfach

Leider hält Das Gesetz der Macht diese Ambivalenz jedoch auf Dauer nicht aus. Nicht nur, dass der Film den Gesetzen Hollywoods folgend die beiden zerstrittenen Familienmitglieder wieder zusammenführt. Er gibt sich dabei nicht einmal sonderlich Mühe. Die Entwicklung der Beziehung erfolgt eher willkürlich. Zum Ende hin machte man es sich auch auf irritierende Weise einfach, wenn Lösungen einfach so aus dem Zylinder gezaubert werden. Dafür ist das Drama erwartungsgemäß gut gespielt. Das Zusammenspiel von Leinwandlegende Gene Hackman und Mary Elizabeth Mastrantonio (Scarface), die seine Tochter spielt, funktioniert und gibt der Geschichte ein emotionales Fundament. Wer sich nicht daran stört, dass das hier letztendlich an der Oberfläche bleibt und ein wenig der Mut fehlt, der wird mit dieser Mischung aus Familien- und Gerichtsdrama mehr als solide unterhalten. Dazu gibt es eine zynische Abrechnung mit dem Kapitalismus.

Credits

OT: „Class Action“
Land: USA
Jahr: 1991
Regie: Michael Apted
Drehbuch: Carolyn Shelby, Christopher Ames, Samantha Shad
Musik: James Horner
Kamera: Conrad L. Hall
Besetzung: Gene Hackman, Mary Elizabeth Mastrantonio, Colin Friels, Joanna Merlin, Laurence Fishburne, Donald Moffat

Bilder

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Das Gesetz der Macht
In „Das Gesetz der Macht“ stehen sich ein Vater und eine Tochter, die auch so schon ein schwieriges Verhältnis haben, vor Gericht gegenüber und vertreten als Anwälte verschiedene Seiten. Der Film mischt dabei Familien- mit Gerichtsdrama, dazu gibt es Thrillerelemente und Kapitalismuskritik. Das ist vor allem für die beiden komplexen Hauptfiguren und die moralischen Überlegungen sehenswert, selbst wenn man es sich zum Ende hin schon ziemlich einfach macht.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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