Kritik

Die Firma

„Die Firma“ // Deutschland-Start: 14. Oktober 1993 (Kino) // 3. November 2011 (Blu-ray)

An der Uni ist Mitch McDeere (Tom Cruise) ein absoluter Überflieger, der junge Anwalt kann sich aus einer Reihe von Kanzleien seinen Favoriten aussuchen. Die Wahl fällt auf Bendini, Lambert & Locke in Memphis, die zwar nicht die größte ist, sich aber sehr um ihn bemüht. Beispielsweise veranlasst Avery Tolar (Gene Hackman), einer der Partner in der Kanzlei und Mentor von Mitch, dass dieser und seine Frau Abby (Jeanne Tripplehorn) ein schönes kleines Häuschen bekommen, voll möbliert, damit sie sich auch von Anfang an wie daheim fühlen. Doch das Glück währt nicht lange. Bald schon ist Mitch derart stark in die Arbeit eingebunden, dass er kaum noch Zeit für Abby hat. Und es kommt noch schlimmer, denn in der Firma scheint einiges nicht mit rechten Dingen zuzugehen …

Inzwischen spielt John Grisham in der weiten Welt der Filme keine Rolle mehr, die letzte Adaption für die große Leinwand liegt bereits 16 Jahre zurück. Etwas besser sieht es im Bereich Fernsehen aus. Doch auch da ist es bezeichnend, dass der letzte Titel Der Gefangene nicht auf einem seiner bislang drei Dutzend Romane basiert, sondern als Netflix True Crime Doku auf seinem einzigen nicht-fiktionalen Buch aufbaut. Zu sehr haben sich wohl die Geschmäcker verändert. In den 90ern hingegen war es nahezu unmöglich, dem Autor zu entkommen, sowohl in geschriebener wie auch bewegter Form. Gleich sieben Grisham-Filme erschienen zwischen 1993 und 1998, sie alle waren geradezu absurd prominent besetzt und von bekannten Regisseuren inszeniert.

Ein groß angelegter Hit
Mit einem echten Hit ging es los, tatsächlich war Die Firma die mit Abstand erfolgreichste Adaption in der produktiven, jedoch kurzlebigen Reihe: 42 Millionen Dollar soll der Film gekostet haben, am Ende standen Einnahmen von 270 Millionen Dollar. Der Geldsegen dürfte dabei einerseits auf die bekannte Vorlage zurückzuführen sein, die seinerzeit millionenfach über die Ladentheke ging. Mindestens genauso wichtig dürfte aber auch die Besetzung gewesen sein, vor allem die mit Tom Cruise: Der gehörte damals zur absoluten Speerspitze des Blockbusterkinos, hatte sowohl in actionreicheren wie auch dramatischen Rollen enorme Erfolge gefeiert – unter anderem 1992 in Eine Frage der Ehre, ein weiteres Justizdrama.

Der Titel des vorangegangenen Hits hätte aber auch hier gepasst. Immer wieder geraten hier Faktoren wie eben Ehre, aber auch Anerkennung, Geld und Verantwortung in Konflikt, von der Legalität ganz zu schweigen. Interessant ist, dass Mitch zwar durchaus mit Idealismus zur Sache geht, seine Arbeit aber in erster Linie nutzt, um sich möglichst weit von seiner Herkunft zu entfernen, die Armut und Kriminalität bedeutet. Anwalt zu werden, bedeutet hier auch Emanzipation und Selbstbestimmung. Dieser Faktor wird aber leider nicht sonderlich vertieft, er spielt gegen Ende auch keine wirkliche Rolle mehr. Die Firma hat mit seinem Helden etwas anderes vor, als sich mit der psychologischen Komponente auseinanderzusetzen.

Lasst uns noch einen drauflegen!
Es ist auch etwas anderes, als Grisham eigentlich geschrieben hatte. Warum man sich zu den teils massiven Änderungen im Vergleich zum Roman entschieden hat, ist nicht klar. Vielleicht war den Machern das Original nicht heroisch genug, gerade auch mit Cruise als Hauptdarsteller. Und so wandelte man das Ende komplett um, macht aus dem Aktenexperten auf einmal einen Actionhelden. Auch sonst hatte man einige absurde Einfälle, um die Geschichte etwas aufzupeppen. Irgendwann ist das Ganze so over the top, dass man die Ereignisse nur schwer noch ernstnehmen kann, der Thriller fast schon zu seiner eigenen Parodie wird.

In der Hinsicht sollte man schon ein bisschen großzügiger sein. Wer das von sich behaupten kann und sich nicht von den späteren Entgleisungen stören lässt, kann sich hier durchaus gut unterhalten lassen: Die Firma ist trotz seiner üppigen Laufzeit von zweieinhalb Stunden nie langweilig, kombiniert persönliche Tragik mit dem immer beliebten Kampf gegen einen übermächtigen Feind. Regielegende Sydney Pollack (Die drei Tage des Condor) weiß schon, wie er seinen Helden in Szene zu setzen hat und Spannung erzeugt. Gerade auch die Konfrontationen zwischen Mitch und diversen anderen Gruppierungen, vom FBI bis zu Verbrechern, sind intensiv genug, um die an den Haaren herbeigezogene Geschichte ignorieren zu können.

Credits

OT: „The Firm“
Land: USA
Jahr: 1993
Regie: Sydney Pollack
Drehbuch: David Rabe, Robert Towne, David Rayfiel
Vorlage: John Grisham
Musik: Dave Grusin
Kamera: John Seale
Besetzung: Tom Cruise, Jeanne Tripplehorn, Gene Hackman, Ed Harris, Holly Hunter, Wilford Brimley

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Die Firma
3.86 (77.14%) 7 Artikel bewerten

Die Firma
Mit „Die Firma“ ging damals ein regelrechter Run los auf Adaptionen von John Grishams Büchern. Der Thriller um einen Anwalt, der finstere Machenschaften aufdeckt, geht zwar zum Ende hin einen anderen, leider völlig absurden Weg als die Vorlage. Insgesamt ist der Film aber spannend, hat auch die eine oder andere interessante dramatische Komponente, die aus der Hauptfigur mehr macht als nur einen weiteren Helden.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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