Inhalt / Kritik

The Tax Collector

„The Tax Collector“ // Deutschland-Start: 8. April 2021 (DVD/Blu-ray/Video on Demand)

David Cuevas (Bobby Soto) will eigentlich nur eines: seiner Frau Alexis (Cinthya Carmona) und den Kindern ein schönes Leben ermöglichen. Zu diesem Zweck ist er auch zu vielem bereit, das alles andere als schön ist. Oder legal. Vielmehr leben er und Creeper (Shia LaBeouf) davon, für den im Knast sitzenden Gangsterboss Wizard (Jimmy Smits) dessen Anteil an den Profiten einzusammeln, die örtliche Gangs mit ihren illegalen Geschäften in Los Angeles machen. Als jedoch ein alter Rivale Wizards aus Mexiko zurückkehrt, sorgt das für jede Menge Unruhe. Nicht nur, dass der ihm die Männer und damit jede Menge Kohle abspenstig macht. Auf einmal befinden sich David und Creeper außerdem selbst in großer Gefahr …

Blutige Forderungen und Folgen

Nachdem David Ayer zuletzt im fantastischen Bereiches des Filmgeschäfts unterwegs war, von Comic-Antihelden (Suicide Squad) oder auch Orks und Elfen (Bright) erzählte, kehrt der Regisseur und Drehbuchautor mit The Tax Collector wieder zu seinen alltäglicheren Wurzeln zurück. Die Vorliebe für Geschichten rund um das Verbrechen ist ihm dabei jedoch geblieben. Denn auch wenn der Titel vielleicht Assoziationen von Zahlenkolonnen und Beamtenschiebern wecken mag: In dem neuesten Werk des US-Amerikaners geht es nur im übertragenen Sinne um das Einhalten von finanziellen Pflichten. Wer hier gegen Regeln verstößt, der muss auch mehr fürchten als umständlich geschriebene Zahlungsbescheide.

Tatsächlich zeigt uns The Tax Collector eine Welt, in der es nicht gerade zimperlich zugeht. Das war natürlich auch nicht zu erwarten. Wer seinen Lebensunterhalt mit Erpressung, Nötigung, Gewalt oder anderen verbrecherischen Aktivitäten verdient, der zeigt in den seltensten Fällen Skrupel. Und doch überrascht ein wenig, wie explizit Ayer bei seinem neuesten Werk vorangeht. Immer wieder kommt es zu Beispielen exzessiver Brutalität, wenn unter anderem Körperteile abgetrennt werden, um damit den eigenen Forderungen Ausdruck zu verleihen. Gegen Ende hin eskaliert der Actionthriller dann vollständig, der Filmemacher zelebriert dann geradezu, dass seine Figuren wenig Achtung für das menschliche Leben haben.

Der Alltag des Verbrechens

Dabei ist The Tax Collector eigentlich gar nicht so wahnsinnig actionreich. Vielmehr erinnert Ayer an frühere Werke wie Street Kings, die sich mehr mit dem Alltag und der allgemeinen Situation seiner Figuren befasste, anstatt von A bis Z eine Geschichte erzählen zu wollen. Der Unterschied ist nur, dass er bislang immer die Perspektive der Polizei wählte, um sich durch eine verkommene, abgründige Welt zu kämpfen. Dort gab es zwar viel Korruption in den eigenen Reihen, was reine Heldengeschichten verhinderte. Der eine oder andere versuchte aber zumindest, noch das Richtige zu tun. Das fällt hier weg, die Beiläufigkeit bleibt dafür. Dieses Mal gibt es eine lose Abfolge von Szenen, in denen entweder David und Creeper abscheuliche Dinge tun, alternativ die Gegenseite – oder alle zusammen.

Als tatsächlicher Gesellschaftskommentar taugt das natürlich weniger. Ayer verfolgt gar nicht die Ambition, etwas Relevantes über die Welt zu sagen oder neue Einblicke zu gewähren. Es ist auch nicht so wirklich spannend, was er bei seinem Eintauchen in die Welt organisierter Kriminalität vorzeigt. The Tax Collector verpasst es, dem Milieu interessante Perspektiven abzuringen. Auch die Figuren bleiben tendenziell nichtssagend. Wenn David dadurch charakterisiert werden soll, dass er ein Familienmensch ist und für Frau und Kinder alles tun würde, dann ist das schon recht dünn. Creeper darf immerhin durch seine psychopathische Ader hervorstechen, die der immer für Abgründe zu habende Shia LaBeouf auch sichtlich auskostet. Sonderlich in die Tiefe geht das aber ebenso wenig.

In der Summe zu wenig

Das wird zum Ende hin ein Problem, wenn der Film eine stärker emotionale Richtung einschlägt und das Publikum angesichts akuter Lebensgefahr zu Anteilnahme nötigen will. Dafür müsste David aber eine fesselndere oder wenigstens eine sympathischere Figur sein. So aber ist es eher schwierig, sich wirklich für sein Schicksal zu interessieren. Insgesamt wäre bei The Tax Collector deutlich mehr möglich und wünschenswert gewesen. Als Einzelgeschichte ist das zu ereignislos, als Porträt – sei es von einer Person oder eines Milieus – zu oberflächlich. Immerhin stimmt die düstere Atmosphäre rund um eine Parallelgesellschaft, die in einer eigenen Mischung aus Regellosigkeit und Regelhaftigkeit vor sich hin werkelt und dabei immer mal wieder ein Menschenleben auslöscht, wenn es die Situation ergibt. Oder eben die Steuer erfordert.

Credits

OT: „The Tax Collector“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: David Ayer
Drehbuch: David Ayer
Musik: Michael Yezerski
Kamera: Salvatore Totino
Besetzung: Bobby Soto, Cinthya Carmona, George Lopez, Shia LaBeouf, Jimmy Smits

Bilder

Trailer

Interview

Bobby SotoWelche Bedeutung hat Familie für ihn? Und wie war das, diese brutalen Szenen in The Tax Collector zu spielen? Diese und weitere Fragen haben wir Hauptdarsteller Bobby Soto in unserem Interview zum Film gestellt.

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The Tax Collector
„The Tax Collector“ folgt zwei Handlangern eines Gangsterbosses, der von anderen Verbrechern einen Teil deren Einnahmen einfordert – bis es zu Widerstand kommt. Der Film ist dabei lange eher mit dem Alltag der Kriminellen beschäftigt als einer tatsächlichen Geschichte. Das ist dann zwar mit einer düsteren Atmosphäre verbunden, teils auch sehr brutal, hätte aber mehr Tiefgang gebraucht, um tatsächlich Wirkung zu entfalten.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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