Bobby SotoIn dem Actionthriller The Tax Collector (Ab 8. April 2021 auf DVD, Blu-ray und Video on Demand) spielt Bobby Soto einen Verbrecher, der für seinen Boss das Geld anderer Gangs in Los Angeles eintreibt. Wir haben uns mit dem Schauspieler über seine Rolle, intensive Erfahrungen und die Bedeutung von Familie unterhalten.

Warum wolltest du den Film machen?

David Ayer und ich waren vorher schon befreundet und hatten darüber gesprochen, dass wir zusammen einen Film machen wollten. Als man mir dann die Rolle in The Tax Collector anbot, wurde für mich ein Traum wahr.

Wie würdest du deine Figur beschreiben?

David Cuevas lebt im Süden von Los Angeles, einem sehr städtischen Viertel. Er wurde in einen Lebensstil hineingeboren, den er sich nicht ausgesucht hat und an den er sich anpassen musste. Dafür brauchte es viel Mut und Stärke, gerade auch wenn es darum geht, für eine Familie zu sorgen. Denn David ist ein großer Familienmensch, der für seine Frau und seine Kinder alles tun würde. Doch das bedeutet für ihn, sich durch eine Gesellschaft kämpfen zu müssen, die für ihn keinen Platz hat.

Was waren die Herausforderungen für dich, diese Figur zu spielen?

Die größte Herausforderung für mich war, Teile in mir selbst zu entdecken, die ich für diese Rolle brauchte. Selbst auch diese Kraft zu entwickeln und mich zu öffnen für das, was David durchmacht. In The Tax Collector geht es oft um Leben und Tod. David muss da immer in Sekundenschnelle reagieren und auch sehr schwierige Entscheidungen treffen. Wie kann er für seine Familie da sein? Was ist er bereit zu opfern? Das sind schon große Fragen, die er sich stellen muss.

Er ist vor allem bereit, dafür auch richtig zur Sache zu gehen. Zum Ende hin wird The Tax Collector schon sehr brutal. Wie war das für dich, diese Szenen zu spielen?

Das war natürlich nicht einfach. Wenn du jemanden spielst, der andere brutal zusammenschlägt, musst du eine Art Firewall zwischen dir und deiner Figur aufbauen. Du darfst das nicht zu nahe an dich herankommen lassen und musst dir immer klar machen, dass das nicht echt ist und dass du nicht diese Figur bist. Gleichzeitig war es mir wichtig zu verstehen, warum David das alles tut.

Du hast schon erwähnt, dass er letztendlich versucht, für seine Familie da zu sein, und deshalb das alles auf sich nimmt. Inwieweit kannst du dich damit identifizieren?

Sehr. Ich bin auch ein Familienmensch und musste mich schon sehr früh um andere kümmern. Ich habe mit 17 schon allein gewohnt und habe einen jüngeren Bruder und zwei Zwillingsschwestern. Da musste ich früh schon Verantwortung übernehmen und auch die notwendige Stärke entwickeln. In so einer Situation kannst du es dir nicht erlauben, dich fertig machen zu machen oder zu verzweifeln. Meine Eltern haben mir auch beigebracht, dass ich hart arbeiten muss, wenn ich etwas erreichen will. Und daran habe ich mich gehalten.

Aber warum dann die Schauspielerei? Es hätte doch sicher einfachere Möglichkeiten gegeben, deine Familie zu versorgen.

Definitiv. Ursprünglich wollte ich auch gar nicht Schauspieler werden. Als Kind habe ich es geliebt zu zeichnen. Ich bin über meine Schwester dazu gekommen, da sie Unterricht nehmen wollte. Mich hat man einfach nur dorthin mitgenommen und ich bin dann selbst geblieben auf Drängen der Lehrerin. Für uns war es eine Möglichkeit rauszukommen und etwas anderes zu erleben. Irgendwann hat es mir dann selbst gefallen. Es war aber ein harter Kampf und mit viel Arbeit verbunden. Zwischendurch habe ich auch mit der Schauspielerei aufgehört. Seit vier Jahren bin ich wieder dabei und hatte das große Glück, mit vielen tollen Leuten zusammenarbeiten zu dürfen.

Was wäre gewesen, wenn das mit der Schauspielerei nicht geklappt hätte? Gab es einen Plan B?

Nein, tatsächlich nicht. Mir war immer klar, dass ich keinen normalen Schreibtischjob machen konnte. Ich bin jemand, der raus muss und etwas erleben muss. Die Schauspielerei hat mir immer diese Möglichkeit gegeben. Keine Ahnung, was sonst aus mir geworden wäre. Vielleicht würde ich dann irgendwo im Dschungel leben. (lacht)

Du hast vorhin erwähnt, dass du vorher schon mit David Ayer befreundet warst. Wie war es dann für dich, mit ihm zusammenzuarbeiten?

David ist wie ein großer Bruder für mich. Tatsächlich waren wir gute Freunde, ohne dass ich wusste, wer er eigentlich ist. Seine Filme kannte ich natürlich. Nur war mir nicht bewusst, dass die von ihm waren. Erst Shia Labeouf hat mich darauf aufmerksam gemacht, was David vorher alles gemacht hat und mit welchen Schauspielern er gedreht hat: Brad Pitt, Denzel Washington, Will Smith. Die ganz großen also. Als ich dann mit ihm zusammenarbeitete, war das für mich keine Zusammenarbeit mit einem großen Regisseur, den ich immer bewundert habe. Es war eine Zusammenarbeit unter Freunden. Und nicht nur bei uns beiden. Es war insgesamt eine sehr schöne Erfahrung, mit all diesen Leuten arbeiten zu dürfen.



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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