Kritik

Louis van Beethoven

„Louis van Beethoven“ // Deutschland-Start: 25. Dezember 2020 (Das Erste) // 28. Dezember 2020 (DVD)

Als sich Louis van Beethoven (Tobias Moretti) 1826 bei seinem Bruder einquartiert, hat er längst sein Gehör verloren. Mit sich und seinem Werk hadernd, das von anderen als unspielbar bezeichnet wird, kehren seine Gedanken zu seinen Anfängen zurück. Schon mit acht Jahren bewies Beethoven (Colin Pütz) ein großes musikalisches Talent und galt schnell als Wunderkind. Doch auch das größte Talent braucht den passenden Rahmen, um sich zu entfalten. Und so nehmen es der Organist Christian Gottlob Neefe (Ulrich Noethen) und der Schauspieler Tobias Pfeiffer (Sabin Tambrea) auf sich, ihn zu fördern. Mit 16 Jahren beschließt Beethoven (Anselm Bresgott) nach Wien zu gehen, um bei Mozart (Manuel Rubey) zu lernen, dem berühmtesten Komponisten der damaligen Zeit. Doch dabei stellt er schnell fest, dass einer musikalischen Karriere Grenzen gesetzt sind …

Einblick in ein großes Leben

In einem Jahr, das von so vielen großen Faktoren bestimmt wurde, seien es gesellschaftliche oder politische, sind einzelne Ereignisse notgedrungen etwas untergegangen. Eines davon: der Geburtstag von Ludwig van Beethoven, der sich 2020 das 250. Mal jährt. Was sonst das ganze Jahr über sicher groß gefeiert worden wäre, fand nicht zuletzt wegen der Pandemie nicht so wirklich Raum zur Entfaltung. Immerhin, zum Jahresausklang gibt es fast pünktlich zum Geburtstag am 17. Dezember ein groß angelegtes Fernsehporträt. Genauer wagt Regisseur und Drehbuchautor Niki Stein, der zuvor immerhin 15 Tatort-Filme inszeniert hat, einen Rundumschlag, der von Kindheitstagen bis zu der Phase vor dem Tod des Komponisten reicht.

Das ist schon recht ambitioniert, zumal Louis van Beethoven nicht allein die berufliche Laufbahn des Musikers beleuchtet, sondern auch andere Aspekte in seinen Film zu packen gewillt ist. Einer dieser Aspekte ist die europäische Gesamtlage: Der Kontinent ist geprägt von der Französischen Revolution und dem Kriegstreiben Napoleons. Zwar kämpft van Beethoven selbst nicht in diesem Krieg, doch der Schatten der Gefechte wird immer wieder auch ihn erreichen. Der andere bedeutende Aspekt ist der des musikalischen Schaffens, der Zwiespalt zwischen Kommerzialität und Kreativität. Wie schafft man die Balance aus den unweigerlichen Zwängen, wenn man von seiner Kunst leben will, und dem Wunsch künstlerischer Selbstentfaltung?

Alles neu und wie immer

Das ist natürlich ein universelles Thema, welches mit nur wenig Abänderung genauso in einer heutigen Welt genauso erzählt werden könnte. Tatsächlich wird es Stein auch nicht müde, seinen Helden als Vorreiter der Moderne zu porträtieren, als Mensch, der seiner Zeit meilenweit voraus war. Das ist bei jemandem wie van Beethoven natürlich zweifelsfrei legitim. Wenn aber das Unkonventionelle auf eine sehr konventionelle Weise gefeiert wird, dann bleibt von diesem Freigeist nicht mehr so wahnsinnig viel übrig. So eben auch bei Louis van Beethoven, das brav, zu brav, all das aufwartet, was in solchen Kostümfilm-Biopics zu erwarten ist.

Das bedeutet in erster Linie viele Schauwerte, von opulent zurechtgemachten Figuren, die vor historischer Kulisse posieren. Wer die Qualität eines Films an einer solchen Ausstattung festmacht, der bekommt in Louis van Beethoven einiges geboten. Dazu wird kräftig gepoltert, der Umgangston zwischen den Leuten ist schon von einer raueren Natur. Für leise Zwischentöne ist dabei dann kein Platz. Und damit auch für eine tatsächliche inhaltliche Auseinandersetzung. Die deutsch-tschechische TV-Produktion bleibt an der Oberfläche, beharrt auf Aussagen, ohne Fragen zuzulassen, will überwältigen. Davon kann man sich dann selbst überrennen lassen. Auf Dauer bietet das aber zu wenig, ist zu einseitig und plakativ.

Immerhin, die auf mehreren Zeitebenen stattfindende Erzählstruktur ist komplexer, als man es in dem Bereich gemeinhin findet. Und natürlich macht es auch schon Spaß, Tobias Moretti (Gipsy Queen, Deutschstunde) bei der Arbeit zuzusehen, wie er als frustrierter Menschenfeind durch die Gegend grollt. Aber das ist dann trotz einer auch in den Nebenrollen patent zusammengestellten Besetzung doch nur genug für solide TV-Unterhaltung. Man kann sich hier zwei Stunden lang daran erfreuen, wie ein Genie seinen Weg sucht und dabei an vielem zweifelt. Wirklich viel, das einem in Erinnerung bleiben müsste, gibt es hier jedoch nicht.

Credits

OT: „Louis van Beethoven“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Niki Stein
Drehbuch: Niki Stein
Musik: Cristobal Tapia de Veer
Kamera: Arthur W. Ahrweiler
Besetzung: Tobias Moretti, Anselm Bresgott, Colin Pütz, Ulrich Noethen, Ronald Kukulies, Caroline Hellwig, Sabin Tambrea, Manuel Rubey

Bilder

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Louis van Beethoven
„Louis van Beethoven“ erzählt in drei Zeitebenen von dem Leben des großen Komponisten, von früher Kindheit bis kurz vor seinem Tod. Das klingt ambitioniert, ist aber doch eher plakativ. Obwohl gut besetzt und ausgestattet bleibt von dem Biopic nicht viel übrig, das nicht viel übrig hat für die leisen Töne und Zwischenfragen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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