Inhalt / Kritik

Laim und die Tote im Teppich

„Laim und die Tote im Teppich“ // Deutschland-Start: 19. April 2021 (ZDF)

Als bei einem Müllcontainer die Leiche einer Frau entdeckt wird, beginnt für die Polizei das Rätselraten. Wer ist die Frau mit dem Kopftuch, die keinerlei Papiere bei sich hatte? Und warum sollte sie jemand erschlagen, in einen Teppich packen und auf der Theresienwiese ablegen? Einziger Anhaltspunkt ist das Auto, das neben den Containern steht. Dieses führt Lukas Laim (Max Simonischek) und seinen Kollegen Anton Simhandl (Gerhard Wittmann) zu dem Fechtlehrer Hans Heinrich Feuer (Shenja Lacher). Der wiederum hatte sich bereits bei der Polizei gemeldet, dass jemand in seine Wohnung eingebrochen ist und dort einen Perserteppich sowie Autoschlüssel gestohlen hat. Da er zudem für die Tatzeit ein Alibi hat, fällt er als Täter aus. Doch Laim bleibt misstrauisch und führt seine Ermittlungen fort, die ihn ins rechte Milieu führen …

Eile mit Weile

Wenn ein TV-Krimi einigermaßen erfolgreich ist, dann dauert es meistens nicht lang, bis daraus eine eigene Reihe ist. Bei den Geschichten um den Münchner Ermittler Lukas Laim ließ man sich hingegen recht viel Zeit. Nach dem Debüt Die Tote ohne Alibi 2012 dauerte es ganze fünf Jahre, bis es einen zweiten Fall gab. Mit Laim und die Tote im Teppich erscheint jetzt gerade mal der vierte Film der ZDF-Krimireihe, innerhalb von neun Jahren. So viel schaffen andere innerhalb eines Jahres. Ob das aus kommerzieller Sicht eine gute Entscheidung ist, darüber kann man sich streiten, sehr viel Publikumsbindung betreibt man auf diese Weise wohl nicht. Da braucht es dann andere Faktoren, um im Gedächtnis zu bleiben, als bloße Gewöhnung.

Zumindest auf den ersten Blick gibt es da bei Laim und die Tote im Teppich nicht wirklich viel zu holen. Der Film beginnt ganz klassisch mit dem zufälligen Fund einer Leiche, die restliche Laufzeit dient der Spurensuche und Überführung des Täters. Anders als viele Krimis wird hier aber gar nicht so sehr mit dem Rätsel gespielt, was sich zugetragen hat. Vielmehr verrät Drehbuchautor Christoph Darnstädt (Der Kommissar und die Wut) schon recht früh, wer hinter allem steckt. Das bringt einen gewissen Wissensvorsprung für das Publikum mit sich, das sich immer darüber freuen darf, wenn es mehr weiß als die Figuren. Aber auch der hält sich in Grenzen. Eigentlich ist sich Laim sicher, was da los ist – es fehlen ihm nur die Mittel, das auch zu beweisen.

Abgründiges Katz-und-Maus-Spiel

Das wird dann in der zweiten Hälfte interessant, wenn es in Laim und die Tote im Teppich statt regulärer Spurensuche ein Katz-und-Maus-Spiel gibt, inklusive offener Anfeindung und Verspottung. Das macht auch der Besetzung wegen Spaß. Max Simonischek (Desaster) als einsamer Wolf aus vermögendem Haus, der im Zweifel das Gesetz selbst in die Hand nimmt. Ihm gegenüber steht Shenja Lacher (Für immer Eltern, Das weiße Kaninchen), der seine Rolle des bedrohlichen Widerlings bis zum Schluss auskostet. Der Rest des Ensembles muss hinter diesem Duell etwas zurücktreten. Zwischendurch kommt es zwar zu ein bisschen Frauen Power, um den Hahnenkampf ein bisschen aus der Fassung zu bringen. Leider macht der Film aber nicht so wirklich etwas daraus: Die anfangs angedeutete dritte Partei muss sich mit den hinteren Rängen zufriedengeben.

Insgesamt reicht es bei Laim und die Tote im Teppich dadurch nur für das solide Mittelfeld. Der Film ist weniger für ein Publikum interessant, das gerne grübelt. Auch beim Spannungsfaktor wäre mehr möglich gewesen, vereinzelter Actionszenen zum Trotz. Dafür wird hier ausgiebig in die Abgründe geblickt, politische wie persönliche. Subtil oder ausgewogen ist das Ganze dabei weniger. Hier wurde schon sehr betont auf düster gemacht. Aber es funktioniert: An einigen Stellen darf es einen angesichts der grundsätzlich menschenverachtenden bis sadistischen Ansichten richtig schön gruseln. Den Rest erledigen die Aufnahmen zwischen unterkühlt und muffig-erstickend.

Credits

OT: „Laim und die Tote im Teppich“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Michael Schneider
Drehbuch: Christoph Darnstädt
Musik: Dirk Leupolz
Kamera: Andreas Zickgraf
Besetzung: Maximilian Simonischek, Gerhard Wittmann, Shenja Lacher, Tinka Fürst, Heinz-Josef Braun, Helmfried von Lüttichau, Daniel Christensen, Thomas Limpinsel, Peter Knaack, Shadi Hedayati

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Laim und die Tote im Teppich
In „Laim und die Tote im Teppich“ führt die Suche nach einem Mörder ins rechte Milieu. Viel gerätselt wird dabei zwar nicht, dafür geht es betont düster zu. Vor allem das Katz-und-Maus-Spiel zwischen einem regelbrechenden Polizisten und einem überheblichen Sadisten hält einen bei der Stange.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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