Inhalt / Kritik

Der Wien Krimi Blind ermittelt

„Der Wien-Krimi: Blind ermittelt – Tod im Fiaker“ // Deutschland-Start: 8. April 2021 (Das Erste)

Eigentlich wollten Alex Haller (Philipp Hochmair) und seine Schwester Sophie (Patricia Aulitzky) nur ganz entspannt eine Vernissage besuchen, als vor ihren Augen plötzlich der Bankier Romanus Schachner zusammenbricht. Sophie versucht diesen noch per Mund-zu-Mund-Beatmung zu retten, bringt sich damit aber selbst in Gefahr. Denn Schachner wurde durch Zyankali vergiftet, das seinen Drogen beigemischt wurde. Während Hallers Ermittlungen ihn unter anderem zu Schachners Witwe Solveig (Florence Kasumba) führen, die nun das Bankhaus erbt, lässt sich Niko Falk (Andreas Guenther) als Kutscher bei einem Fiakerunternehmen einstellen, denn auf diese Weise sollen die Drogen zuvor verteilt worden sein …

Mörderische Nachbarn

An deutschen Krimis mangelt es bekanntlich weniger, jede Woche buhlen gerade auf den öffentlich-rechtlichen Sendern mehrere Reihen um das Publikum. Da man hiervon aber offensichtlich nicht genug bekommen kann, werden zusätzlich noch diverse österreichische Krimis mit ins Programm aufgenommen, meist einige Wochen nach dem Debüt in der Heimat. Eine davon ist die in der ARD ausgestrahlte Reihe Blind ermittelt, welche bei uns den wenig originellen offiziellen Titel Der Wien-Krimi: Blind ermittelt trägt. Seit 2018 ermitteln darin Haller und Falk, meist auf eigene Faust. Mit Tod im Fiaker, der im ORF noch den Titel Zerstörte Träume hieß, liegt nun der vierte gemeinsame Fall vor.

Die Besonderheit ist dabei bereits im Reihentitel angekündigt. Vergleichbar zu Die Toten von Salzburg hat der österreichische Ermittler mit einer körperlichen Beeinträchtigung zu kämpfen. Wo es beim Kollegen der Rollstuhl ist, da ist es hier die Blindheit Hallers, die Folge eines Bombenanschlags. Während die Salzburger dieses Handicap jedoch vergleichsweise subtil ins Geschehen einbauen, da geht man in Der Wien-Krimi: Blind ermittelt – Tod im Fiaker sehr offensiv mit dem Thema um. Da vergeht kaum ein Moment, in dem die Blindheit nicht in den Mittelpunkt gerückt wird. Mal geht es um eine nicht geschüttelte Hand bei der Begrüßung, mal darum, dass Blinde sich verdächtiger verhalten dürfen als andere, da niemand von ihnen ein „normales“ Verhalten erwartet.

Vorsicht, Holzhammer!

Daraus hätte man natürlich einen interessanten Kommentar auf die Gesellschaft und ihren Umgang mit körperlich beeinträchtigten Personen machen können. Ein bisschen erinnert das auch an Lupin, in dem der Protagonist aufgrund seiner schwarzen Hautfarbe unbemerkt seinen Diebestätigkeiten nachgehen konnte, da ihn niemand als Individuum wahr nahm. Was dort aber eine feine Spitze war, wird in Der Wien-Krimi: Blind ermittelt – Tod im Fiaker zum Holzhammer. Gleiches gilt für die diversen Versuche, die Erblindung durch flapsige Sprüche für die Handlung relevant zu machen. Etwas Selbstironie ist natürlich nicht verkehrt, auch um Berührungsängste abzubauen. Dann sollte das Ganze aber auch lustig sein. Doch so sehr sich Philipp Hochmair (Freud) auch anstrengt, das ist alles immer zu bemüht, geradezu verzweifelt bei dem Versuch, irgendwie locker zu wirken – was sehr schnell auf die Nerven geht. Überhaupt ist das Duo Haller und Falk so uninteressant, dass es kaum Lust darauf macht, noch weitere Filme zu sehen.

Als Krimi funktioniert Der Wien-Krimi: Blind ermittelt – Tod im Fiaker schon besser. Ganz klassisch werden hier auf einen Mord eine Reihe verdächtiger Personen präsentiert, die alle ein potenzielles Motiv hatten. Mit dem Thema der Bankenkrise versuchte man sich zudem gesellschaftlich relevanter aufzustellen. Mit den Fiakers, speziellen zweispännigen Kutschen, gibt es zudem ein lokales Element, welches für mehr Stimmung sorgt. Doch das reicht nicht aus, um den Film als solchen sehenswert zu machen. Teils nervig, teils langweilig ist das hier nicht mal mehr Mittelmaß und damit eindeutig zu wenig, um in einem derart überlaufenen Segment wie dem des TV-Krimis zu bestehen.

Credits

OT: „Der Wien-Krimi: Blind ermittelt – Tod im Fiaker“
Land: Österreich, Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Katharina Mückstein
Drehbuch: Hans Henner Hess
Musik: Michael-Alexander Brandstetter, Bernhard Fleischmann
Kamera: Michael Schindegger
Besetzung: Philipp Hochmair, Andreas Guenther, Jaschka Lämmert, Patricia Aulitzky, Florence Kasumba, Emily Cox, Michael Edlinger, Michael Steinocher, Karl Fischer

Bilder



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Der Wien-Krimi: Blind ermittelt – Tod im Fiaker
Ein Mann wird ermordet, indem seinem Kokain Zyankali beigemischt wird. Das ist eine originelle Methode, auch das lokale Element der Fiaker und eine gesellschaftlich relevante Thematik sind Pluspunkte. Doch das reicht nicht aus, um „Der Wien-Krimi: Blind ermittelt – Tod im Fiaker“ tatsächlich sehenswert zu machen – dafür sind die Figuren zu nervtötend, der Versuch auf Lockerheit zu bemüht.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

3 Responses

  1. Renate Dufner

    Sehr geehrtes Filmteam,
    die Musik am Ende des Wien-Krimi Blind ermittelt -Tod im Fiaker ist wunderschön. Zwei Personen mit jeweils einer Pferdekopfmaske sitzen am Tisch und singen zweistimmig . Gerne hätte ich den Titel des oder der Songs und den Interpreten gewusst.
    Vielen Dank.
    Mit freundlichen Grüßen
    Renate Dufner

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