Kritik

Die Toten von Salzburg - Schwanengesang

„Die Toten von Salzburg: Schwanengesang“ // Deutschland-Start: 27. Januar 2021 (ZDF)

Beruflich genoss Jan Stickler (Sebastian Krähenbühl), der als Dirigent das Salzburger Alt-Orchester leitete, hohes Ansehen, die Leute blickten zu ihm herauf. Hinter den Kulissen sah das aber ganz anders aus. Seine menschenverachtende, herablassende Art und sein Hang, Menschen zu demütigen, brachten ihm jede Menge Feinde ein. Und so haben Major Peter Palfinger (Florian Teichtmeister) und Revierinspektorin Irene Russmeyer (Fanny Krausz) auch jede Menge Verdächtige, als Stickler im Schwimmbad eines Hotels ermordet aufgefunden wird. Waren es Heli Vatsak (Michael Pink) oder Silvia Stoikova (Janina Rudenska), die zum Ensemble gehörten und ihre Meinungsverschiedenheiten mit dem Toten hatten? Was wissen Ursula (Franziska Schlattner) und Estelle (Larissa Kiers), Frau und Tochter des Ermordeten, von der Sache? Und als wäre das nicht schon schwierig genug, mischt sich auch Kriminalhauptkommissar Hubert Mur (Michael Fitz) aus Traunstein mal wieder in den Fall ein …

Ein ähnlicher Fall

Was einmal geht, das geht auch zweimal. Nicht nur die Titel von Die Toten vom Bodensee und Die Toten von Salzburg ähneln sich, auch beim Konzept sind die zwei Kriminalreihen enge Verwandte. Bei beiden handelt es sich um Co-Produktionen zwischen dem ZDF und dem ORF. Bei beiden geschehen Morde, die Deutschland und Österreich betreffen, weshalb es zu einer Zusammenarbeit der jeweiligen Polizei kommt. Eine Zusammenarbeit, die von ziemlichen Schwierigkeiten begleitet wird, da die jeweiligen Ermittelnden schon sehr unterschiedlich sind und sich deshalb ständig in die Quere kommen. Und dann wäre da natürlich auch noch das Kompetenzgerangel, wenn niemand dem anderen den Vortritt lassen, sondern selbst den Fall lösen will.

Während beim Bodensee das Verhältnis aber ständigen Schwankungen unterworfen ist, aus den Gegnern Freunde wurden, da hält man bei Die Toten von Salzburg: Schwanengesang an dem giftigen Verhältnis fest. Vor allem Palfinger und Mur können nicht miteinander, lassen keinen Moment ungenutzt, um sich gegenseitig zu zeigen, was sie voneinander halten: nichts. Allgemein fällt der Krimi dadurch auf, wie sehr hier auf Konfrontation gegangen wird. Dass das Mordopfer ein verabscheuungswürdiger Widerling war, das gehört noch zum Genregeschäft. Es braucht ja schließlich ein Motiv. Aber auch sonst vergeht kaum eine Minute, in der nicht irgendjemand angepflaumt wird. Palfinger tut das gerne mit Sarkasmus, der Bayer Mur mag es direkt.

Aggressiv und hektisch

Das ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Reibereien sind bei Krimis zwar keine Seltenheit, so aggressiv wie hier geht es dann aber doch nicht alle Tage zu. Hin und wieder rückt der Fall da schon mal in den Hintergrund, zumal auch noch ein paar Nebengeschichten erzählt werden müssen. Die machen Die Toten von Salzburg: Schwanengesang damit zwar persönlicher und menschlicher. Gleichzeitig wird es aber auch schon ein wenig unübersichtlich und hektisch, sogar ein bisschen willkürlich. Da ein halbes Dutzend Verdächtige abgearbeitet werden müssen, springt der Film von einem Thema zum nächsten. Es bleibt nie die Zeit, sich auch mal näher mit etwas auseinanderzusetzen.

Hinzu kommt, dass Die Toten von Salzburg immer ein bisschen mehr als nur eine Mördersuche sein wollte. Da ist schon der Anspruch, auch gesellschaftlich relevant zu sein. Das betrifft einerseits Palfinger, der als Rollstuhlfahrer noch immer eine Ausnahmeerscheinung in diesem Bereich ist. Drehbuchautorin Maria Hinterkoerner nimmt sich zusätzlich des Themas #MeToo an, wenn der Dirigent ungeniert aus seiner Machtposition heraus Frauen sexuell nötigt. Bis zu seinem Tod hat das aber mal wieder niemanden interessiert, da wurde von den Verantwortlichen wiederholt weggeschaut, um einen geschäftsschädigenden Skandal zu verhindern.

Das reicht insgesamt für einen ganz ordentlichen, wenngleich eher formelhaft angelegten Genre-Vertreter. Wer gerne rätselt, hat hier eine Weile zu tun, da der Film eine ganze Wagenladung Hinweise und mögliche Verdächtige vor dem Publikum ausschüttet, nur damit es am Ende doch wieder ganz anders ist. Zudem macht es Spaß, Florian Teichtmeister (Adam und Evelyn) zuzusehen, so wie dem Ensemble insgesamt wenig vorzuwerfen ist. Die gelegentlich emotionaleren Szenen fügen sich gut ein, ohne aufgesetzt zu wirken.

Credits

OT: „Die Toten von Salzburg: Schwanengesang“
Land: Österreich
Jahr: 2021
Regie: Erhardt Riedlsperger
Drehbuch: Maria Hinterkoerner
Musik: Dominik Giesriegl
Kamera: Kai Longolius
Besetzung: Florian Teichtmeister, Michael Fitz, Fanny Krausz, Erwin Steinhauer, Franziska Schlattner, Larissa Kiers, Janina Rudenska, Lisa Charlotte Friederich, Michael Pink, Jan Hutter

Bilder



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Die Toten von Salzburg: Schwanengesang
Wenn in „Die Toten von Salzburg: Schwanengesang“ ein widerwärtiger Dirigent ermordet wird, könnte es mal wieder jeder gewesen sein. Der Krimi verbindet dabei eine klassische Mördersuche mit gesellschaftlich relevanten Themen zu einem etwas willkürlichen, insgesamt aber ordentlichen Genrevertreter.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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