Inhalt / Kritik

Besser wirds nicht

„Besser wird’s nicht“ // Deutschland-Start: 22. April 2021 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich sind sich Colin (Sam Neill) und Les (Michael Caton) schon sehr nahe. Nicht nur, dass beide Brüder sind und in unmittelbarer Nachbarschaft wohnen. Beide züchten sie zudem Schafe, die auf denselben Stammbaum zurückgehen. Und doch können die beiden nicht miteinander. Seit vielen Jahren schon sind sie verfeindet, reden kein Wort mehr miteinander. Momentan haben die beiden eh gravierendere Probleme, schließlich grassiert unter den Schafen gerade eine schlimme Krankheit. Die Folge: Sämtliche Schafe der Gegend sollen getötet werden. Für die beiden Brüder kommt das jedoch so gar nicht in Frage, sind die Schafe doch alles, was sie haben. Während Colin dabei versucht, sich durch Tricks dem drohenden Unheil zu entziehen, da geht Les direkt auf Konfrontationskurs …

Sturköpfe im Doppelpack

Was einmal geht, das geht auch mehrfach. Und so dürfte es niemanden wirklich überraschen, dass der isländische Festivalliebling Sture Böcke aus dem Jahr 2015 ein Remake erhält. Das sympathische Drama um zwei zerstrittene Brüder, die durch eine gemeinsame Not wieder zusammenfinden, erfreute seinerzeit schließlich jede Menge Herzen unter der Arthouse-Zielgruppe. Und das obwohl der Film so gar nicht als Crowdpleaser angelegt war. Warum also nicht versuchen, damit noch ein größeres Publikum zu erreichen? So zumindest dürfte die Überlegung hinter Besser wird’s nicht gewesen sein, eine englischsprachige Neuinterpretation des Stoffes.

Wobei die Übersetzung mit einigen Änderungen einhergeht. Die erste offensichtliche ist der Wechsel des Schauplatzes. Von dem eisigen Island mit seiner rauer Natur ging die Reise nach Australien. Mit Schneestürmen hat man hier eher seltener zu kämpfen, dafür aber regelmäßig mit verheerenden Feuern. Wenn in Besser wird’s nicht ein solches ansteht, dann spricht das naturgemäß stärker die lokale Bevölkerung an, gerade nach der Katastrophe Anfang 2020, die unzählige Tierleben gekostet hat. Es bedeutet zudem eine ganz andere Optik. Die eher trüben Farben des Originals wichen deutlich wärmeren und leuchtenden Varianten, ohne daraus gleich eine romantisierte Idylle zu machen. Die Natur bleibt in der Neuauflage eine unkalkulierbare, zum Teil grausame Größe.

Mehr Humor als beim Original

Im Gegensatz dazu ist der Ton deutlich leichter geworden. Zwar gab es auch in Sture Böcke schon humorvolle Ansätze, nicht zuletzt wegen der skurrilen, sehr eigensinnigen Figuren. Doch die waren eher beiläufig, so wie der Film insgesamt sehr zurückhaltend war. Man vertraute damals mehr der Atmosphäre an sich. Besser wird’s nicht behält diese komische Stimmung bei, ergänzt sie jedoch um direktere Gags. Hier soll noch mehr gelacht werden als beim Original. Es geht hier mehr um einen klassischen Unterhaltungsfaktor als noch bei den Isländern. Das funktioniert beispielsweise durch die Schafe, die immer wieder für ein wenig Situationskomik zu haben sind.

Dann und wann rücken die fluffigen, eigensinnigen Tiere dabei in den Mittelpunkt. Im Großen und Ganzen liegt der Fokus aber schon auf den Zweibeinern. Der Film lebt dabei natürlich maßgeblich von dem Zwischenspiel von beiden australischen Veteranen Sam Neill (Jurassic Park) und Michael Caton, die sich selbst jenseits der 70 erbitterte Kämpfe liefern. Mit viel rauem Charme agieren die beiden als zwei Brüder, die sich sehr ähnlich sind, das aber nicht wahrhaben wollen. So etwas macht Spaß. Es rührt auch, wenn die beiden sich irgendwann dann doch annähern, um die gemeinsame Bedrohung abwenden zu können. Schließlich soll Besser wird’s nicht ja versöhnlich stimmen.

Sehenswerte Tragikomödie

Ob man das eher puristische Original vorzieht, welches stärker über die Bilder gearbeitet hat, oder das massentauglichere Remake, ist letztendlich Geschmackssache. Auch über die Frage, ob es die australische Variante überhaupt gebraucht hätte, kann man sich streiten. Sehenswert sind sie jedoch beide. Schöne Landschaftsaufnahmen, von intim bis absurd reichende Befindlichkeiten zweier alter Männer, dazu noch ein bisschen David gegen Goliath, wenn sich die einfache Bevölkerung gegen eine rein auf Profitgier ausgelegte Behörde auflehnt: Da ist schon einiges in Besser wird’s nicht, für das es sich lohnt, den Film einzuschalten. Auch wenn ein paar Ecken und Kanten mehr am Ende nicht verkehrt gewesen wären.

Credits

OT: „Rams“
Land: Australien
Jahr: 2020
Regie: Jeremy Sims
Drehbuch: Jules Duncan
Musik: Antony Partos
Kamera: Steve Arnold
Besetzung: Sam Neill, Michael Caton, Miranda Richardson

Bilder

Trailer

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Besser wird’s nicht
In „Besser wird’s nicht“ sind zwei Brüder, die beide Schafe züchten, seit Ewigkeiten verkracht – bis sie einer gemeinsamen Bedrohung gegenüberstehen. Der Film ist dabei stärker komödiantisch angelegt als das isländische Original „Sture Böcke“. Ob es das gebraucht hätte, darüber lässt sich streiten. Sehenswert ist die schön bebilderte Tragikomödie aber auch als Remake, gerade wegen der beiden Hauptdarsteller.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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