Inhalt / Kritik

Raya und der letzte Drache Raya and the Last Dragon Disney

„Raya und der letzte Drache“ // Deutschland-Start: 5. März 2021 (Disney +) // 27. Mai 2021 (DVD/Blu-ray)

Einst lebten die Menschen und die Drachen in Harmonie in dem Land Kumandra. Doch dann erschienen die Druun, dunkle Monster, die alles verschlingen und jeden in Stein verwandeln, den sie berührten. Als bereits alles verloren schien, opferten sich die Drachen in einem letzten Kraftakt und sicherten so den Menschen das Überleben. Seither sind 500 Jahre vergangen, die Menschheit ist in fünf Stämme zerbrochen. Als Benja versucht, diese Völker wieder zu vereinen, kommt es zur Katastrophe, das magische Drachenartefakt, das ihnen anvertraut wurde, wird im Streit zerstört. Und es kommt noch schlimmer: Kaum ist das Unglück geschehen, kehren die Druun zurück und drohen, alles Leben zu vernichten. Nun liegt es an Raya, der Tochter von Benja, die Katastrophe wieder rückgängig zu machen. Und sie weiß auch schon, wie das funktionieren kann: Sie muss Sisu finden, den letzten Drachen, der der Legende nach die Finsternis besiegt hat …

Rückkehr der Animationsmeister

Es war schon recht ruhig geworden um die legendären Disney Animation Studios, welche uns im Laufe der letzten Jahrzehnte unzählige Klassiker beschert haben. Vor allem wer neue Geschichten der Animationskünstler sehen wollte, musste sich gedulden: Zuletzt hatte es mit Chaos im Netz und Die Eiskönigin II lediglich Fortsetzungen bekannter Hits gegeben. Das letzte Originalwerk des Studios war Vaiana, welches bereits 2016 erschienen ist. Allein deshalb schon durfte man neugierig sein, wohin die Reise bei Raya und der letzte Drache gehen würde. Hinzu kommt, dass durch die durch Corona verwüstete Kinolandschaft große Animationsfilme selten geworden sind. Da kann man schon einmal leichte Entzugserscheinungen entwickeln.

Die werden mit Raya und der letzte Drache, das am Ende beim eigenen Streamingdienst Disney+ landete, auch sicherlich gestillt. Umso mehr, da man auf der Disney-Checklist einiges abgehakt hat, was bei diesen Animationsfilmen Standard geworden ist. So gibt es erneut eine junge Protagonistin, welche die Welt retten muss. Ihr zur Seite stehen tierische Sidekicks, die für den Humor zuständig sind. Auf Sisu, die etwas tollpatschige, aber gutherzige Drachendame trifft sogar beides zu. Auch an anderen Stellen beschleichen einen immer mal wieder Déjà-vu-Erlebnisse. Die Geschichte und der Ablauf der Handlung, wenn Raya und Sisu gemeinsam durchs Land reisen, auf der Suche nach magischen Objekten, welche den Kampf gegen die Druun ermöglichen sollen, dürfte höchstens ein ganz junges Publikum überraschen.

Düster, emotional und wohltuend

Dabei ist Raya und der letzte Drache kein reiner Kinderfilm, auch wenn ein paar niedliche Tierchen und Babys diesen Eindruck erwecken. Der Kampf gegen die Dunkelheit wird zuweilen richtig düster, ein paar der Szenen werden zu intensiv sein, sowohl emotional wie bildlich. An der einen oder anderen Stelle darf man selbst als Erwachsener schlucken. Gleichzeitig soll den Zuschauern und Zuschauerinnen natürlich Mut gemacht werden, dass selbst die auswegloseste Situation gemeistert werden kann. Gemeinsam. Neben der feministischen Ausrichtung des Abenteuers – nahezu alle Hauptfiguren sind weiblich – werden daher eine Reihe der üblichen Tugenden unters Volk gebracht. Besonderes Augenmerk liegt dabei dieses Mal auf dem Thema Vertrauen. Das geschieht zum Teil etwas mit dem Holzhammer. Schön sind die Szenen trotzdem, zudem wichtig: Gerade in Zeiten, die von ideologischen Gräben und Egoismus geprägt sind, ist der Aufruf zu Gemeinschaftlichkeit mehr als willkommen.

Bei den moralischen Anwandlungen bleibt der Spaß jedoch glücklicherweise nicht auf der Strecke. Stärken hat Raya und der letzte Drache schließlich mehr als genug. Sehr schön sind beispielsweise erwartungsgemäß die Bilder. Vor allem die Ausgestaltung der verschiedenen Stämme, welche Kumandra bevölkern, alle in sehr eigenen Kulturen und Dörfern, ist gelungen. So gelungen, dass es schon richtig schade ist, dass wir immer nur vergleichsweise wenig Zeit für alles haben. Auch bei den Landschaften gibt es viel Abwechslung. Gewöhnungsbedürftig sind hingegen die Drachen, welche weniger unserer europäischen Pseudo-Mittelalter-Vorstellung entsprechen, sondern den graziösen Verwandten aus Fernost nachempfunden sind. Mit brachialer Gewalt geht da nichts, da wird vielmehr durch die Luft getanzt. Das passt auch besser zur albernen Sisu, die immer ein wenig mit dem Kopf in den Wolken ist und im englischen Original passend von Awkwafina gesprochen wird. Kleinere Auflockerungen gehören zum Gesamtpaket eben dazu.

Zeitloses Abenteuer

Das kann man dann alles berechnend und ein bisschen zu typisch Disney finden, von dem Mangel an Liedern einmal abgesehen. Dennoch ist der Film in sich stimmig, die einzelnen Elemente greifen makellos ineinander, ohne dass sich irgendwo wirklich ein Grund zum Meckern bieten würde. Der Aufbau der Truppe hätte gern noch etwas mehr Raum bekommen dürfen, das geht dann irgendwann doch recht schnell. Andererseits lässt das hohe Tempo keine Gelegenheit für Langeweile. Raya und der letzte Drache ist schön in Szene gesetzt, durchwegs unterhaltsam und trotz seiner modernen Ausrichtung und Ausgestaltung auf eine wohlige Weise altmodisch und vertraut. Ein Abenteuer, das gleichzeitig zeitlos ist und doch der richtige Film zur richtigen Zeit.

Credits

OT: „Raya and the Last Dragon“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Don Hall, Carlos López Estrada, Paul Briggs, John Ripa
Drehbuch: Qui Nguyen, Adele Lim
Musik: James Newton Howard
Animation: Disney Animation

Bilder

Trailer

Special

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Raya und der letzte Drache
In „Raya und der letzte Drache“ liegt die Welt in Trümmern, eine junge Frau und ihre tierische Crew sind ihre letzte Chance. Der Animationsfilm nimmt natürlich schon viele der bewährten Disney-Bestandteile, macht daraus aber ein in sich stimmiges und unterhaltsames Werk. Vor allem die Ausgestaltung der Welt ist gelungen, der Aufruf zu mehr Vertrauen und Gemeinschaft zudem willkommen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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