Inhalt / Kritik

Der Prinz aus Zamunda 2 Coming 2 America

„Der Prinz aus Zamunda 2“ // Deutschland-Start: 5. März 2021 (Amazon Prime Video)

Nach dem Tod seines Vaters (James Earl Jones) wird der bisherige Prinz Akeem Joffer (Eddie Murphy) zum König des Staates Zamunda erklärt. Von Freude jedoch keine Spur, schließlich hat er von diesem auch diverse Probleme geerbt. Eines davon: die Thronfolge. So haben Akeem und seine Frau Lisa (Shari Headley) zwar drei Kinder. Doch weder Meeka (KiKi Layne) noch die beiden jüngeren Töchter kommen für den Thron in Frage, der allein männlichen Nachkommen vorbehalten ist. Und so ist auch gleich General Izzi (Wesley Snipes) zur Stelle, der Anführer des Nachbarlandes Nextdoria, und droht damit, sich Zamunda einzuverleiben. Aber dann erfährt Akeem, dass er sehr wohl einen Sohn hat, den er seinerzeit bei seiner Reise in die USA unwissentlich gezeugt hat: Lavelle Junson (Jermaine Fowler). Der uneheliche Prinz weiß bislang ebenso wenig von seinem Glück und tut sich zudem ein wenig schwer mit den an ihn gestellten Erwartungen …

Ein spätes Wiedersehen

Wenn ein Film erfolgreich ist, dann dauert es normalerweise nicht lange, bis ein Nachfolger erscheint oder zumindest im Gespräch ist. Denn wenn man schon an die Popularität einer Geschichte anknüpfen möchte, dann sollte das nach Möglichkeit geschehen, solange diese noch frisch im Bewusstsein des Publikums ist. Dann ist die Wahrscheinlichkeit schließlich am höchsten, dass es bereit ist, dafür noch Geld auszugeben. Von daher durfte man schon ein wenig verwundert sein, als es hieß, Der Prinz aus Zamunda würde eine Fortsetzung bekommen, mehr als 30 Jahre später. Denn auch wenn die Komödie um einen afrikanischen Prinzen, den es nach New York City verschlägt, seinerzeit sehr erfolgreich war, würde ein heutiges Publikum darauf wirklich noch ansprechen?

Zumindest der Einstieg macht dabei klar: Es geht gar nicht wirklich um ein heutiges Publikum. Vielmehr sollen Zuschauer und Zuschauerinnen angesprochen werden, die den Film kennen und lieben. Im Idealfall solche, die ihn seinerzeit sogar schon im Kino gesehen haben. Nicht nur, dass der Film gespickt ist mit Gastaufritten des damaligen Ensembles. Unter anderen gibt es ein Wiedersehen mit dem kultigen Friseursalon. Auch das McDowells, ein dreist nach McDonalds nachempfundener Fast-Food-Laden, ist wieder mit dabei. Eine größere musikalische Einlage zu Beginn des Films wiederum ist nur drin, um so manchen daheim vor den Bildschirmen von Nostalgie getriebene Tränen in den Augen bescheren. Das auf Amazon Prime Video veröffentlichte Der Prinz aus Zamunda 2 schwelgt ganz ungeniert in Erinnerungen, wenn da Stars der 80er und 90er vorgeführt werden.

Platz für den Nachwuchs

So etwas ist natürlich legitim. Es kann auch sehr erfolgreich sein, wie Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht vor einigen Jahren demonstrierte, das dank exzessiver Referenzen an alte Geschichten neue Rekorde aufstellte. Das macht es aber nicht automatisch gut. Wobei man Der Prinz aus Zamunda 2 zugutehalten muss, dass der Film sich irgendwann doch von der verträumten Rückschau löst und etwas Eigenes erzählen möchte. Zumindest zum Teil. So verschiebt sich der Fokus nach und nach weg von Akeem und hin zu seinem bislang unbekannten Sohn, der nun der neue Prinz ist. Der hat zwar einen umgekehrten Weg als sein Vater. Während Letzterer als Reicher plötzlich ein Leben in Armut und Arbeit führen wollte, da wird bei Lavelle aus einem Niemand ein Prinz. Die Probleme in der Liebe haben sie jedoch gemeinsam.

So richtig überzeugend ist das Ergebnis leider nicht. Das liegt weniger an dem neuen Hauptdarsteller Jermaine Fowler (Sorry to Bother You), der mit Energie und Charme seine Rolle ausfüllt. Vielmehr gibt es erneut Probleme mit dem Drehbuch, gegen die das Ensemble nur bedingt ankommt. So fehlen einerseits wie schon beim Vorgänger tatsächlich gute Witze. Es sind sogar noch einmal ein ganzes Stück weniger geworden. Gründe zum Schmunzeln finden sich dabei zwar schon immer mal wieder. Die lassen sich jedoch mehr auf die engagierten Darsteller und Darstellerinnen zurückführen, beispielsweise die enthemmten Auftritte von Leslie Jones und Wesley Snipes. Die Gags an sich sind oft sehr harmlos. Nette Einfälle wie ein eskalierendes Bewerbungsgespräch sind da schon das Höchste der Gefühle.

Zu viele Themen und Figuren

Das zweite Problem ist, dass die von Craig Brewer (Dolemite Is My Name) inszenierte Komödie ohne rechtes Ziel umherirrt. So schneidet der Film zahlreiche Themen an, von Rassismus über Liebe bis zur Rolle der Frau, ohne dabei irgendetwas auch mal konsequenter zu verfolgen. Vor allem aber gibt es viel zu viele Figuren, was zur Folge hat, dass sich alle gegenseitig im Weg herumstehen. Lebte Der Prinz aus Zamunda seinerzeit noch von dem Duo Murphy und Arsenio Hall, jongliert der Nachfolger mit zahlreichen Charakteren herum. Von den Töchtern erfährt man nicht viel, obwohl sie ein Hauptthema sind. Lavelles Love Interest Mirembe (Nomzamo Mbatha) ist einfach irgendwie da. Nicht einmal für den Aufbau einer wirklichen Beziehung zwischen Akeem und seinem Sohn ist dabei Zeit. Da wird zum Schluss zwar viel mit Zuckerguss zugekleistert. Das kann aber nicht wirklich verdecken, dass der Film erschreckend wenig Inhalt hat. Das kann man sich in der Summe noch ansehen. Gebraucht hätte es die Fortsetzung aber sicherlich nicht.

Credits

OT: „Coming 2 America“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Craig Brewer
Drehbuch: Kenya Barris, Barry W. Blaustein, David Sheffield
Musik: Jermaine Stegall
Kamera: Joe Williams
Besetzung: Eddie Murphy, Arsenio Hall, Jermaine Fowler, Leslie Jones, Tracy Morgan, KiKi Layne, Shari Headley, Nomzamo Mbatha, Wesley Snipes

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Der Prinz aus Zamunda 2
„Der Prinz aus Zamunda 2“ knüpft mehr als 30 Jahre später nahtlos an die Hitkomödie an – und gleichzeitig wieder nicht. Tatsächlich wird hier ziellos alles Mögliche zusammengeworfen, zwischen Nostalgie und modernen Themen, unzählige Figuren aufeinander losgelassen. Das ist am Ende zu viel und zu wenig. Die Gags zünden nicht, das Ensemble bekommt nicht den Raum, um sich tatsächlich in Szene zu setzen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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