Kritik

Die Bestatterin: Die unbekannte Tote

„Die Bestatterin: Die unbekannte Tote“ // Deutschland-Start: 28. Januar 2021 (Das Erste)

Es lief schon einmal besser bei Familie Taubenbaum, die in einem Dorf auf der Schwäbischen Alb ein Bestattungsunternehmen führt. Das Geld ist knapp, es sterben zu wenige, um wirklich davon leben zu können. Während Vater Alfons (Artus Maria Matthiessen) deshalb im Gemeinderat tätig ist, verdient sich Tochter Lisa (Anna Fischer) als Physiotherapeutin etwas hinzu, ihr Bruder Hannes (Frederik Bott) ist als Tischler unterwegs. Als die Leiche einer unbekannten Frau gefunden wird, ist das daher schon ein Geschenk. Nur Lisa ist skeptisch, ob es bei dem Tod wirklich mit rechten Dingen zuging. Da Dorfpolizist Andi (Helgi Schmid) aber kein wirkliches Interesse daran hat, den Fall zu verfolgen, begibt sie sich selbst auf Spurensuche – und gerät dabei mit dem Stuttgarter Polizisten Zellinger (Christoph Letkowksi) aneinander, dem sie privat nähergekommen ist …

Ein Krimi wie jeder andere?

Im deutschen Fernsehen ist kaum etwas so beliebt wie das Krimigenre – und kaum etwas derart überrepräsentiert. Wer in dem hart umkämpften Bereich hervorstechen und ein Publikum finden will, muss sich daher schon ein bisschen was einfallen lassen. Denn allein über die Fälle ist das etwas schwierig, die sind sich doch zu ähnlich. Aber es gibt Alternativen. Manche Reihen suchen als Alleinstellungsmerkmal den Ort, indem sie mit einem stimmungsvollen Setting punkten, etwa norddeutsche Küsten wie in Nord Nord Mord: Sievers und der goldene Fisch oder Nord bei Nordwest: Im Namen des Vaters. Andere setzen auf besonders viel Humor, um auf sich aufmerksam zu machen, wie man es beispielsweise bei Marie Brand und die Leichen im Keller tut.

Bei Die Bestatterin: Die unbekannte Tote geht man einen anderen, in Deutschland nicht ganz so häufig verfolgten Weg. Anstatt wie normalerweise üblich Polizisten und Polizistinnen auf Mörderjagd zu schicken, darf hier – der Titel verrät es bereits – eine Bestatterin sich als Privatdetektivin versuchen. Das ist auf der einen Seite naheliegend, da dieser Beruf nun einmal direkt an der Quelle liegt. Da bekommt man schon recht schnell mit, wenn jemand stirbt – und auch, wenn da etwas nicht stimmt. Auf der anderen Seite ist es eine erfrischende Abwechslung im Fernseheinerlei, die an die lange Tradition privater Hobbyermittler*innen erinnert, allen voran Miss Marple, die gerne mal zum Vergleich herangezogen wird. Beiden gemeinsam ist zudem das ländliche Setting.

Das Dorf als hartes Pflaster

Ein Unterschied ist jedoch, dass Taubenbaum vom Auftreten her weit entfernt ist von dem der reizenden britischen älteren Dame. Anna Fischer (Der König von Berlin) verkörpert die Titelfigur nicht nur als ziemlichen Wirbelwind, der über die Einwohner des kleinen Dorfes hinwegfegt. Ständig ist sie am Tun und am Machen, wuselt umher, kann irgendwie keinen Moment mal stillsitzen. Sie ist zudem alles andere als auf den Mund gefallen. Im bislang zweiten Auftritt der Provinzschnüfflerin teilt sie verbal recht oft aus. Allgemein herrscht in ihrer Familie ein auffallend rauer Ton, den man so aus deutschen TV-Krimis eher nicht gewohnt ist. Da kann es schon mal aus heiterem Himmel knallen.

Diese stärkere Ausrichtung auf die Familie trägt tatsächlich dazu bei, dass Die Bestatterin: Die unbekannte Tote mehr in Erinnerung bleibt. Man ist hier mehr unter sich, was auch gut zum ländlichen Ambiente passt. Von Idylle ist dennoch keine Spur. Dafür sorgen nicht nur die ständigen Streitereien und die Morde, die da geschehen. Allgemein sind da schon einige menschliche Abgründe überall verteilt. Der Fall selbst dreht sich beispielsweise um eine Betrügerin und Korruption bei der Entscheidung, was mit einem Stück Land geschehen soll. Und dann wären da noch die amourösen Probleme von Lisa, die in ihrer Beziehung mit Zellinger nicht so recht vorankommt. Als Porträt ist das sehenswert und macht auf jeden Fall Lust auf weitere Teile. Über den Krimiteil kann man sich hingegen streiten, da das hier schon recht konstruiert ist und zu sehr auf Zufälle setzt.

Credits

OT: „Die Bestatterin: Die unbekannte Tote“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Fabian Möhrke
Drehbuch: Alexander Buresch
Musik: Alexander Komlew
Kamera: Matthias Reisser
Besetzung: Anna Fischer, Christoph Letkowski, Artus Maria Matthiessen, Frederik Bott, Helgi Schmid, Thomas Schmauser, Robert Schupp

Bilder

Trailer

Interview

Anna Fischer Die Bestatterin Die unbekannte Tote InterviewWas reizte sie an der Figur der Lisa Taubmann? Und was macht einen Krimi eigentlich so beliebt? Diese und weitere Fragen haben wir Anna Fischer in unserem Interview zu Die Bestatterin: Die unbekannte Tote gestellt.

Kaufen/Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.



(Anzeige)

Die Bestatterin: Die unbekannte Tote
Bei ihrem zweiten Auftritt überzeugt Anna Fischer als resolute Hobbydetektiv, die mehr über eine Tote herausfinden will. „Die Bestatterin: Die unbekannte Tote“ gefällt dabei vor allem als Porträt einer ländlichen Gegend, in der ein recht rauer Ton herrscht. Der Fall selbst verlässt sich aber zu sehr auf Zufälligkeiten.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

Hinterlasse eine Antwort