Kritik

Der Pfad des Legionärs

„Der Pfad des Legionärs“ // Deutschland-Start: 7. Januar 2021 (DVD/Blu-ray)

Im ersten Jahrhundert vor Christus droht die römische Invasion des Partherreiches in einer absoluten Katastrophe zu enden, als eine Legion im armenischen Hochland eingeschneit wird und die Vorräte schnell zu Neige gehen. Kommt keine Hilfe, bedeutet dies das Ende von Tausenden von Männern. Um dieses grausige Schicksal doch noch zu verhindern, schickt General Marcus Licinius Crassus (Vladimir Kulich) den Legionär Noreno (Lee Partridge) los, die römische Armee zu benachrichtigen und Unterstützung zu erbitten. Der Weg ist dabei grundsätzlich nicht weit, führt aber mitten durch die Berge. Schlimmer noch: Er führt mitten durchs Feindesland, weshalb die Mission mit großen Gefahren für den Legionär verbunden ist …

Überlebenskampf in mehrfacher Hinsicht

In einem Krieg droht einer Einheit die komplette Vernichtung, ein Bote, der mitten durchs Feindesland geschickt wird, ist die einzige Hoffnung auf Rettung – bei dieser Beschreibung dürften die meisten an 1917 denken. Der Pfad des Legionärs erzählt nun eine prinzipiell ganz ähnliche Geschichte wie das mehrfach preisgekrönte Kriegsdrama. Der erste offensichtliche Unterschied ist der, dass die Handlung eben nicht in der Neuzeit stattfindet, sondern im ersten Jahrhundert vor Christus. Eine Zeit, in der die Ausrüstung noch deutlich spärlicher war, auch bei den Transportmitteln musste man sich mit wenig zufriedengeben. Und während beim Blockbuster der Weg über weitestgehend flaches Land führt, da heißt es hier mitten durch die Berge.

Als Konzept ist das eigentlich gar nicht so schlecht. Schon das bloße Kämpfen durch die Wildnis kann recht spannend sein, viele Survivalthriller haben dies vorgemacht. Eine mangelnde Ausrüstung und Vorbereitung, ein menschenunfreundliches Wetter, die Gefahr von Raubtieren, denen man begegnen kann, das bringt fast automatisch einen gewissen Nervenkitzel mit sich. Bei Der Pfad des Legionärs kommt noch der Zeitdruck hinzu und das ständige Risiko, eigenen Feinden über den Weg zu laufen. Eine geradezu unmögliche Aufgabe, die große Heldentaten erfordert, das ist das Rezept des klassischen Unterhaltungskinos.

Schön bebilderte Langeweile

So weit die Theorie. In der Praxis sieht das leider jedoch ganz anders aus. Der Pfad des Legionärs ist nicht nur weit davon entfernt, das versprochene Highlight zu sein, ein Geheimtipp in historischem Setting. Der Film ist sogar schrecklich langweilig. Schon der Einstieg macht jetzt nicht unbedingt Lust auf mehr, wenn in einem nicht enden wollenden Dialog über die Lage des römischen Reiches sinniert wird. Mit dem Abenteuer an sich hat das nichts zu tun. Inhaltlich ist das ziemlich belanglos. Es ist nicht einmal visuell ansprechend in Szene gesetzt, wenn dieser Monolog im Angesicht einer Büste stattfindet, die naturgemäß nicht viel Abwechslung mit sich bringt.

Später werden die Bilder aber tatsächlich die Stärke des Films sein. Noreno muss sich durch die unterschiedlichsten Landschaften kämpfen, was eine entsprechende Optik nach sich zieht.  Wälder und Berge, dazwischen die eine oder andere Ebene – da schaut man schon ganz gerne zu, auch wenn die eingesetzten Filter ein bisschen sehr verfremden. Tatsächlich spannend sind die Szenen aber nicht. Vielmehr gleicht Der Pfad des Legionärs einem Trailer mit wild zusammengeschnittenen Abschnitten, dazu dann viel epische Musik. Dass diese Musik so gar nicht zu den gezeigten Ereignissen passt und durch den Dauergebrauch bald anfängt zu nerven, schien niemanden zu stören. Vielleicht baute man auch einfach darauf, dass das Publikum auf diese Weise nicht realisiert, wie wenig in dem Film tatsächlich passiert.

Klar, dann und wann begegnet unser Held mal anderen Figuren, was entweder zu sekundenlangen Kämpfen oder ausufernden Dialogen führt. Sehenswert sind beide Optionen aber nicht. Zum Teil ist die Sparsamkeit natürlich dem Budget geschuldet, welches einfach keine größeren Schlachten oder ähnliches ermöglicht. Dass einem Drehbuchteam, das immerhin aus vier Leuten besteht, aber nichts Besseres einfällt als das hier, das ist jedoch ein Armutszeugnis ganz anderer Art. Allein der Bilder wegen kann man hier natürlich schon reinschauen, zumal Filme über Römer nicht allzu oft produziert werden. Für Erstere bieten sich alternativ aber auch einfach ein paar Naturdokus an. Denn die haben meistens auch noch etwas zu sagen, im Gegensatz zu dem hier.

Credits

OT: „The Legion“
Land: USA, Spanien
Jahr: 2020
Regie: Jose Magan
Drehbuch: Carmen Ballesteros, Pedro Santamaría, Alberto Vázquez Figueroa, C.J. Wells
Musik: Jordi Longán
Kamera: Robert Reed Altman, Nacho Tundidor
Besetzung: Lee Partridge, Mickey Rourke, Joaquim de Almeida, Vladimir Kulich, Bai Ling, Maksim Matveev, Bosco Hogan, Mark Aaron

Bilder

Trailer

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Der Pfad des Legionärs
In „Der Pfad des Legionärs“ muss sich ein einzelner Krieger durch die Wildnis und das Feindesland kämpfen, um Hilfe für seine Legion zu holen. Das hört sich spannend an, ist es aber nicht. Die Ereignisse sind sparsam, Monologe und Dialoge dafür ausufernd, ohne etwas zu sagen. Selbst die an und für sich schönen Bilder helfen da nicht mehr, zumal sie von der aufdringlich epischen Musik begraben werden.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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